AktuellRettung eines Auwaldes
Dienstag 24. Oktober 2006, 08:23 Uhr Donauwasser für einen natürlichen AuwaldBergheim (ddp-bay). Zwei Helfer setzen Peter Flaszynski den schweren gelben Taucherhelm auf den Kopf und schließen die Schläuche und Kabel für Atemluft, Funk und die Lampe an der rechten Seite des Visiers an. Dann steigt der 34-jährige Berufstaucher in seinem schwarzen Anzug über die glitschigen Stufen den Damm hinunter in die Donau, die hier am See vor der Staustufe Bergheim im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen gemächlich dahinfließt.Mit der Arbeit des Profitauchers haben jetzt die Bauarbeiten für ein in Deutschland einzigartiges Vorhaben begonnen, das Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) schon mal als «historisches Projekt» bezeichnet hat, für das der Freistaat auch «in schwierigen Zeiten Geld» ausgibt. Das Donauwasser wird in einem künstlichen neuen Flüsschen in den rund 2000 Hektar großen Auwald entlang des Donauufers ausgeleitet. Mehrmals im Jahr soll das Gebiet richtig unter Wasser stehen, wofür vor dem Ausbau und der Kanalisierung der Donau im 19. Jahrhundert der wechselnde Wasserstand und Hochwässer auf natürlich Weise gesorgt haben. Flaszynski wird in den nächsten Tagen mit einer Kettensäge zwei Schlitze durch den meterdicken Beton des Dammes treiben. «Das geht nur drei bis vier Stunden am Tag. Auch wenn ich nur in zwei Metern Wassertiefe arbeite», sagt er. In spätestens drei Jahren sollen hier an dieser Stelle rund 500 Liter Wasser in der Sekunde in den Auwald strömen, etwa die Wassermenge, die in einem kleineren Fluss fließt. Dazu lässt das Wasserwirtschaftsamt ein gesteuertes Durchlassventil, ähnlich einem Siel, durch den Damm treiben. Durch diese Wasserausleitung zwischen Neuburg und Ingolstadt sollen mehrere ökologisch wirksame Effekte erzielt werden. Der künstliche, acht Kilometer lange Fluss wird es den Fischen erlauben, die Staustufe in Bergheim zu überwinden. Die größten Auswirkungen wird die Vernässung auf die Pflanzen des Auwalds haben. Seit der künstlichen Trockenlegung sind die ursprünglichen Weichholzarten wie Grauerle, Pappel oder Weide weitgehend verschwunden und durch andere Baumarten wie Ahorn, Kirsche oder Linde verdrängt worden. Durch die regelmäßige Überflutung hofft Siegfried Geißler, der Naturschutzreferent des Landkreises, dass sich diese Entwicklung von selbst wieder umkehrt: «Die Harthölzer gehen schon nach zwei Tagen im Wasser ein. Die Auwaldbäume vertragen auch mal 90 Tage im Jahr nasse Füße.» Maximal können durch den Dammdurchlass fünf Kubikmeter Wasser pro Sekunde aus der Donau abfließen, zum Beispiel dann, wenn die Donau Hochwasser führt. So schafft das Vernässungsgebiet auch zusätzlichen Raum für Hochwasser, der dazu beitragen kann, den Wasserspiegel um ein paar möglicherweise wichtige Zentimeter zu senken. Jetzt im Herbst führt die Donau allerdings Niedrigwasser. Walter Hoferer, der das Projekt im Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt betreut, hofft, dass das «Auslassbauwerk» bis zum nächsten Hochwasser fertig ist: «Mir ist es ganz recht, dass es jetzt im Herbst beginnt. Da ist die Hochwassergefahr geringer.» Doch weitaus mehr Sorge als die technischen Probleme bereiteten Hoferer die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern. «Es war sehr schwierig, die an einen Strang zu bekommen.» Ein Teil des 2000 Hektar großen Auwaldes kann nämlich künftig nicht mehr bewirtschaftet werden. Davon gehört der größte Anteil dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds, mit dem die Gespräche aber relativ einfach verliefen. Herzog Franz von Bayern, der Chef des Hauses Wittelsbach und Hausherr auf dem benachbarten Jagdschloss Grünau, hat sich bereits von Anfang an hinter das Projekt gestellt. Weit langwieriger waren die Verhandlungen mit den etwa 80 Mitgliedern einer Genossenschaft, die nicht sofort bereit war, ihren Waldanteil für die staatliche Abfindungssumme zur Verfügung zu stellen. Bis alles fertig ist, wird das Projekt rund elf Millionen Euro kosten, von denen einen Großteil der Freistaat Bayern, die EU und der Bayerische Naturschutzfonds übernehmen. Rund 700 000 Euro tragen die Stadt Ingolstadt und der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Wenn dann in drei Jahren zum ersten Mal die Schleusen des «Ausleitungsbauwerks» geöffnet werden, dann wird Taucher Flaszynski mit seiner Crew schon einige Baustellen weiter gezogen sein. «Ich denke, dass unser Teil der Arbeit hier in etwa einer Woche beendet sein wird», sagt er, während er ohne Helm bis zum Oberkörper im Wasser steht und mit einer Spezialkreide die Linie aufmalt, entlang der er später mit der Säge schneiden wird. » zurück |
|
Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Do, 20.11.2008 © easy.wdss Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.net Bildschirm-Version |
|