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Waldsterben geht weiter

Dienstag 9. Dezember 2003, 15:48 Uhr

Ende des Waldsterbens nicht in Sicht

Frankfurt/Main (AP) Die extreme Hitze und Trockenheit des diesjährigen Frühjahrs und Sommers haben dem Wald in weiten Teilen Deutschlands arg zugesetzt. In mindestens zehn Bundesländern nahm der Anteil der Bäume mit deutlichen Schäden im Vergleich zu 2002 zu, wie eine AP-Umfrage am Dienstag ergab. Lediglich im nach eigenen Angaben waldreichsten Bundesland Hessen und in Schleswig-Holstein verbuchten die zuständigen Ministerien eine leichte Verbesserung.

Folgeschäden für die nächsten Jahre wurden aber auch dort nicht ausgeschlossen. Neben der extremen Dürre haben nach Einschätzung der Experten die hohe Ozonbelastung sowie die ohnehin bestehende Luftverschmutzung den Bäumen schwer geschadet. Zudem bedrohen nun Schädlingsplagen die kranken Wälder. Vor allem der deutsche «Symbolbaum», die Eiche, ist vielerorts in großem Umfang krank.

Am meisten litten die Bäume in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg: Etwa jeder dritte Baum (33 beziehungsweise 29 Prozent) weist dort derzeit deutliche Schäden auf; 2002 war es erst jeder vierte (jeweils 24 Prozent). Schlecht geht es den Bäumen auch in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, wo nur 22, 27 beziehungsweise 33 Prozent ganz gesund sind, auch wenn der Anteil der schweren Schäden im bundesweiten Mittelfeld liegt (Berlin: 25 nach 24 Prozent 2002; Nordrhein-Westfalen: unverändert 24 Prozent; Sachsen-Anhalt: 21 nach 18).

Zwischen einem Fünftel und einem Viertel liegt der Anteil der deutlich geschädigten Bäume auch in Bayern (22 nach 21) und Schleswig-Holstein (20 nach 24). Vergleichsweise gering ist der Anteil der schweren Schäden in Bremen (5,7 nach 5,0), Brandenburg (11 nach 10), Niedersachsen (11 nach 12) und dem Saarland (13 nach 11). Aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen lagen zunächst keine Angaben vor.

Bundesweit war im vergangenen Jahr der Anteil der deutlichen Waldschäden mit 21 Prozent angegeben worden - mit abnehmender Tendenz nach 22 Prozent 2002 und 23 Prozent 2001. Am Donnerstag soll in Berlin der bundesweite Waldzustandsbericht 2003 vorgelegt werden.

«2003 war kein gutes Jahr für den Wald», erklärte die Mainzer Umweltministerin Margit Conrad: «Die extremen Witterungsverhältnisse haben den Bäumen stark zugesetzt.» Bereits im Juni seien erste Verfärbungen an Nadeln und Blättern zu beobachten gewesen. «Das extreme Trockenjahr 2003 wird voraussichtlich auch über dieses Jahr hinaus Nachwirkungen zeigen», meinte die SPD-Politikerin. Zusätzlich breiteten sich Schadinsekten wie Borkenkäfer und Waldmaikäfer sowie eine Buchenkrankheit aus. Besonders schlecht gehe es den Eichen, deren Kronenschäden sich auf 53 Prozent fast verdoppelten.

«Der Jahrhundertsommer dieses Jahr hat unseren durch Säureeinträge vorgeschädigten Wäldern nicht gut getan», erklärte das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium. Für das Jahr 2004 erwartet es eine Borkenkäferplage. Die belasteten Wälder hätten nur noch wenig Abwehrkräfte. Es seien weitere konsequente Schritte zur Luftreinhaltung und zum Bodenschutz gefragt.

Auch in Sachsen-Anhalt waren schon ab Mitte Mai Trockenschäden sichtbar. Im Vergleich zu DDR-Zeiten gehe es den Bäumen jedoch «deutlich besser», meinte Landwirtschaftsministerin Petra Wernicke (CDU). Sorgenkind bleibe die Eiche. Mit 60 Prozent sei deutlich mehr als die Hälfte der Altbestände ernsthaft geschädigt.

Nur noch zwei Prozent gesunde Eichen gibt es in Berlin nach 14 Prozent 2002, wie das Potsdamer Forstministerium erklärte, das für die Hauptstadt und Brandenburg einen gemeinsamen Bericht erstellt.

«Trotz extremer Witterung gehen die Waldschäden leicht zurück», erklärte das hessische Forstministerium, das die Ergebnisse allerdings selbst relativierte: «Durch den bundesweit einheitlichen Aufnahmetermin im Juli und August ist für Hessen ein weitgehend unveränderter, leicht positiver Gesundheitszustand der Wälder zu registrieren... Deutlich sichtbare Auswirkungen der trockenen und warmen Witterungsbedingungen zeigten sich überwiegend erst im Spätsommer.» So habe starker Borkenkäferbefall bereits zu einer angespannten Situation bei der Fichte geführt. Weitere Folgeschäden seien nicht auszuschließen.

Diese Einschätzung teilt auch der bayerische Forstminister Josef Miller. Bei der Datenerhebung im Juli und August seien viele Böden gerade noch ausreichend mit Wasser versorgt gewesen seien. Deshalb spiegele der Waldzustandsbericht nur einen Teil der Schäden wider.


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