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Waldzustandsbericht 2003 (erweitert)

Donnerstag 11. Dezember 2003, 02:04 Uhr

Bundesregierung legt Waldzustandsbericht vor

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung legt heute in Berlin ihren Waldzustandsbericht vor. Nach vorab bekannt gewordenen Daten hat sich demnach der Zustand der deutschen Wälder weiter verschlechtert. Mehr als 20 Prozent aller Bäume weisen deutliche Schäden auf. Umweltschützer machen dafür vor allem Schadstoffe aus dem Autoverkehr und aus der Landwirtschaft verantwortlich. Für das kommende Jahr erwarten Experten wegen der Dürreperiode im vergangenen Sommer einen weiteren Anstieg der Schäden.


Donnerstag 11. Dezember 2003, 15:45 Uhr

Deutscher Wald so krank wie seit elf Jahren nicht mehr

Berlin (AP) So schlecht wie in diesem Jahr ging es dem deutschen Wald schon lange nicht mehr: 69 Prozent der Bäume sind krank. Das geht aus dem Waldzustandsbericht hervor, den der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Matthias Berninger, am Donnerstag in Berlin präsentierte. Schuld daran ist dem Bericht zufolge in erster Linie der Jahrhundertsommer mit der lang anhaltenden Trockenheit sowie den hohen Temperaturen und Ozonwerten. 2002 waren noch 35 Prozent aller Bäume gesund.

Die Prognose für das kommende Jahr ist noch düsterer: «Das ganze Ausmaß der Vegetationsschäden wird aber erst in den kommenden Jahren deutlich werden», sagte Berninger. Die Wasserspeicher der Böden seien nicht wie im vorangegangenen Jahren aufgefüllt. Im Übrigen zeichne sich ab, dass Borkenkäfer sich zu einem massiven Problem für den Wald entwickeln könnten. Die diesjährigen Witterungsverhältnisse seien für eine Vermehrung dieses Schädlings geradezu ideal gewesen.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin führte den schlechten Zustand der Wälder auf den globalen Klimawandel zurück. Dieser werde noch nicht mit der nötigen Entschlossenheit bekämpft.

Umweltschutzorganisationen und Waldbesitzer übten Kritik an der Bundesregierung. Der Bauernverband forderte Bund und Länder in einer gemeinsamen Erklärung mit dem deutschen Forstwirtschaftsrat und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerbände auf, verstärkte Anstrengungen gegen das Waldsterben zu unternehmen. Durch die Versauerung der Böden sei die Existenzgrundlage der Waldbesitzer bedroht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz erklärte, vor allem in der Verkehrspolitik müssten Versäumnisse ausgebügelt werden.

Besonders betroffen von Umweltverschmutzung und hohen Temperaturen sind Eichen, von denen 83 Prozent (2002:73 Prozent) erkrankt sind. Dagegen konnte sich der Zustand der Buchen gegenüber dem Vorjahr dem Bericht zufolge sogar leicht verbessern. Deutliche Schäden wiesen nur noch 30 Prozent der Bäume auf (2002: 32 Prozent). Nahezu unverändert ist der Zustand von Fichte (70 Prozent krank) und Kiefer (66 Prozent krank). Dabei gibt es erhebliche regionale Unterschiede: Besonders dramatisch verschlechtert habe sich der Zustand der Wälder in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen, sagte Berninger.

Der Zustand der deutschen Wälder wird seit 1984 nach einem repräsentativen Verfahren erfasst. Der Tiefststand war 1992 erreicht, als nur 29 Prozent des Baumbestandes gesund war. 1984 waren dies noch 44 Prozent.


