AktuellWaschbären in Thüringen
Samstag 16. Dezember 2006, 03:21 Uhr Waschbär breitet sich in Thüringen immer mehr ausErfurt (ddp-lth). Der Waschbär hat sich seit Mitte der 1990er Jahre in Thüringen massiv ausgebreitet. «Während im Jagdjahr 1994/95 in 8 der 17 Landkreise Abschüsse von Waschbären dokumentiert wurden, kann man heute davon ausgehen, dass er flächendeckend vorkommt», sagte der Geschäftsführer des Landesjagdverbandes, Frank Herrmann, der Nachrichtenagentur ddp.Zwar ist den Angaben zufolge eine genaue Ermittlung der Populationsgröße und -entwicklung schwierig, da die Tiere überwiegend nachtaktiv sind. Doch an der Zahl der erlegten Tiere lasse sich eine deutliche Zunahme ablesen. So wurden laut Herrmann im Jagdjahr 1994/95 insgesamt 179 Waschbären erlegt. Zehn Jahre später wurden 1556 und 2005/06 sogar 2668 erlegte Tiere gezählt. Der Waschbär breitet sich von Westen her in südöstlicher Richtung aus. «Die größten Jagdstrecken haben wir in den westlichen Landkreisen, beispielsweise im Eichsfeldkreis, wo im letzten Jagdjahr 968 Tiere erlegt wurden», sagte Herrmann. Im Unstrut-Hainich-Kreis seien es 538 Waschbären gewesen, im Landkreis Nordhausen 378. Im vergangenen Jahr seien erstmals sogar in Erfurt und Gera Waschbären erlegt worden. Die Ausbreitung des Waschbären wird laut Herrmann dadurch begünstigt, dass er ein Allesfresser ist und sich deshalb an unterschiedliche Lebensräume anpassen kann. Außerdem habe er hier zu Lande keine natürlichen Feinde. «Weil er auch Pflanzen frisst, ist er nicht einmal ein direkter Nahrungskonkurrent für den Fuchs.» Besonders in Niederwild-Gebieten werde der Waschbär aber zunehmend zum Problem, weil auch Jungvögel und Eier auf seiner Speisekarte stehen, sagt Herrmann. Wegen seiner guten Kletterfähigkeiten könne er auch Vogelnester auf Bäumen erreichen. Die Jagdverbände orientierten deshalb darauf, den «Neubürgern» verstärkt Paroli zu bieten, um die einheimischen Tierarten zu schützen. Allerdings sei eine Bestandsregulierung durch rein jagdliche Maßnahmen nicht möglich. Neben dem Waschbären sind laut Herrmann auch andere fremde Tierarten wie der aus Osteuropa kommende Marderhund in Ostdeutschland auf dem Vormarsch. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg habe es bei dieser Art einen deutlichen Populationsanstieg gegeben. In Thüringen seien im vergangenen Jagdjahr 46 Exemplare erlegt worden. » zurück |
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