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Aktuell
Reaktionen auf den Waldzustandsbericht
Donnerstag 11. Dezember 2003, 09:39 Uhr
Waldschäden auch 2003 gestiegen – weitere Zunahme absehbar
BUND, 11.12.03
Berlin (ots) - Berlin: Für den Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND) ist die Zunahme der Waldschäden ein deutliches
Warnsignal. Der diesjährige extrem heiße und trockene Sommer werde
auch längerfristig Schäden verursachen. Den gleichen Effekt habe es
Anfang der achtziger und neunziger Jahre gegeben. Der heute
vorgestellte Waldschadensbericht der Bundesregierung mache deutlich,
dass verstärkte Anstrengungen zum Schutz des Waldes notwendig seien.
Trotz des Rückgangs der Emissionen giftiger Abgase und Substanzen in
den zurückliegenden Jahren habe sich der Wald nicht erholt. Die
Bundesregierung müsse der Zunahme der Waldschäden um mehr als vier
Prozent über alle Schadstufen und um zwei Prozent bei schweren
Schäden mit einem Sofortprogramm entgegensteuern.
BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm: „Der Waldschadensbericht
darf nicht zu einem jährlichen Ritual ohne Folgen verkommen. Die
erneute Zunahme der Schäden zeigt, dass Bund und Länder dringend
Gegenmaßnahmen einleiten müssen. Vor allem in der Verkehrspolitik
müssen die Versäumnisse ausgebügelt werden. Kranke Wälder sind kein
Schicksal, sie können mit einer guten Therapie auch wieder gesund
werden."
Die diesjährige Hitzeperiode und der Wassermangel hätten den
Stress für den Wald erhöht und seine Abwehrkraft gegenüber
Luftschadstoffen und Schädlingen gemindert. So seien bei Fichten
gehäuft Buchdrucker- Borkenkäfer aufgetreten. Die große Zahl deshalb
gestorbener Fichten werde jedoch für den Waldschadensbericht nicht
mitgezählt.
Verantwortlich für die Waldschäden seien auch kritische
Ozonbelastungen in vielen Regionen. Die auf Wachstum ausgerichtete
Verkehrspolitik der Bundesregierung trage nicht zu einer Minderung
der Schadstoffe bei. Ein punktueller Rückgang werde bei längerem
Sonnenschein schnell unwirksam, weil das kurzwellige Sonnenlicht die
chemische Reaktion zur Entstehung des Ozons beschleunige.
Eine weitere Ursache der starken Waldschäden sei eine `Altlast`
aus den siebziger Jahren: Extrem hohe Säureeinträge in den Waldboden
hätten seine Pufferkapazität nahezu erschöpft. Der Boden könne die
inzwischen verminderten Einträge nicht mehr neutralisieren. Negativ
sei auch der zu hohe Stickstoffeintrag. Er bewirke Störungen des
Bodenlebens und eine zusätzliche Anfälligkeit der Bäume gegenüber
Schädlingen.
Helmut Klein, Waldexperte des BUND: „Die beiden Hauptursachen für
die Waldschäden - das Verkehrswachstum und Stickstoffeinträge auch
aus der Landwirtschaft – müssen gestoppt werden. Von
Bundesverkehrsminister Stolpe verlangen wir einen konkreten Plan zur
Schadstoffminderung. Und Agrarministerin Künast bedarf stärkerer
Unterstützung bei der Ausweitung des Ökolandbaus.“
Unverantwortlich sei die Forstpolitik von Bundesländern wie
Bayern, Baden-Württemberg und Brandenburg. Indem sie ihre Wälder
privatisierten und aus der Obhut der Länder entließen drohe die
teilweise Abschaffung der Waldschadenszählung. Angeblich berechtigte
Interessen von Waldwirtschaftsfirmen könnten eine Erhebung der
Schäden künftig blockieren.
Nicht der trockene Sommer war schuld
Schadstoffe sind die Hauptursache der Waldschäden in Deutschland
ROBIN
WOOD mahnt ökologische Wende in Verkehrs- und Landwirtschaftspolitik an
ROBIN WOOD, 11.12.03
Die Schäden in den Wäldern haben in diesem Jahr wieder deutlich zugenommen.
Nur noch knapp ein Drittel aller Waldbäume zeigt keine äußerlich erkennbaren
Schäden. Das geht aus dem offiziellen Waldschadensbericht hervor, den die
Bundesregierung heute vorlegt. Als Erklärung für diesen deutlichen Anstieg
der Waldschäden haben die Forstminister der Bundesländer bereits in den
vergangenen Monaten vor allem die lang anhaltende Trockenperiode dieses
Sommers angeführt. Doch diese Erklärung ist oberflächlich und lenkt davon
ab, dass die zunehmende Schadstoffbelastung die Wälder immer anfälliger
werden lässt - sei es für Sturm, Kälte, Insektenbefall oder eben
Trockenheit.
