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Wildkatzenforschung

Wildkatze: Freiwillige Forscher

Von Anke Kühn, Thüringer Zeitung, 15.11.06

BEHRINGEN. Über 40 Freiwillige sind regelmäßig im Nationalpark Hainich im Namen der Forschung der Wildkatze auf der Spur. Für ihr Engagement wurden sie gestern vom BUND Thüringen und der Nationalparkverwaltung geehrt. Dirk Friebe hat sie bereits mit eigenen Augen gesehen: An einem Frühlingsabend fuhr er mit dem Auto am Waldrand des Hainichs entlang, als plötzlich eine Wildkatze vor ihm über die Wiese huschte. "Größe, Statur, Schwanzfärbung - ich bin mir fast 100-prozentig sicher, dass es eine war." Denn der Hallunger, der auch als Nationalparkführer aktiv ist, kennt sich aus mit den scheuen Tieren: Er ist einer von über 40 Freiwilligen, der den Bund für Umwelt- und Naturschutz in Deutschland (BUND) bei seinem Projekt "Ein Rettungsnetz für die Wildkatze" unterstützt. Gestern wurde dieser Einsatz vom BUND-Landesverband Thüringen und der Nationalparkverwaltung gewürdigt.

Seit zwei Jahren koordiniert der BUND das Projekt, in dem sich neben Thüringen auch Hessen und Bayern zusammengeschlossen haben, um einen länderübergreifenden Lebensraum für die Wildkatze zu schaffen. Das soll durch einen grünen Korridor geschehen, der den Hainich mit dem Thüringer Wald verbinden soll.

Um die Chance zu erhöhen, dass die Katzen den auch annehmen, erforscht der BUND genau die Lebensweise der Tiere. Dazu gehört die Erfassung, ob, wo und wie viele Exemplare vorkommen. Das passiert mittels eines einfachen Prinzips: Die Tiere werden zu mit Baldrian und Katzenminze präparierten Holzpflöcken gelockt, an denen sie Haare hinterlassen, die dann eingesammelt werden können.

Und genau da kommen die Freiwilligen ins Spiel: Woche für Woche sind sie im Hainich unterwegs, um die Lockstöcke zu kontrollieren. "Das macht Spaß, weil wir uns wie echte Forscher betätigen. Und außerdem lernt man eine Menge über diese spannende Kreatur, beispielsweise wie man sich in freier Wildbahn tarnt", sagte Sven Tschiesche von der Regelschule in Weberstedt. Der 12-Jährige ist einer von 25 Schülern, die gestern im Behringer Schloss kleine Geschenke als Anerkennung für ihre Unterstützung erhielten. Begehrtestes Utensil: ein kleiner Pass, mit dem sie sich in Zukunft bei ihren Streifzügen durch den Hainich als Wildkatzen-Scout ausweisen können.

Den können sie gebrauchen, denn bei jedem Wetter, außer bei gefährlichem Glatteis, machen sich die Kinder und Jugendlichen von den Regelschulen in Weberstedt und Mihla sowie dem Gymnasium in Großengottern im Namen der Forschung auf den Weg. Rund 140 Lockstöcke betreuen die Freiwilligen seit über einem Jahr insgesamt. "Ohne diese Hilfe könnten wir diese Dichte nicht erreichen", betonte Thomas Mölich, Projektleiter des Rettungsnetzes. Über 130 Proben hat er auf diese Weise schon erhalten. Die werden seit Oktober in einem Institut der Universität Jena genetisch untersucht. "Bis Ergebnisse vorliegen, dauert es zwar noch etwas, aber ihr seid mit die Ersten, die sie erfahren", versprach Mölich.

Zumindest der erste Nachweis für eine Wildkatze im Hainich wurde bereits vor zwei Jahren so erbracht - ebenfalls durch Schüler, vom Schweitzer-Gymnasium Mühlhausen, die sich am Pilotprojekt beteiligten. Weil das so gut funktionierte, regte Nationalpark-Ranger Diethard Böttger an, noch mehr Schulen einzubeziehen. Letztendlich hilft das nicht nur den Wildkatzen, sondern dem gesamten Nationalpark, wenn junge Leute ins Boot geholt werden. "Denn", so erklärte Böttger, "das ist die Generation, die später auf unserer Seite steht."




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