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Aktuell

BUND-Bilanz: 1 Jahr Rot-Schwarz

Bundesregierung ein Jahr im Amt

BUND zieht Bilanz der Umwelt- und Naturschutzpolitik

BUND Pressemitteilung, Berlin 21.11.2006

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat ein Jahr nach Amtsantritt der schwarz-roten Koalition eine ernüchternde Bilanz der Umwelt- und Naturschutz­politik der Bundes­regierung gezogen. Es habe gegenüber anfäng­lichen Befürchtungen zwar kein Rollback in diesem Bereich gegeben, sagte die Vorsitzende des Umweltverbandes, Angelika Zahrnt. Der Ausbau erneuerbarer Energien werde fortgesetzt, die wärmetechnische Gebäudesanierung verstärkt gefördert und in der internationalen Klima­diplomatie spiele Deutschland weiter eine positive Rolle.

In der Verkehrs- und in der Agrarpolitik rudere die Regierungskoalition jedoch rück­wärts. Keine Taten gefolgt seien auch der Ankündigung im Koalitionsvertrag, die nationale Nachhaltig­keits­­stra­te­gie von 2002 fortzu­führen. Deren Ziele, bis 2020 die Energie- und Roh­­stoff­pro­duk­­­­tivität zu verdoppeln, den Flächenverbrauch von 100 auf täglich 30 Hektar zu senken und bis 2010 den Ökolandbau auf zwanzig Prozent auszudehnen würden so unerreich­bar.

„Im Natur- und Klimaschutz setzen CDU, CSU und SPD auf Kontinuität. Bisher blieben alle Vor­stöße seitens der Atomlobby und der Gentechnikindustrie, hinter die von der Schröder-Regierung gesetzten Standards zurückzufallen, erfolglos. Wenn Atomkraftwerke abge­schaltet werden und die Lebensmittelproduktion gentechnikfrei bleibt, ist das ein Stück Zukunfts­sicherung für uns alle. Gerade die großen Volksparteien können im Umweltschutz beweisen, dass ihnen die Bewahrung der Lebensgrundlagen künftiger Generationen wichtig ist,“ sagte Zahrnt.

Die Regierung habe zwar theoretisch noch drei Jahre Zeit, um die Weichen für mehr Umwelt­schutz zu stellen. Erfahrungsgemäß würden erfolgreiche Projekte jedoch in den ersten zwei Amts­jahren der Legislaturperiode auf den Weg gebracht. Die übrige Zeit diene deren Umsetzung, bevor wieder die nächste Bundes­tagswahl bestimmend werde. De facto seien deshalb die kommenden zwölf Monate aus­schlag­gebend, ob zerstörerische Kanal- und Autobahnprojekte gestoppt, Agrar­subventionen von der industriellen in die ökologische Landwirtschaft umgeschichtet und Trans­por­te verstärkt auf die Bahn verlagert werden könnten. Gelänge dies nicht, werde die Große Koalition in der Gesamt­bilanz als eine Koalition des ökologischen Stillstands in die Geschichte eingehen.

Die ausführliche BUND-Analyse: „Ein-Jahres-Bilanz von Schwarz-Rot“ (PDF 73,9 KB)


30 Milliarden Euro umweltschädliche Subventionen im Jahr

Schwarzbuch und Sparschweine für Steinbrück

BUND Pressemitteilung, Berlin 20.11.2006

30 Milliarden Euro könnte die Bundesregierung pro Jahr einsparen, wenn sie ökologisch nach­teilige Förderungen abbauen würde. Das geht aus einem „Schwarzbuch zu umwelt- und klima­schäd­lichen Subventionen“ hervor, dass der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der NABU, der Hamburger Klimaschutzfonds, das Forum Umwelt und Entwicklung sowie der Förder­verein Ökologische Steuerreform (FÖS) jetzt veröffentlicht haben. Anlässlich der einjährigen Amtszeit von Finanzminister Peer Steinbrück wurde das „Schwarzbuch“ heute dem Bundesfinanzministerium über­geben.

Aufgelistet werden darin rund 20 umweltschädliche Subventionen. Zu den größten Posten gehört die geringere Besteuerung von Dieselkraftstoff im Vergleich zu Normalbenzin. Mindestens acht der 18 sub­ventionierten Cent pro Liter müssten abgebaut werden, fordern die Verbände. Allein dies entlaste den Bundeshaushalt um jährlich 2,6 Milliarden Euro. Einsparen ließen sich auch Förderungen für den Braunkohlebergbau sowie Steuervergünstigungen für Atom-Rückstellungen, die sich auf eine weitere Milliarde Euro pro Jahr summierten. Zusätzliche 500 Millionen Euro jährlich brächte dem Bundesetat die Abschaf­fung des Dienstwagenprivilegs, das bislang Pkw mit hohem Spritverbrauch begünsti­ge. Hier könne die Bundesregierung von Großbritannien lernen, wo diese Besteuerung bereits refor­miert worden sei. Dort würden Firmenwagen inzwischen durchschnittlich weniger Sprit verbrauchen als Privatfahrzeuge.

Angelika Zahrnt, BUND-Vorsitzende: „Vor einem Jahr hat Peer Steinbrück sein Amt angetreten. Seitdem hat er nur wenig zum Abbau ökologisch bedenklicher Subventionen beigetragen. Das Betreiben riskanter Atomanlagen, der Bau klimaschädlicher Kohlekraftwerke und Sprit fressende Dienstwagen - all dies wird staatlich gefördert. Wenn die Sonntagsreden von Kanzlerin Merkel, Umweltminister Gabriel und Finanzminister Steinbrück über die Notwendigkeit einer nachhaltigen Politik ernst gemeint sind, muss das Fördern umweltschädlicher Tatbestände ein Ende haben.“

Die Verbände forderten Steinbrück auf, an die Sparbemühungen seines Vorgängers Hans Eichel anzuknüpfen. Neben dem „Schwarzbuch“ erhielt er deshalb einen symbolischen Spar-Scheck über 30 Milliarden Euro und mehrere Sparschweine. Eichel, der wegen seiner Sparschweinsammlung auch ‚Spar-Hans’ genannt worden war, hatte 2002 ein Gesetz zum Abbau von Steuervergünstigungen vorgelegt, das jedoch am Widerstand der Union scheiterte.

Olaf Tschimpke, NABU-Präsident: „Minister Steinbrück sollte auch die Privilegien für den klimaschäd­lichsten Verkehrsträger Flugzeug beseitigen und die Mehrwertsteuerbefreiung bei grenzüberschreiten­den Flügen sowie die Befreiung von der Mineralölsteuer bei Inlandsflügen schnell abschaffen. Damit könnte er 900 Millionen Euro jährlich einnehmen und gleichzeitig wirksam zum Klimaschutz beitragen."

Anselm Görres, Vorsitzender des FÖS: „In ihrem ersten Jahr hat die Große Koalition jede Chance verpasst, die umweltschädlichen Steuergeschenke für Industrie und Landwirtschaft zu reduzieren. Anstatt die Sonderregelungen bei der Energiesteuer ökologischer zu gestalten, dehnte Schwarz-Rot bestehende Vergünstigungen auf zusätzliche Branchen aus. Nur wenn Herr Steinbrück diese Politik beendet, wird es für die Wirtschaft Anreize geben, klima- und umweltbewusster zu produzieren.“

„Schwarzbuch zu umwelt- und klimaschädlichen Subventionen“ (PDF, 405 KB)




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