AktuellWälderzustand in BaWü
Der Wald ist nach wie vor schwer krankBaumschäden erreichen neuen RekordGrüne werfen Landesregierung Versäumnisse vor Von Steffen Eigner, Stuttgarter Zeitung, 22.11.06 STUTTGART. Der Wald in Baden-Württemberg wächst wie nie, und er leidet wie nie. Auf diese kurze Formel lässt sich der aktuelle Waldschadensbericht zusammenfassen, den der Landwirtschaftsminister Peter Hauk in Stuttgart vorgestellt hat. "Noch nie sind die Bäume im Land so stark gewachsen wie jetzt", sagte Peter Hauk (CDU). Der Grund: "Die Bäume haben mehr Luft zum Atmen." Die Emissionen von Industrie und Autoverkehr erzeugen einen höheren Stickstoffgehalt in der Luft, der das Wachstum der Bäume anrege. Zudem enthalte die Atmosphäre auch mehr Kohlendioxid, das die Bäume benötigen, um mit Hilfe von Sonnenlicht Zucker herzustellen. Der Segen ist dann aber letztlich doch mehr Fluch: "Zugleich war die Situation des Waldes noch nie so labil wie jetzt", so Hauk. Denn der Stickstoff gelangt auch ins Erdreich und verringert dessen Nährstoffgehalt. Das Treibhausgas CO2 bringt zudem eine allmähliche Erwärmung des Klimas. "Die Bäume sind einem Wärmestress ausgesetzt. Zudem nehmen Klimaextreme - Stürme, Trockenheit und Überschwemmungen - in unseren Breiten zu", sagte der Minister. Seit den siebziger Jahren verzeichne man einen eindeutigen Trend zur Erwärmung. Die Vegetationszeit habe sich um zehn Tage verlängert. Das macht vor allem den Buchen zu schaffen, die zu 61,7 Prozent krank sind, der höchste Anteil seit Beginn der Erhebungen 1983. Seit 2001 haben sich die geschädigten Buchenbestände nahezu verdoppelt. Unter den Fichten sind 43 Prozent "deutlich geschädigt", 2005 waren dies noch 36 Prozent. Wenngleich sich Tannen, Kiefern und Eichen erholt haben, ist der Wald im Land doch zu 45,1 Prozent krank. Das ist auch der höchste Wert seit 1983. Hauk warnte vor einer klimabedingten "Verschiebung der Baumarten" im Land. "Wenn wir nichts tun, wird der Bestand der Buche stark zurückgehen, weil sie nicht trockenresistent ist", sagte der Minister. Das habe die Fichten schon erfasst, manche Landesteile seien bereits "fichtenfrei". Immerhin haben sich nach Hauks Angaben die Holzpreise erholt, obgleich sie noch nicht das Spitzenniveau von 1989 - also vor den Orkanen Wiebke und Vivian - erreicht haben, nach denen die Forstwirte jahrelang mit sinkenden Preisen zu kämpfen hatten. Das effektivste Instrument, um eine Übersäuerung des Bodens zu verhindern, seien Schutzkalkungen. "Doch damit kurieren wir Symptome, behandeln aber keine Ursachen", räumte Hauk ein. Deshalb wolle die Landesregierung regenerative Energieträger und biologische Brennstoffe stärken, damit Kohle und Öl nach und nach abgelöst werden. Die hohen Preise dieser fossilen Brennstoffe spielen der Politik dabei in die Hände. Die Forstkammer Baden-Württemberg hat das Land unterdessen aufgefordert, die Schutzkalkungen stärker als bisher zu bezuschussen. Laut Forstkammer-Präsident Max Erbgraf zu Königsegg belaste die Mehrwertsteuererhöhung die Waldbesitzer mit 60 Euro pro Jahr und Hektar zusätzlich: "Die schädlichen Emissionen werden dem Wald aufgezwungen, insofern sollte die öffentliche Hand für die notwendigen Verbesserungsmaßnahmen auch komplett aufkommen." "Maximalen Waldschaden, minimale Maßnahmen zum Schutz" wirft der forstpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Reinhold Pix, der Landesregierung vor. Sie leiste Sterbehilfe für den Wald: "Von der dringend erforderlichen Wende in der Verkehrs-, Energie- und Landnutzungspolitik ist nichts zu erkennen außer Ankündigungen." » zurück |
|
Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Do, 20.11.2008 © easy.wdss Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.net Bildschirm-Version |
|