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Aktuell
Jahresbericht NP Hainich
Hainich auf aufsteigendem Ast
Von Alf Göhringer, Thüringischen Landeszeitung, 1.12.04
Eisenach. (ep) Der aktuelle Jahresbericht des Nationalparkes Hainich ist nicht nur die Auswertung der zurückliegenden zwei Jahre. Für die Nationalparkverwaltung, so deren Leiter Walter Kemkes, ist in dem vorliegenden 62-seitigen Heft auch "6 Jahre Nationalpark Hainich - eine Zwischenbilanz" ein Schwerpunktthema.
Flächen vom Bund
Dabei fiel laut Kemkes ein Ereignis in den jüngste Berichtszeitraum, dass die Entwicklung der Parkes entscheidend beeinflusst. Im Oktober 2003 konnten nach jahrelangem Gezerre die Nationalparkverwaltung 4200 Hektar vom Bund übernehmen - nunmehr steht dem Freistaat für den Nationalpark ein Areal von insgesamt 7100 Hektar zur Verfügung. Der Weg bis dahin sei gekennzeichnet gewesen von fünf Jahren Diskussion und unzähligen Treffen - und eben von "erheblichen Einschränkungen bei der Nationalparkentwicklung".
Und 90 Prozent dieser Flächen sind nunmehr nutzungsfrei - das heißt keinerlei Land- oder Forstwirtschaft. Dieser Anteil ist um weitere drei Prozent gestiegen und damit steht der Hainich diesbezüglich bei den deutschen Nationalparken an der Spitze. Selbst der Bayrische Wald, so Kemkes nicht ohne Stolz erreicht einen solchen Wert nicht. Auf den Rest entfällt der Umbau von Nadelholzbeständen und Weideflächen, die Schäfereien nutzen.
Einen weiteren entscheidenden Ruck nach vorn hat es mit der Einstufung bei der Internationalen Naturschutzkonferenz in Durban (Südafrika) gegeben. Seit September 2003 steht der Hainich in der Kategorie II - wie die Serengeti und der Yellowstone-Nationalpark. In der Kategorie I stehen nur noch absolute Wildnisse, in die auch der Mensch keinen Fuß setzt, wie unwegsame Regionen in Kanada oder in der Taiga.
Die offizielle Einstufung des Hainich hat laut Kemkes vor allem eines bewirkt - der Strom der Fachbesucher hat deutlich zugenommen. Von diesen abgesehen laufen mehrere Forschungsprojekt beispielsweise die Untersuchung der Walddynamik der Uni Freiburg und der Uni Göttingen. Zudem erstellt das Max-Planck-Institut Jena eine Langzeitbilanz darüber, wie sich nicht bewirtschaftete Wälder auf den Kohlenstoffhaushalt auswirken. Kemkes: "Im Hainich steht die größte Kohlendioxid-Messanlage Europas."
Und: Der Hainich sei wohl der käferreichste Wald in Deutschland. Mittlerweile sind 1860 Käferarten registriert - in keinem sind mehr nachgewiesen.
Die Zahl der Besucher steigt stetig - das jüngste Stichprobenverfahren bilanzierte Ende 2003 etwa 135 000 Besucher im Jahr. In 2004 liegt diese Zahl - das zeichne sich jetzt schon ab - wiederum darüber. Dennoch: Bei den Besucherzahlen hinkt der Hainich den anderen deutschen Nationalparken hinterher. Kemkes: "Bekanntheitsgrad und touristische Angebote müssen deutlich verbessert werden."
Wanderwege
Andererseits kann im Hainich auf 14 beschilderte Rundwanderwege verwiesen werden, die insgesamt 120 Kilometer lang sind. Ausgewiesen wurde vor sechs Jahren der Nationalpark auf der Fläche von zwei ehemaligen Truppenübungsplätze - Infrastruktur für Wanderer war nicht vorhanden. Laut Kemkes gilt es nunmehr, Werbung und Vermarktung zu intensivieren. Dabei wird viel auf die jüngste Attraktion gesetzt - der Baumkronenpfad (TLZ/EP berichtete) soll Anfang Mai 2005 eröffnet werden.
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