AktuellMiniermotten-Plage
Dienstag 7. November 2006, 12:47 Uhr Invasion der MiniermotteBerlin (ddp). Für die rund 1,4 Millionen weißblühenden Rosskastanien in Deutschland ist der Herbst längst vorbei. Berlin sammelt bereits wieder unter dem Motto «Rettet unsere Kastanie!» wie anderswo hierzulande auch Laub ein, um die Invasion der gefräßigen Miniermotte zu stoppen. In nur 20 Jahren hat sich der Kleinschmetterling «Cameraria ohridella» in ganz Europa ausgebreitet. «Es ist ein noch nie da gewesenes Phänomen in der Entomologie», sagt Barbara Jäckel vom Pflanzenschutzamt Berlin. In zahlreichen Projekten wird mittlerweile nach wirkungsvollen Bekämpfungsmethoden gesucht, um den erstmals 1984 in Mazedonien entdeckten Schädling zu vertreiben.Nach Angaben der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) wandert die bisher nur in Europa nachgewiesene Motte mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometer pro Jahr. Der Befall ist in diesem Jahr erstmals seit 2003 wieder auf einem «sehr hohen Niveau», sagt Jäckel. Dauerhaft lässt sich die Motte wohl nicht ausrotten. «Wir werden mit ihr leben müssen, aber sie in die Schranken weisen», sagt Jäckel. Bereits im August haben die betroffenen Kastanienbäume ihre braungefärbten Blätter verloren. Manche Bäume haben sogar bis zum ersten Frost wieder so genannte Notblüten ausgebildet - ein Stresssymptom. Dabei verlieren sie laut Jäckel sehr viel Energie, die sie eigentlich für das nächste Jahr bräuchten. Zudem seien die geschwächten Kastanien viel anfälliger für andere Krankheiten wie Pilzbefall. Einzige Bekämpfungsmethode scheint derzeit das Laubsammeln zu sein. In den Laubhaufen überwintern die Puppen, sie sind «Infektionsquelle für das kommende Jahr». Aus Sicht der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wäre der Befall der Bäume ohne die seit 2002 jährlich stattfindenden Aktionen vermutlich noch stärker gewesen. Der Effekt sei, dass die Kastanien im kommenden Jahr viel länger grün seien und die notwendige Photosynthese durchführen könnten. Die Population der Schädlinge konnte laut Jäckel mit Hilfe der Sammelaktionen um etwa zwei Drittel reduziert werden. Der ästhetische Eindruck der Bäume im Frühjahr werde mit Hilfe der Laubbeseitigung zwar verbessert, sagt Diplom-Biologe Thomas Klug. Allerdings würden damit nicht nur die Schädlinge reduziert, sondern auch Nützlinge wie Schlupfwespen beseitigt. «In einem gröberen Kontext sei dies also kontraproduktiv», betonte der Fachmann. Laut Jäckel werden beispielsweise in Wien vor allem chemische Mittel gegen die Miniermotte eingesetzt. Für Berlin sei dies aber keine Alternative. Die rund 48 000 Kastanien der Bundeshauptstadt seien viel größer und würden vor allem in Wohngebieten, auf Kinderspielplätzen und Wasserschutzgebiet stehen. Die Bäume einfach zu fällen sei auch keine Lösung. «Ein Großbaum ist nicht ersetzbar», betonte sie. Neben dem von Jäckel betreuten Projekt «BerlinCam» wurden auch in Braunschweig in einer Arbeitsgruppe der BBA Bekämpfungsmöglichkeiten getestet. Es gebe noch keinen Nützling, der an die Miniermotte angepasst sei, sagt Klug. Die Schlupfwespen wichen gern auf Alternativwirte aus. Besonders wirkungsvoll erwies sich in den Versuchen allerdings der Einsatz einer «künstlichen Lockstoffwolke». Die Mottenmännchen werden vom intensiven Geruch verwirrt und finden die «echten» Weibchen nicht mehr. » zurück |
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