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Kanadas Entschuldigung bei Indigenen
Donnerstag, 12. Juni, 07:31 Uhr
Harper entschuldigt sich bei kanadischen Ureinwohnern
Ottawa (AFP) - In einer historischen Geste hat sich Kanadas Premierminister Stephen Harper offiziell bei den Ureinwohnern des Landes entschuldigt. Das Geschehene sei ein "trauriger Abschnitt" in der kanadischen Geschichte, sagte der Regierungschef mit Blick vor allem auf die Kinder von Ureinwohnern, die zur Umerziehung in Internate gesteckt wurden. Seit 1874 wurden in Kanada etwa 150.000 Kinder der Indianer, Inuit und Meti von ihren Eltern getrennt und in Internate gezwungen. Die Ureinwohner begrüßten die Entschuldigung, sie wollen weiter für ihre Rechte kämpfen.
Er stehe "im Namen der kanadischen Regierung und allen Kanadiern" im Parlament, um sich bei den Ureinwohnern für die Rolle der Regierung in dem Umerziehungssystem zu entschuldigen, sagte Harper. Die Regierung und die Behörden hätten versagt. Die Trennung der indianischen Kinder von ihren Eltern sei "nicht akzeptabel". Das bisherige Ausbleiben einer Entschuldigung habe zudem die "Heilung und Versöhung" behindert, bekannte der Regierungschef. Die Zwangsumerziehung in den Internaten habe "dauerhafte negative Auswirkungen" auf die Kultur und das Erbe der Ureinwohner gehabt.
Die betroffenen Kinder wuchsen in den Internaten völlig isoliert von ihren Familien, ihren Gemeinden und ihrer Kultur auf. Rund 80.000 von ihnen sind heute noch am Leben, viele wurden von Schulleitern und Lehrern missbraucht. Die meisten der Schulen, die auf Geheiß der Regierung von christlichen Kirchen betrieben wurden, wurden von der Regierung in den 70er Jahren geschlossen, die letzte 1996.
Die Entschuldigung Harpers wurde von den Ureinwohnern ausdrücklich begrüßt. "Was heute geschehen ist, ist der Beginn einer neuen Beziehung zwischen uns und dem Rest Kanadas", sagte Ureinwohner-Chef Phil Fontaine im Parlament. Gekleidet in seine traditionelle Tracht und mit Federschmuck auf dem Kopf kündigte er zugleich an, dass der Kampf für die Rechte der Ureinwohner weitergehen werde. Die Entschuldigung Harpers feierten Fontaine und Freunde mit einer traditionellen Zeremonie im Unterhaus.
Auch die Präsidentin der Inuit-Vertretung, Mary Simpson, begrüßte die Entschuldigung der Regierung. In Kanada leben rund 1,3 Millionen Ureinwohner, insgesamt gibt es 33 Millionen Kanadier. Die wirtschaftliche Lage der Ureinwohner ist deutlich schlechter als beim Durchschnitt der kanadischen Bevölkerung und die Selbstmordrate besonders hoch.
Donnerstag, 12. Juni, 04:01 Uhr
Kanada bittet Indianer um Entschuldigung
Ottawa (AP) In einer historischen Erklärung hat sich die kanadische Regierung bei den Ureinwohnern des Landes für bis in die 70er Jahre zugefügtes Leid und Unrecht entschuldigt. Ministerpräsident Stephen Harper nannte die vom 19. bis weit ins vergangene Jahrhundert praktizierte zwangsweise Trennung von Kindern und ihren Eltern ein trauriges Kapitel in der Geschichte Kanadas.
Mehr als 150.000 Kinder von Ureinwohnern wurden in dem Zeitraum zwangsweise in staatliche christliche Internate eingewiesen. Dort waren viele von ihnen körperlicher und sexueller Misshandlung ausgesetzt. «Heute erkennen wir, dass diese Politik der Assimilierung falsch war, großes Leid verursacht und keinen Platz in unserem Land hat», sagte Harper. «Die Regierung von Kanada erkennt an, dass es falsch war, Kinder mit Zwang ihren Eltern wegzunehmen und wir entschuldigen uns.»
Dies erfordere eine Wiedergutmachung. Die Regierung zahlt Betroffenen, die aus ihrer Familie gerissen wurden, als Teil einer außergerichtlichen Einigung eine Entschädigung mit einem Volumen von insgesamt fünf Milliarden kanadischen Dollar (3,2 Milliarden Euro). Mehr als 200 ehemalige Internatsschüler waren am Mittwoch zu der Feierstunde ins Parlament eingeladen, viele weitere hatten sich vor dem Gebäude versammelt und ein zeremonielles Feuer entfacht.
Die Entfernung von Kindern aus ihren Familien sollte seinerzeit offiziell dazu dienen, die Indianer besser in die kanadische Gesellschaft zu integrieren. Mehr als 80.000 der Betroffenen leben noch. Vor zehn Jahren hatte die Regierung bereits eingestanden, dass Misshandlungen in den Internaten weit verbreitet waren. Viele ehemalige Schüler haben berichtet, dass sie geschlagen wurden, wenn sie in ihrer Muttersprache redeten, dass sie häufig Hunger leiden mussten und mit der Zeit den Kontakt zu ihren Eltern und deren Kultur verloren. Indianische Führer machen dieses Trauma für grassierenden Alkoholismus und Drogenmissbrauch in den Reservaten mitverantwortlich.
Versöhnungskommission soll Betroffene anhören
Bis 1960 durften Ureinwohner in Kanada nicht wählen. 1998 äußerte die damalige Ministerin für indianische Angelegenheiten, Jane Stewart, «tiefes Bedauern» für die Einrichtung der umstrittenen Internate, doch betrachteten die Indianer diese Erklärung als nicht ausreichend. Über die formelle Entschuldigung vom Mittwoch hinaus soll nun eine Wahrheits- und Versöhnungskommission die damalige Regierungspolitik untersuchen und Aussagen Überlebender anhören.
Erst im Februar hatte sich Australien in einem ähnlichen Schritt bei den Ureinwohnern des Landes für deren langjährige unwürdige und erniedrigende Behandlung und den dadurch zugefügten großen Schmerz entschuldigt.
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