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Aktuell

Kampf um Tibets Wälder

Montag 9. Februar 2004, 01:47 Uhr

Bericht über Todesurteil gegen tibetischen Mönch

New York (AP) Die chinesische Regierung hat einen prominenten tibetischen Geistlichen nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation zum Tod verurteilt. Der Mönch Tenzin Delek Rinpoche wurde einem am Sonntag von der Organisation Human Rights Watch veröffentlichten Bericht zufolge in einem nichtöffentlichen Prozess für schuldig befunden, an einem Bombenanschlag in einem Park im April 2002 beteiligt gewesen zu sein. Der 53-Jährige habe laut Anklage den Anschlag in Chengdu, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Sichuan, finanziert. Das Todesurteil sei auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden und könne dann in lebenslange Haft umgewandelt werden.

Ein zweiter Mann, Lobsang Dondrup, wurde dem Bericht zufolge wegen Zündung der Bombe bereits am 26. Januar vergangenen Jahres hingerichtet. Bei dem Anschlag wurden drei Menschen verletzt. Der Fall Tenzin Delek zeige, dass die chinesische Regierung in Bezug auf Tibet weiterhin keine unkontrollierten politischen oder religiösen Aktivitäten dulde, sagte Mickey Spiegel von Human Rights Watch in New York. Die Behörden bemühten sich seit zehn Jahren, Tenzin Delek zum Schweigen zu bringen, da er sich für Umweltschutz und bessere soziale, religiöse und gesundheitliche Lebensbedingungen in den von Tibetern bewohnten Gegenden Sichuans einsetze.

In der westchinesischen Provinz Sichuan, nicht weit von Tibet entfernt, lebt eine grosse tibetische Exilgemeinde. Chinesische Truppen waren 1950 in Tibet einmarschiert. Tenzin Delek studierte von 1982 bis 1987 beim Dalai Lama, dem geistlichen Führer der tibetischen Buddhisten, in Indien. Der Dalai Lama erkannte Tenzin Delek als Wiedergeburt eines Lamas an. 1987 kehrte der Mönch nach China zurück, wo er Klöster, Ambulanzen, Schulen und Waisenhäuser gründete. Darüber hinaus setzte er sich gegen Waldrodungen in tibetischen Gebieten ein und fiel damit laut Human Rights Watch bei den chinesischen Behörden in Ungnade. Die Organisation rief zur sofortigen Freilassung Tenzin Deleks auf, die Vorwürfe gegen ihn seien nicht bewiesen.


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