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Bedrohte Affen in China
Donnerstag, 15. Mai, 11:04 Uhr
Forscher befürchten Ausrottung aller Menschenaffen in China
Zürich (AP) Forscher befürchten die Ausrottung der meisten oder gar aller Menschenaffenarten in China. Ein schweizerisch-chinesisches Wissenschaftlerteam hat festgestellt, dass Weißhandgibbons bereits gänzlich verschwunden sind, wie die Universität Zürich am Donnerstag mitteilte.
Die 14 Experten führten eine Bestandsaufnahme in allen chinesischen Waldgebieten durch, in denen der Weißhandgibbon in den letzten 20 Jahren vorkam. Zuletzt beobachtet wurde die Art 1988 im Nangunhe Naturreservat im Südwesten der Provinz Yunnan. Nach zwei Wochen Feldarbeit sei klar gewesen, dass die Gibbonart als Folge kontinuierlicher Vernichtung, Zerstückelung und Ausdünnung des Waldes sowie der Jagd auf Wildtiere ausgestorben sei, heißt es.
Der Anthropologe Thomas Geissmann von der Universität Zürich hofft nun, dass der Weißhandgibbon auch im angrenzenden Birma vorkommt, hat dafür aber bisher keine Hinweise. Die Forscher warnen, dass der Verlust des Yunnan-Weißhandgibbons nur der Anfang einer beispiellosen Welle der Ausrottung sei, der die meisten oder sogar alle chinesischen Menschenaffenarten zum Opfer fallen drohen. So sei etwa der Weißwangen-Schopfgibbon seit den achtziger Jahren nicht mehr gesichtet worden, von einigen Arten gebe es nur noch wenige Individuen. Geissmann hofft deshalb, die chinesische Regierung und internationale Naturschutzorganisationen mit den Forschungsergebnissen zu alarmieren und dazu zu bewegen, sofortige Maßnahmen einzuleiten, um die letzten verbleibenden Menschenaffen Chinas zu retten.
China: Viele Menschenaffenarten bedroht
Unterart des Weißhandgibbons ist "sang- und klanglos ausgestorben"
Von Claudia Misch, Pressetext Schweiz, 15.5.08
Menschenaffen in China sind scheinbar stärker vom Aussterben bedroht, als in jedem anderen Land. Jüngst haben Anthropologen der Universität Zürich bei einer Bestandsaufnahme des Weißhandgibbons feststellen müssen, dass eine weitere Art, der Hylobates lar Yunnan-Weisshandgibbon, offenbar ausgestorben ist.
Diese Gibbon-Unterart war ausschließlich in der Provinz Yunann beheimatet. "In China haben die Menschenaffen sehr viel mehr ihres ursprünglichen Habitats verloren als anderswo. Nahezu 99 Prozent ihres Lebensraumes sind dort zerstört worden", berichtet Studienleiter Thomas Geissmann im Gespräch mit pressetext.
Das schweizerisch-chinesische Forschungsteam, bestehend aus Mitgliedern der Gibbon Conservation Alliance der Uni Zürich und des Zoologischen Instituts von Kunming, hatte eine Bestandsaufnahme in allen Gebieten durchgeführt, in denen der Weißhandgibbon in den vergangenen 20 Jahren gesichtet oder gehört worden war. "Auch diese Gebiete sind bei Weitem nicht mehr so groß. Sie befinden sich alle im Naturreservat Nangunhe", erklärt Geissmann. Im Jahr 1988 sei die Unterart dort zum letzten Mal gesichtet worden, ihre lauten, melodischen Rufe wurden zuletzt 1992 gehört. Nach zweiwöchiger Feldarbeit in den Wäldern des Reservats kam das Team jedoch zu dem Schluss, dass diese Gibbonart nicht länger Bestandteil der chinesischen Tierwelt ist. "Noch vor einem Jahrtausend waren die Gibbons in großen Teilen Chinas verbreitet, heute sind dort alle Arten bedroht", so Geissmann. Zwar haben die Forscher Hoffnung, dass der Yunnan-Weißhandgibbon noch im angrenzenden Burma zu finden sei, Hinweise gebe es dafür aber bisher nicht. "Zumal auf beiden Seiten der Grenze eine ungeheure Fläche von Monokulturen eingenommen wird", ergänzt der Anthropologe. Als Lebensraum taugten diese agrarisch genutzten Flächen nicht.
Das Aussterben der Gibbonart sieht Geissmann als dringendes Alarmsignal, denn es handelt sich nicht um die einzige bedrohte Art. "Auch der Weißwangen-Schopfgibbon ist kritisch bedroht. Diese Art hat den gleichen Status wie der Weißhandgibbon vor unserer Untersuchung, es weiß schlicht niemand, ob es ihn dort noch gibt", sagt der Forscher. "Es wäre gut möglich, dass auch diese Art in den 1990er Jahren sang- und klanglos ausgestorben ist." Vom Cao-Vit-Schopfgibbon gebe es derzeit nurmehr weniger als 100 Vertreter, beim Hainan-Gibbon sei es gar nur noch ein Dutzend. Der Verlust des Yunnan-Weißhandgibbons könnte also nur der Anfang einer Welle der Ausrottung sein, der die meisten der chinesischen Menschenaffen zum Opfer fallen könnten.
Zum Schutz der kleinen Menschenaffen werde derzeit aber wenig getan, kritisiert Geissmann. "Die Gibbon Conservation Alliance ist die einzige Organisation, die sich spezifisch für den Schutz und Erhalt der Gibbons engagiert." Für einen effektiven Artenschutz sei das aber viel zu wenig. Dabei mache die Familie der Gibbons mit ihren 16 Unterarten rund 70 Prozent der Menschenaffen überhaupt aus. "Die großen Menschenaffen sind für die meisten Menschen und Wissenschaftler aber attraktiver. Denn die Kleinen, die mitten im Urwald auf teilweise 40 Meter hohen Bäumen sitzen, sind auch viel schwerer zu beobachten", meint Geissmann, "Unsere Arbeit ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber irgendwo muss man ja anfangen."
Erdbeben in Chinas Pandaregion
WWF-Pressemitteilung, 13.5.08
Ein Erdbeben der Stärke 7.8 auf der Richterskala hat am Pfingstmontag Chinas Südwesten erschüttert. Das Epizentrum lag nicht einmal 100 Kilometer nordwestlich von Chengdu, von wo aus der WWF das Schutzprogramm für den Großen Panda koordiniert. Die WWF-Experten vor Ort sind mit dem Schrecken davongekommen. "Die Erde hat zehn Minuten lang gebebt", beschreibt Büroleiter Ling Lin die Situation. "Als alles vorbei war, haben wir uns in den Armen gelegen, überglücklich, dass wir noch leben."
Wie die Situation im Panda-Projektgebiet aussieht, das zum Teil deutlich näher am Epizentrum des Bebens liegt, weiß bislang niemand. Ling Lin und seine Kollegen versuchen, die WWF-Pandawildhüter und die Vorsteher der Dörfer zu erreichen, die der WWF mit Biogasanlagen und beim Aufbau von Öko-Tourismus unterstützt. Der WWF arbeitet mit Unterstützung von Spenden aus Deutschland u.a. in Wolong und in den Bergregionen Minshan und Qionglaishan für den Schutz der Großen Pandas und ihren Lebensraum.
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