powered by <wdss>
Aktuell

Biosphärenpark Wienerwald

Sima/Häupl: Biosphärenpark Wienerwald ist Realität

UNESCO überreicht Anerkennungs-Urkunde an die Stadt Wien

Wien Rathauskorrespondenz, 28.11.06

Wien (RK). Erhalt der biologischen Vielfalt und nachhaltige Nutzung des Natur- und Kulturraums - das ist eines der zentralen Ziele des Biosphärenparks Wienerwald, der nach jahrelangen Vorbereitungen der Länder Wien und Niederösterreich von der UNESCO im Juni 2005 anerkannt wurde. Inzwischen ist der Biosphärenpark gesetzlich verankert, das Wiener Biosphärenpark-Gesetz verabschiedet, die 15-a-Vereinbarung zwischen den Ländern Wien und Niederösterreich unterzeichnet und im Landtag beschlossen. Am Höhepunkt der Realisierung des Biosphärenparks Wienerwald steht Dienstag Abend die feierliche Überreichung der UNESCO- Anerkennungsurkunde für den Biosphärenpark Wienerwald durch hochrangige Vertreter der UNESCO am Programm. Die Überreichung ist somit auch der offizielle "Schlussstein" der sehr intensiven Planungs- und Vorbereitungsphase. "Doch der Biosphärenpark Wienerwald ist längst Realität und mit Leben erfüllt, Wien ist stolz darauf und wird auch künftig gemeinsam mit den BewohnerInnen Aktivitäten setzen, um ihn weiter zu beleben", so Umweltstadträtin Ulli Sima im Rahmen des Mediengespräches des Bürgermeisters am Dienstag. "Die Grüne Lunge Wiens wurde von der UNESCO international als schützenswerter Landschaftsraum anerkannt, wir leisten nun mit dem Biosphärenpark einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung einer Modellregion der Nachhaltigkeit. Denn es ist europaweit einzigartig, dass sich ein Biosphärenpark im unmittelbaren Umfeld einer Millionenstadt befindet", so Sima.

Knapp 10.000 ha des Biosphärenparks in Wien

Ganze 9.957 ha umfasst der Wiener Teil des Biosphärenparks, er erstreckt sich über bestehende Natur- und Landschaftsschutzgebiete sowie besiedelte Gebiete in sieben Wiener Bezirken (13., 14., 16., 17., 18., 19. und 23.). In Niederösterreich umfasst er 51 Gemeinden, die Gesamtfläche beträgt 105.645 ha, der Wiener Anteil beträgt somit 9,4 %. Rund 75.000 Wienerinnen und Wiener wohnen im Biosphärenpark Wienerwald.

Biosphärenpark Wienerwald: Auszeichnung und Herausforderung für Wien

Biosphärenparks schützen Gebiete, die durch Natur- und Kulturlandschaften geprägt sind und die den Menschen der Umgebung die nötigen Rahmenbedingungen für ein ressourcenschonendes und nachhaltiges Wirtschaften geben. Dem Naturschutz kommt dabei die gleiche Bedeutung zu wie der wirtschaftlichen und sozialen Ent- wicklung der Region sowie dem Erhalt kultureller Werte. Das Schutzprogramm für Biosphärenparks wurde 1976 von der UNESCO gestartet. Nach diesem Programm müssen sie neben der Schutzfunktion auch Entwicklungsfunktion und Forschungsfunktion erfüllen. "Für Wien ist die Anerkennung und heutige Auszeichnung durch die UNESCO eine große Herausforderung, der wir uns gerne stellen", betont Sima.

"Das Modell eines Biosphärenparks ist die beste Möglichkeit, Schutzziele mit Nutzungsansprüchen harmonisch zu verbinden", so Sima. "Mit einem speziellen Biosphärenpark-Konzept wollen wir nun alle Bevölkerungsschichten und die Bezirke im speziellen einbinden und von der Idee des Biosphärenparks begeistern. So wird es im kommenden Jahr eine Vielzahl von Infoveranstaltungen geben, auch werden verschiedene Biosphärenpark-Infopunkte eingerichtet, wie etwa jenen am Kahlenberg nach der Umgestaltung des Parkplatzes ab 2007. Spezielle Angebote und Programme wird es auch für die Kinder und Jugendlichen in Wien geben, Infopunkte im Ottakringer Wald und im Lainzer Tiergarten, wo es auch spezielle Biosphärenpark- Führungen für Schulklassen geben wird. Für die Wiener Schulen werden darüber hinaus Unterrichtsmaterialen angeboten, um den Kindern das Wesen und die Bedeutung eines Biosphärenparks näher zu bringen. "Denn Kinder- und Jugendbildung ist uns ein zentrales Anliegen - und die Bedeutung von Fauna und Flora im Biosphärenpark wollen wir schon den Kindern vermitteln", so Sima weiter.

