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Militärgelände zu Urwald
Altes Militär-Gelände wird zum Urwald
Wo Armeen 150 Jahre lang mit Manövern die Landschaft zerstörten, können jetzt Wanderer die Natur genießen
Von Dieter Salzmann, Berliner Morgenpost, 6.11.05
Jüterbog - Die Birken sind die Pioniere. Sie wachsen, wo noch vor zehn Jahren Wüste war. Zwischen fünf und zehn Meter sind sie hoch, der lichte Wald dehnt sich mit seinen herbstlich gefärbten Blättern aus soweit das Auge reicht. Darunter bedeckt Heide den Boden auf ganzer Fläche. Wald und Heide wachsen, ohne daß Menschen eingreifen. Ein Urwald entsteht.
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Noch vor zehn Jahren war die 75 Quadratkilometer große Fläche zwischen Jüterbog (Teltow-Fläming) und Luckenwalde zermalmt von Panzerketten, zerschunden, umgewühlt durch Explosionen von Minen, Bomben und Granaten. Tiere und Pflanzen hatten so gut wie keine Chance. Schon 150 Jahre lang war das Gelände als Manövergebiet genutzt worden. Seit 1850 von Preußen, gefolgt von der kaiserlichen Armee, der Reichswehr, Wehrmacht und der Roten Armee, die 1994 vom Truppenübungsplatz Jüterbog-West abzog und eine Brache hinterließ. "Von den 75 Quadratkilometern Fläche waren 45 Quadratkilometer offener Boden", sagt Petra Riemann. "Im Grunde genommen hatten wir hier eine Ausgangssituation wie nach der letzten Eiszeit." Frau Riemann koordiniert für die Stiftung Naturlandschaften Brandenburgs das Vorhaben, Urwald wachsen zu lassen. Inzwischen ist die Freifläche auf 10 Quadratkilometer geschrumpft.
"Die Natur erobert sich ihr Terrain zurück", sagt Frau Riemann. In den ersten Jahren legten sich Moose und Flechten über den sandigen Boden, danach schlugen Silbergras und Calluna-Heide Wurzeln. "Darin konnten sich die Samen der ersten Birken fangen", erklärt die Urwald-Expertin. Später folgen Kiefern, die den Vorwald der Birken wieder zurückdrängen werden sowie in geringem Maße Eichen, Eschen, Espen und vereinzelt Buchen. "Dann wird der Wald, der aufgrund der mageren Böden von Kiefern dominiert sein wird, von ganz allein zu seinem Gleichgewicht gefunden haben", sagt die Ökologin. Auf Schädlingsvernichtung soll ebenso verzichtet werden wie auf die Bekämpfung von Waldbränden - es sei denn, sie bringen auch Gebiete außerhalb der Zone in Gefahr. Feuer, Insektenbefall aber auch Windwurf gehörten zur Natur, sagt Frau Riemann. Gerade ein Brand sorge dafür, daß die Entwicklung auf dem abgebrannten Gebiet von neuem beginnen könne. Bis wirklich von Urwald die Rede sein kann, werden Jahrzehnte vergehen.
Doch bereits heute führt die Stiftung regelmäßig Besucher durch den entstehenden Wald auf dem ehemaligen Manövergelände (Infos über Führungen unter 03 31 / 4 09 322). Künftig sollen auch Wanderwege um die Kernzone herum angelegt werden. Petra Riemann warnt jedoch eindringlich davor, das Gebiet auf eigene Faust zu erkunden. Im Boden steckten hochexplosive und damit brandgefährliche Munitionsreste, die in der Fläche auch in Zukunft nicht geborgen werden könnten. Lediglich die künftigen öffentlich zugänglichen Wege würden auf Munitionsreste untersucht.
Neben Jüterbog-West stehen auch die ehemaligen Militärgelände Jüterbog-Ost und Teile des Ex-Manövergebiets von Liebrose unter der Aufsicht der seit fünf Jahren bestehenden Stiftung Naturlandschaften, die mit anderen vom Land Brandenburg gegründet wurde, um, wie der Name sagt, Landschaften der Natur zurückzugeben. Damit wolle, so Frau Riemann, das Land dem von der Bundesregierung gesetzten Ziel nahekommen, zwei Prozent seiner Fläche in den ursprünglichen natürlichen Zustand zurückzuversetzen.
Mehr im Internet unter www.stiftung-nlb.de
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