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Waldsterben hat "Geburtstag"
Das Waldsterben hat "Geburtstag"
Seit 25 Jahren steht der Wald unter Beobachtung
von Carmen Peter, ZDF Umwelt, 5.11.06
1981 war es, da alarmierte der Göttinger Bodenforscher Bernhard Ulrich die Öffentlichkeit und warnte vor einem flächendeckenden Waldsterben. Seitdem streitet die Wissenschaft über Begriff und Ursache. Eines allerdings steht fest: Ein großer Teil der Bäume ist nicht gesund, denn sie stehen auf Böden, die sich stark verändert haben.
Wer einen Blick dafür hat, sieht die Zeichen des Wandels. Sie finden sich in den Baumkronen. Selbst im Winter kann man an den Verzweigungen der Äste erkennen, dass sich das Wachstum verändert hat. Der Zustand der Baumkronen ist ein wichtiger Indikator für die Vitalität und die Gesundheit der Bäume.
Der Regen ist immer noch sauer
Um sie genauer in Augenschein zu nehmen, klettern Wissenschaftler und ihre Mitarbeiter in die Kronen hinauf. Dieses "forstliche Umweltmonitoring" hat schon viel bewirkt. Die Daten, die regelmäßig im Waldzustandsbericht veröffentlicht werden, gaben beispielsweise wesentliche Anstöße für die gegenwärtige Luftreinhaltepolitik und führten zu Kompensationsmaßnahmen im Wald wie beispielsweise die bereits großflächig durchgeführte Bodenschutzkalkung.
Von großer Bedeutung für die Wissenschaft ist dabei ein Waldstück im Solling in Niedersachsen. Es wird seit den 60er Jahren regelmäßig vermessen und ist damit das wohl am längsten beobachtete Waldstück der Welt. Zuständig ist die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt in Göttingen. Sie sammelt auch den Niederschlag, den noch immer sauren Regen. Die Analysen zeigen: "Waldsterben ist heute nicht das Sterben der Bäume oder der Wälder", so Prof. Dr. Johannes Eichhorn, "Waldsterben ist eine langfristige schwerwiegende Veränderung der Waldböden, zu viel Säure, zu hoher Stickstoffgehalt."
Das Problem sind die Böden
Die Belastung der Böden hat die Ernährungssituation der Bäume drastisch verschlechtert. Sichtbar wird dies bei den vier häufigsten Baumarten hierzulande: Fichte, Kiefer, Buchen und Eiche. Am wenigsten sind Fichte und Kiefer betroffen, bedenklich aber sind die Schäden bei Buche und Eiche. - Das Waldsterben ist also noch nicht vorbei und könnte sich durch die erwarteten Klimaveränderungen sogar noch weiter verschlimmern.
Die Forstwirtschaft muss sich also rüsten und Anpassungsstrategien entwickeln. "Ganz besonders wichtig für die Zukunft wird es sein", betont Johannes Eichhorn, "mit Mischbeständen auf die Risiken zu reagieren. Mischbestände beispielsweise mit Buche, Fichte, Lärche und Birke haben eine Streu, die sich sehr gut zersetzt. Insekten können derartige Wälder nicht so gut angreifen und die Baumgruppen sind auch stabiler, wenn mal ein Sturm kommt."
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