"Ein stabiler, gesunder Wald kann auch lange Trockenperioden weitgehend
schadlos überstehen", so Rudolf Fenner, Waldreferent der
Umweltschutzorganisation ROBIN WOOD. "Erst wenn die Baumwurzeln durch den
,Sauren Regen' geschädigt sind und das schüttere Kronendach die Waldböden
schneller austrocknen lässt, gerät das Ökosystem sehr schnell in eine
Stress-Situation, in der die Bäume sichtbar leiden oder auch absterben."
Ammoniakausdünstungen aus der Viehhaltung und Stickoxidabgase aus dem
Straßenverkehr machen dem Wald am meisten zu schaffen. Diese
Stickstoffemissionen sind unbestritten die Schadstoffkomponente Nr.1 im
Giftcocktail des ,Sauren Regens'.
"Die Fakten sind seit langem bekannt. Jedes Jahr wird ein neuer
Waldschadensbericht vorgelegt, die notwendigen Konsequenzen aus diesem
Wissen aber werden nicht gezogen", kritisiert Fenner. "Ohne eine ökologische
Wende in der Verkehrs- und Landwirtschaftspolitik werden die Wälder in
Deutschland weiter dahinsiechen."
ROBIN WOOD fordert daher, dass die Massentierhaltung abgeschafft und der
Öko-Landbau konsequent ausgebaut wird. Im Verkehrssektor ist ein vorrangiges
Ziel, die LKW-Kolonnen auf den Straßen zu reduzieren und dafür zu sorgen,
dass wieder mehr Güter mit Bahn und Schiff transportiert werden. Um dies zu
erreichen, muss die LKW-Maut als ökologisches Steuerinstrument genutzt
werden.
Waldzustandsbericht 2003 erfüllt düstere Erwartungen
Zwei Drittel der Bäume in deutschen Wäldern krank
PM Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V., 11.12.03
„Das war nicht anders zu erwarten!“ So kommentierte Michael Prinz zu Salm-Salm das schlechte Ausfallen des heute vorgestellten Waldzustandsberichtes 2003. Während die Berichte der letzten Jahre die Stagnation der Schäden auf hohem Niveau dokumentierten, so zeigt die diesjährige Ausgabe wieder eine Verschlechterung der Gesamtsituation. Nur noch ein Drittel unserer Bäume gilt als gesund, und über 20% weisen deutliche Schäden auf. Dabei betonte Prinz Salm, dass die Situation ohne die Forstwirtschaft und die pflegenden Eingriffe der Waldbesitzer noch deutlich dramatischer aussehen würde. Denn kranke Bäume werden frühzeitig entnommen, auch um die Ausbreitung von Sekundärschädlingen zu verhindern. Sie tauchen daher in den statistischen Zahlen nicht mehr auf.
Was die Ursache der Schäden betrifft, so hat sich an der Situation nicht viel geändert. „Nach wie vor ist es der Politik nicht gelungen, die Luftverschmutzung auf ein für den Wald erträgliches Maß abzusenken“, so Salm. Der Bericht mache deutlich, dass eine Anstrengung in dieser Richtung heute dringlicher sei denn je. Um die fortschreitende Versauerung der Waldböden aufzuhalten, sei es daher unerläßlich, die Ausbringung von Kalk zum Schutz der Böden zu erleichtern. Vor diesem Hintergrund beklagte der AGDW-Präsident, dass die Politik die Waldbesitzer auch hier im Stich lasse. Es sei verheerend, dass die Bundesregierung weiterhin nicht mal bereit ist, einen kleinen Teil der Einnahmen aus der sogenannten Ökosteuer ökologisch sinnvoll für die Finanzierung der Kalkungsmaßnahmen einzusetzen.
Verstärkt wurden die Belastungen für den Wald dieses Jahr durch den extrem heißen und trockenen Sommer. Dabei ist zu befürchten, dass das volle Ausmaß dieser Schäden noch gar nicht erkennbar ist. „Womöglich gibt es nächstes Jahr ein böses Erwachen“, so Salm.
Die immer häufigeren Klimaextreme der letzten Jahre stellen für die Menschen in der Forstwirtschaft eine schwere Herausforderung dar. Anstatt aber diese Menschen zu unterstützen, werden die betrieblichen Entscheidungsmöglichkeiten der Waldbesitzer immer weiter eingeschränkt und Auflagen willkürlich erhöht, wie es sich bei der geplanten Novellierung des Bundeswaldgesetzes abzeichnet.
„Die politischen Vertreter müssen sich für die Förderung des nachhaltigen Rohstoffes Holz einsetzen“, so Salm. „Nur so können die über 800.000 Arbeitsplätze, die von dem Rohstoff Holz abhängen, gerade im ländlichen Raum erhalten werden.“
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