Freizeitangebote erweitern, Chance für regionale Produkte

Feierliche Überreichung der UNESCO-Anerkennungsurkunde für den Biosphärenpark Wienerwald durch hochrangige Vertreter der UNESCO, Foto: Christian Fürthner - Klicken Sie auf das Bild und Sie erhalten das Foto in Druckqualität (325 kB) Auch das Freizeitangebot im Wienerwald wird erweitert, so wird es eine Neuauflage der Stadtwanderwege-Folder geben. Die Wienerinnen und Wiener sind eingeladen, öffentlich zu den schönsten Punkten im Biosphärenpark zu wandern und die Natur zu genießen. Auch wird es einen "Biosphärenpark-Naturwanderführer" geben, und eine neue Mountainbike-Strecke bei Mauerbach wird in Kürze eröffnet. Es gibt spezielle Pflegeprogramme für die Wienerwaldwiesen, weiters spezielle Pflegeprogramme für Orchideen- und Naturschutzwiesen im Wienerwald, auch werden Streuobstwiesen wie etwa auf den Steinhofgründen oder in den Weinbaugebieten nachgepflanzt oder neu angelegt. Darüber hinaus sind Wiederherstellung und Neuanlage von Trockenbiotopen, Säumen, Lesesteinhaufen im Weinbaugebiet für Smaragdeidechsen und Äskulapnatter geplant. Auch über das Programm der "Ländlichen Entwicklung" sollen zahlreiche Projekte in diesem Bereich gefördert werden. "Es geht darum, gemeinsam mit den BewohnerInnen im Biosphärenpark an Lösungen für die großen Herausforderungen der Zukunft zu arbeiten. Der Bogen spannt sich vom Klimaschutz, über Mobilität, Raumnutzung, Entwicklungen im ländlichen und im urbanen Raum bis hin zur Förderung von Innovation und Zukunftstechnologien sowie Bewusstseinsbildung für nachhaltiges Handeln", so Sima. Der Biosphärenpark bietet laut Sima auch ganz neue Chancen für die gesamte Region, beispielsweise auch im sanften Tourismus oder bei der Vermarktung regionaler Produkte. Aktuelles Beispiel ist der Biosphärenpark Wein 06, der kürzlich gekürt wurde. Künftig werden weitere Produkte aus der Region Wienerwald speziell vermarktet. Es wurde bereits ein Biosphärenpark-Logo entwickelt, und damit wird auch die Marke "Biosphärenpark Wienerwald" weiter vorangetrieben.

Einteilung in Kernzone, Pflegezone und Entwicklungszone

Im Gegensatz zum Nationalpark ist in einem von der UNESCO definierten Biosphärenpark die wirtschaftliche Nutzung des Waldes nicht ausgeschlossen, sondern außerhalb der Kernzone eine ressourcenschonende und nachhaltige Nutzung erlaubt. Die Kernzonen - von Menschen unbeeinflusste Wälder - werden derzeit mit den Wiener Grundeigentümern verhandelt. Schon während der Planung der Kernzonen wurde ein Moratorium mit den Eigentümern abgeschlossen und die entgangene Nutzung finanziell entschädigt - übrigens in dem Umfang österreichweit einmalig.

Biosphärenparks nach den internationalen Richtlinien der UNESCO sind Modellregionen für harmonisches Miteinander von Mensch und Natur. Schutz bedeutender Natur- und Kulturwerte und die Entwicklung nachhaltiger Nutzungsweisen sind gleichrangige Zielsetzungen. Entsprechend weitgefächert sind die Themenbereiche, die bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen waren. Als ein wesentliches Instrument für die Erfüllung der zentralen Funktionen eines Biosphärenparks (Schutz, nachhaltige Regionalentwicklung und Forschung) gibt die UNESCO die Ausweisung folgender Zonen vor:
  • Kernzonen: Forstwirtschaftliche Nutzung ist hier verboten. Hier kann sich die Natur weitgehend ohne Einfluss des Menschen entwickeln. Diese Flächen beschränken sich ausschließlich auf Waldflächen. Sie sind gegen entsprechende Entschädigung frei von forstwirtschaftlicher Nutzung. Sie betragen im gesamten Biosphärenpark Wienerwald 5.576 ha.
  • Pflegezonen: Hier steht der Schutz der Kulturlandschaft - vor allem die Erhaltung der Landwirtschaft - im Vordergrund. Sie dienen als Pufferbereiche um Kernzonen und zur Erhaltung der von landwirtschaftlicher Nutzung abhängigen Kulturlandschaft. Sie betragen im Biosphärenpark Wienerwald 19.840 ha.
  • Entwicklungszone: Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum der Bevölkerung mit dem Ziel, modellhafte Ressourcen schonender Nutzungsweisen zu entwickeln, die den Ansprüchen von Mensch und Natur gleicher Maßen gerecht werden. Sie betragen im Biosphärenpark Wienerwald 80.229 ha.
Wienerwald: Vielfalt in Fauna und Flora