Trockenheit hat sich auch beim Wald ausgewirkt

Berninger stellt Waldzustandsbericht 2003 des Bundes vor

PM Verbraucherministerium, 11.12.03

"Außergewöhnlich hohe Temperaturen, lang anhaltende Trockenheit und hohe Ozonwerte haben die Wälder in diesem Jahr erheblich belastet. Das ganze Ausmaß der Vegetationsschäden wird aber erst in den kommenden Jahren deutlich werden", so Matthias Berninger, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, bei der Vorstellung des Waldzustandsberichts des Bundes heute in Berlin. Der Anteil der Bäume ohne sichtbare Schäden läge mit nur noch 31 Prozent nahe dem Tiefststand von 1992. Rund 23 Prozent der Bäume zeigten deutliche Nadel- bzw. Blattverluste, wobei das Bild nach Baumarten differenziert sei: Der Zustand der Buchen habe sich gegenüber dem Vorjahr leicht verbessert, nahezu unverändert sei der Zustand von Fichte und Kiefer, deutlich verschlechtert habe sich dagegen der Kronenzustand von Eiche und anderen Laubbäumen. Dabei gebe es erhebliche regionale Unterschiede.

Berninger wies darauf hin, dass die Bundesregierung zahlreiche Maßnahmen ergriffen habe, um zu einer Erholung der Waldökosysteme beizutragen: Die Novellierung der Technischen Anweisung zur Reinhaltung der Luft (TA-Luft), die Neufassung der Großfeuerungsanlagenverordnung und die Verordnung zur Verminderung von Sommersmog, Versauerung und Nährstoffeinträgen seien einige Beispiele von Verbesserungen bei der Luftreinhaltung. Weitere Emissionsminderungen ergäben sich aus den von der Bundesregierung eingeleiteten Maßnahmen zum Klimaschutz. Viel versprechend sei insbesondere der Bereich der Erneuerbaren Energien. Allein durch den Einsatz regenerativer Energieträger sei es gelungen, die Emissionen z. B. von Kohlendioxid um 50 Millionen Tonnen, von Schwefeldioxid und von Stickstoffoxiden um jeweils mehr als 30 000 Tonnen, von Kohlenmonoxid um mehr als 35 000 Tonnen zu verringern (Werte von 2002). Mit dem Programm zur Verringerung der Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft, der EU-Agrarreform und der Förderung des ökologischen Landbaus seien auch in der Agrarpolitik weitere Schritte zur Verringerung der Stoffeinträge in die Waldböden getan worden.

Da sich in den Waldböden allerdings die Stoffeinträge von Jahrzehnten angesammelt hätten und der Ausstoß von Luftverunreinigungen gemessen an der Belastbarkeit der Ökosysteme immer noch zu hoch sei, halte die Bundesregierung eine konsequente Luftreinhaltepolitik auch weiterhin für dringend geboten.

Berninger wies darauf hin, dass die Bodenschutzkalkung eine wichtige Vorsorgemaßnahme zum Schutz der Waldböden vor weiterer Versauerung bleibe. "Ich sehe mit großer Sorge, dass in einigen Ländern der Umfang der Bodenschutzkalkung zurückgeht. Dabei kann es insbesondere nicht angehen, dass einzelne Staatsforstbetriebe diese Schutzmaßnahme aufgrund kurzfristiger fiskalischer Erwägungen deutlich eingeschränkt haben. Sie gehen damit ein erhebliches Risiko langfristiger Bodenschäden ein." Der Staatssekretär forderte dazu auf, hier bei der Vorsorge nicht nachzulassen. Er wies darauf hin, dass private und kommunale Waldbesitzer im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK) einen bis zu 90-prozentigen Zuschuss zu den förderfähigen Aufwendungen erhalten können.

Im Übrigen zeichne sich ab, dass Borkenkäfer sich im kommenden Jahr zu einem massiven Problem für den Wald entwickeln könnten, so Berninger. Die diesjährigen Witterungsverhältnisse seien für eine Vermehrung dieses Schädlings geradezu ideal gewesen. Die zuständigen Dienststellen des Bundes und der Länder arbeiteten in der Bewältigung der Borkenkäferkalamität eng zusammen. Betroffene Wälder würden überwacht, das Krisenmanagement laufe auf Hochtouren.

Der Waldzustandsbericht 2003 steht hier als PDF-Datei (3,7 MB) zur Verfügung.



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