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Aktuell

Kommunale Waldbesitzer zum Bundeswaldgesetz

Kein „Amtsschimmel“ im Wald!

Deutscher Städte- und Gemeindebund, 2.12.03

Holz und Holznutzung ist ein wichtiger Beitrag zur Wertschöpfung insbesondere im ländlichen Raum und schafft Arbeitsplätze. Die kommunalen Waldbesitzer in Deutschland fordern daher eine nationale Forstpolitik, die sich klar zum Faktor "Wirtschaften im Wald" bekennt und in Bäumen nicht nur potentielles Totholz für den Naturschutz sieht.

"Einen neuen Amtsschimmel im Wald brauchen wir nicht", beziehen der Vorsitzende des Gemeinsamen Forstausschusses "Deutscher Kommunalwald", Verbandsdirektor Reimer Steenbock (Mainz) und das geschäftsführende Präsidialmitglied des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Dr. Gerd Landsberg (Berlin), Position zu der angekündigten Novelle des Bundeswaldgesetzes, die zur Zeit maßgeblich unter der Federführung von Bundesumweltminister Jürgen Trittin erarbeitet werde. Die deutsche Forstwirtschaft brauche keine weiteren Gängelungen durch neue Naturschutzauflagen in einem Bundeswaldgesetz. Hierdurch werde die deutsche Forstwirtschaft in ihrer Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten geschwächt. Während im Zuge globalisierter Märkte beispielsweise die Forstwirtschaft in Osteuropa boome, stritten sich in Deutschland Umwelt- und Naturschutzverbände um den Abstand von Rückegassen oder die Anzahl von Spechtbäumen je Hektar Wald. "Diese Diskussionen helfen weder dem Wald noch der Natur und dem Umweltschutz. Auch den Holzabsatz bringen wir so nicht voran", so Steenbock und Landsberg anlässlich der Tagung des Gemeinsamen Forstausschusses "Deutscher Kommunalwald" am 01. Dezember 2003 in Augsburg.

Die bisherige Forstwirtschaft habe nachweislich zu einer Verbesserung der Wälder geführt. Deutschland verfüge zwischenzeitlich über einen Waldvorrat von insgesamt 2,8 Mrd. Kubikmeter Holz. Und obwohl pro Jahr ca. 60 Mio Kubikmeter Holz hinzuwachsen, würden nur 40 Mio Kubikmeter Holz geerntet. Das in den heimischen Holzvorräten gebundene Kapital belaufe sich auf schätzungsweise 58 Mrd Euro. Angesichts der Probleme auf dem Arbeitsmarkt und weitestgehend leerer Kassen könne die Mobilisierung der vorhandenen Rohstoffpotentiale einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung und zur Erhaltung und Schaffung neuer Arbeitsplätze insbesondere in strukturschwachen ländlichen Regionen leisten. Die rund 12.000 kommunalen Forstbetriebe in Deutschland fordern daher für die heimische Forstwirtschaft einen verlässlichen Rahmen zu schaffen, der gute Ausgangsbedingungen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung unterstützt und gleichzeitig Investitionen und ökonomische Aktivität auf dem Forstsektor stärkt.

Steenbock und Landsberg appellieren daher an Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast, der arbeitsmarktpolitischen und wirtschaftlichen Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft verstärkt Rechnung zu tragen. Die im Koalitionsvertrag von SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN vereinbarte "Charta für Holz" sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ziel der "Charta für Holz" sei es, den Holzabsatz und die Holznachfrage in Deutschland zu steigern. Mit dieser Initiative trage Ministerin Künast der volkswirtschaftlichen sowie der ökologischen und sozialen Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft vor allem im ländlichen Raum Rechnung.

Mit aktuell über 1 Mio Beschäftigter stelle der Bereich Wald, Forst- und Holz bereits heute einen wichtigen arbeitsmarktpolitischen Faktor dar. Die nachhaltige Produktion und Verarbeitung des heimischen Roh- und Werkstoffes Holz biete damit weit mehr Arbeitsplätze als andere Wirtschaftszweige wie beispielsweise die chemische Industrie mit ca. 480.000 Beschäftigten, der Kohlebergbau mit ca. 100.000 Beschäftigten oder die Stahlerzeugung mit ca. 80.000 Beschäftigten. Mit einem Jahresumsatz von über 120 Mrd. Euro errechne sich für diesen Bereich auch ein mit etwa 1,5 % signifikanter Anteil an der Bruttowertschöpfung insgesamt. Im ländlichen Raum steige dieser Anteil in manchen Landkreisen wie z. B. in Nordrhein-Westfalen auf über 20 % an. Rechne man die etwa 1,3 Millionen Waldbesitzer in Deutschland noch hinzu, die nachhaltig und langfristig aus dem Waldbesitz Einkommen erzielen und viele Waldfunktionen wie z. B. Lärmschutz, Bodenschutz, Erholung und vieles mehr unentgeltlich zur Verfügung stellen, so verberge sich hier ein enormes Potential. Dieses gelte es zu nutzen statt durch neue Bürokratie im Bundeswaldgesetz auszubremsen.

Ein nicht zu unterschätzendes Potential für die Schaffung neuer Arbeitsplätze sehen Steenbock und Landsberg im Ausbau der Holzenergienutzung. So habe z.B. Österreich sehr früh auf den Megatrend Holzenergie gesetzt und damit nicht nur nachhaltig fossile Energieträger ersetzt und CO2-Emmissionen gesenkt, sondern netto innerhalb weniger Jahre über 50.000 Arbeitsplätze im eigenen Land durch verstärkte Holzenergienutzung geschaffen. Der österreichische Holzenergieanlagenbau sei mittlerweile führend und habe sich zu einem rasant wachsenden Exportschlager entwickelt. In deutschen Kommunen wachse das Interessen an der Holzenergienutzung. Allerdings müsse in Deutschland endlich Schluss gemacht werden mit einer Debatte, die dem Verbraucher suggeriere, Forstwirtschaft und heimische Holznutzung gingen zu Lasten vom Naturschutz im Wald.


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