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Aktuell
Hessischer Wald krank
Mittwoch 26. Oktober 2005, 17:46 Uhr
Patient Wald weiter in kritischem Zustand
Glashütten-Schloßborn (ddp-hes). Der hessische Wald ist auch in diesem Jahr in einem Besorgnis erregenden Zustand. Die Baumkronen seien weiterhin stark beschädigt, sagte Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) bei der Vorstellung des Waldzustandsberichtes am Mittwoch in Glashütten-Schloßborn. Besonders schlecht geht es der im Rhein-Main-Gebiet dominierenden Eiche. Als Ursache nannte er die Nachwirkungen des extrem heißen Sommers 2003 und starken Insektenfraß, aber auch Schadstoffbelastungen aus Industrie und Verkehr. Die Grünen im Landtag sahen sich in ihren «schlimmsten Befürchtungen» bestätigt und bezweifelten Dietzels Ursachenforschung.
Die Buche als landesweit am stärksten vertretener Baum konnte sich nach Dietzels Darstellung dagegen erholen. Bei den übrigen Hauptarten Fichte und Kiefer sei ein leicht negativer Trend auszumachen. Für den aktuellen Bericht hatten geschulte Teams im Juli und August dieses Jahres den Kronenzustand von 6000 Bäumen in ganz Hessen erfasst.
Im Jahresvergleich registriert der Waldzustandbericht krankheitsbedingt durchschnittlich deutlich lichtere Kronen. Der Nadel- und Blattverlust habe sich 2005 vom ohnehin hohen Niveau des Vorjahres aus noch einmal leicht verschlechtert - von 25 auf 26 Prozent.
Der Minister rechnete mit zusätzlichen Belastungen für das Ökosystem Wald durch den Trend zu wärmeren und trockeneren Sommern. Gleichzeitig äußerte er aber auch die Hoffnung, dass die weite Verbreitung der als anpassungsfähig bekannten Buche, die auf 41 Prozent der hessischen Waldflächen wachse, zur Stabilität der Wälder beitragen werde.
Allen Anlass zur Sorge gibt aber der Waldzustand im Rhein-Main-Gebiet. Dort sei die Kronenverlichtung aller Baumarten seit Beginn der Messungen vor 21 Jahren deutlich höher als im Landesdurchschnitt, sagte der CDU-Politiker.
Da sich die Stickstoffeinträge weiterhin auf einem zu hohen Niveau bewegten, sei eine weitere Reduzierung von Schadstoffen erforderlich. Dietzel kündigte als wichtigstes Mittel dazu eine Fortführung von Bodenschutzkalkungen an.
Nach Ansicht der Grünen kann Dietzel die Schäden nicht weiter mit dem Sommer 2003 und Insektenfraß erklären. Der forstpolitische Grünen-Sprecher Martin Häusling betonte: «Nach diesem nicht zu trockenen Sommer hätten sich die Wälder eigentlich erholen müssen, das Gegenteil ist der Fall.» Mit ihrem forcierten Straßen- und Flughafenausbau leiste die Regierung weiteren Schäden Vorschub, kritisierte Häusling, unterstützt vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Die Umweltorganisation forderte eine Neuausrichtung der Verkehrspolitik weg vom Autoverkehr hin zu Bussen und Bahnen, um das gravierendste Problem - die Stickstoffbelastung - zu lösen.
Die SPD sah eine Fortsetzung des Negativtrends der vergangenen Jahre. SPD-Forstexperte Bernhard Bender kritisierte, die fehlende Klimapolitik der CDU-Landesregierung räche sich in den hessischen Wäldern bitter. Er verlangte eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, Aufforstungen, intensivere Pflege und ein Waldsanierungsprogramm im Rhein-Main-Gebiet.
(Waldzustandsbericht als pdf-Datei im Internet unter www.hmulv.hessen.de)
Schwere Zeiten für Hessens Wald
dpa, 26. Oktober 2005
Insekten, Autoabgase und die Spätfolgen des Jahrhundertsommers 2003 haben in diesem Jahr die Kronen der hessischen Bäume weiter gelichtet.
Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) berichtete am Mittwoch im Forst bei Königstein von dramatischen Blattverlusten vor allem bei alten Eichen, deutlich mehr Mistelparasitenbefall bei Kiefern und einer von 0,4 auf 0,6 Prozent gestiegenen Absterberate aller hessischen Bäume.
Forderungen nach mehr Klimaschutz
Daß unter dem Strich nur eine „leichte Verschlechterung” der Gesamtlage herauskam, ist vor allem der Anpassungsfähigkeit der hessischen Buchenbestände zu verdanken. Diese mit rund 41 Prozent wichtigste hessische Baumart hat sich nach den Hitzeschäden besonders schnell wieder erholt.
Umweltverbände und Landtagsgrüne wiederholten ihre Forderungen nach mehr Klimaschutz und Förderung des öffentlichen Nahverkehrs. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald machte auch die Personalkürzungen bei Hessens Förstern und Waldarbeitern für die Schäden verantwortlich.
Buchen im Schnitt zu 32 Prozent geschädigt
Nach Dietzels Worten bleibt der durchschnittliche Blatt- und Nadelverlust der hessischen Bäume auf hohem Niveau. Von 25 Prozent im Vorjahr verschlechterte er sich noch mal leicht auf 26 Prozent. Buchen waren im Schnitt zu 32 Prozent geschädigt und konnten sich damit im Vergleich zum Vorjahr (38 Prozent) erholen. Bei Fichten und Kiefern gab es eine leichte Verschlechterung.
Misteln an Kiefern, die als „Schwächeparasiten” gelten, haben sich seit 2002 fast verdoppelt und sind mittlerweile an fast jeder fünften Kiefer zu finden. Die sprunghaft von 22 auf 34 Prozent gewachsenen Blattverluste bei alten Eichen führt der Bericht vor allem auf den starken Blattfraß von Eichenwicklern und Frostspannern zurück.
Luft- und Bodenschadstoffe zentrale Ursache
Daß sich diese Insekten so stark vermehrt hätten, hänge auch mit dem Jahrhundertsommer 2003 zusammen, sagte der Waldforscher Prof. Johannes Eichhorn vom Landesbetrieb Hessenforst. Vor diesem Hintergrund müsse die von Wissenschaftlern vorhergesagte Erwärmung in Hessen um durchschnittlich 2 bis 3 Grad bis zum Jahr 2050 aufmerksam beobachtet werden. Nach Dietzels Angaben startet das Land dazu im November ein Klimaschutzprogramm. Es gehe darum herauszufinden, welche Folgen die höheren Temperaturen für die Land- und Forstwirtschaft und den Hochwasserschutz haben.
Eine zentrale Ursache der Waldschäden blieben die Luft- und Bodenschadstoffe, sagte der Umweltminister. Die Belastung mit „saurem” Sulfatschwefel aus Industrieanlagen sei dabei im Verhältnis zur Mitte der 80er Jahre schon um 85 Prozent zurückgegangen. Stickoxide, die aus Auto- und Flugzeugabgasen und Dünger in der Landwirtschaft kämen, belasteten dagegen die Wälder weiter übermäßig. Stickoxide „düngen” die Bäume und sorgen überirdisch für starkes Wachstum, mit dem die Wurzeln bei Sturm oder Trockenheit oft nicht mithalten können.
„Der hessische Wald wird nicht sterben”
Dietzel sagte, daß das Land an den Kalkungsprogrammen gegen Luftschadstoffe festhalte. Auch im kommenden Jahr würden rund eine Million Euro für Landeswälder ausgegeben. Hinzu komme die Förderung für Privat- und Kommunalwälder von in diesem Jahr 1,9 Millionen Euro. Die Forstverwaltung achte außerdem auf eine gesunde Mischung der Baumarten und vermeide Kahlschläge. „Wir sorgen uns um den Wald, aber der hessische Wald wird nicht sterben.”
Die Landtagsgrünen nannten Dietzels Versprechen, auf Kahlschläge verzichten zu wollen, „Heuchelei”. Am Frankfurter Flughafen erforderten die geplante A 380-Halle und die neue Landebahn gewaltige Kahlschläge. Außerdem würden die Einschlagpläne gerade für die besonders gefährdete Eiche seit Jahren um 30 Prozent überzogen, bemängelte der Grünen-Abgeordnete Martin Häusling.
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