Der Wienerwald weist eine der höchsten Artenvielfalten Österreichs auf. Ausschlaggebend für diese Vielfalt sind besonders naturnahe Wälder, Wiesen und deren Säume. Es gibt bis zu 650 verschiedene Pflanzenarten im Wienerwald, Ursache dafür ist der Übergang vom pannonischen ins ozeanische Klima sowie der Wechsel der Standortstypen über Kalk und Flysch. Wälder bedecken 62 % der Fläche des Biosphärenparks Wienerwald. Große und ökologisch äußerst bedeutende Landschaftsräume sind geprägt durch ein enges und ineinander verwobenes Nebeneinander von landwirtschaftlichen Nutzflächen, Äckern, Wiesen, Wein- und Obstgärten mit Brachland. Trockenrasen, Gebüsche oder Pionierwald sind weitere für den Naturschutz wertvolle Typen.

Neben Hirsch, Reh und Wildschwein gibt es sogar die sonst nur im Alpenraum verbreitete Gämse im Bereich des Hohen Lindkogels. Der Biber hat sich seit seiner Wiedereinbürgerung in den Donauauen auch die Wienerwaldflüsse hinauf ausgebreitet. Der Siebenschläfer lebt in höhlenreichen Buchenwäldern, das Grassteppen bewohnende Ziesel auf der Perchtoldsdorfer Heide. Auch gefährdete Fledermausarten finden im Wienerwald geeignete Lebensräume vor. Eine große Vogelvielfalt findet man im Übergangsbereich zur Thermenlinie. Insgesamt wurden knapp 150 Brutvogelarten nachgewiesen. Vor allem für die Waldvogelfauna ist der Wienerwald besonders wichtig. Wichtige Populationen von Amphibien, wie Alpen- Kammmolch oder Gelbbauchunke, aber auch Feuersalamander, Teich- molch, Bergmolch, Laubfrosch, Spring- und Grasfrosch nutzen die Gewässer des Wienerwaldes. Sogar der einheimische Steinkrebs oder die Blauflügelige Prachtlibelle kommen hier vor.

Finanzierung gesichert

Die Finanzierung der Biosphärenpark-Wienerwald-Management- GmbH ist gesichert. Sie wird ihre Tätigkeit Anfang Jänner 2007 aufnehmen, die gemeinsame Finanzierung für den laufenden Betrieb von zusätzlich 600.000 Euro jährlich wird von den beiden Bun- desländern Wien und Niederösterreich zu je 50 % getragen. Darüber hinaus werden auch Mittel aus der ländlichen Entwicklung zur Projekt-Finanzierung herangezogen.

482 weltweit herausragende Gebiete in 102 Staaten

Der Biosphärenpark Wienerwald gehört nun zu den 482 weltweit herausragenden Gebieten in 102 Staaten, die das Netzwerk der Biosphärenparke bilden. In Österreich gibt es nun sechs von der UNESCO anerkannte: Gossenköllesee (Tirol), Gurgler Klamm (Tirol), Neusiedler See (Burgenland), Untere Lobau (Wien/NÖ), Grosses Walsertal (Vorarlberg) und den Biosphärenpark Wienerwald.

Weitere Infos: www.biosphaerenpark-wienerwald.org




» zurück
 

Druckversion


26.08.08 14:45 - 15:15
3sat: Kostbarkeiten im Nebelwald

26.08.08 15:00 - 16:00
WDR/SWR: Feuer und Brände - Von der Macht der Flammen

17.08.08 23:15 - 23:50
arte: Gorillas zwischen den Fronten

23.08.08 17:30 - 18:00
phoenix: Joseph und die Wilderer: Kameruns Kampf um die Menschenaffen

04.09.08 00:00 - 01:30
SWR: Abenteuer Amazonas - Eine Reise durch den Regenwald

19.08.08 14:00 - 14:45
3sat: Magische Orte: La Gomera

28.08.08 15:15 - 16:00
NDR: Kanadas Queen Charlotte Islands

18.08.08 21:00 - 21:30
3sat: Wer hat Angst vorm bösen Wolf?

19.08.08 14:45 - 15:15
3sat: Die Affenbande vom Amazonas

16.08.08 12:00 - 12:30
h3: Abenteuer Amazonien (3/4): Eine Reise durch den Regenwald

23.08.08 12:00 - 12:30
hr: Abenteuer Amazonien (4/4): Eine Reise durch den Regenwald

28.08.08 12:30 - 14:00
phoenix: Malaysias Regenwald (1+2/2)

16.08.08 16:30 - 17:15
phoenix: In den Wäldern der Zuruaha-Indianer

19.08.08 22:05 - 22:50
mdr: Östlich der Sonne - Vom Baikalsee nach Alaska

16.08.08 19:15 - 19:45
phoenix: Feuerspringer in Sibirien

19.08.08 20:15 - 21:00
WDR: Ostpreußens Wälder