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Aktuell
US-Waldbrände unter Kontrolle
18. November, 2008
Lage in kalifornischem Waldbrandgebiet entspannt sich
Los Angeles (AP) Die Lage in den kalifornischen Waldbrandgebieten beginnt sich allmählich zu entspannen. Ein klarer Himmel und ein ruhiger Wind verhalfen der Feuerwehr am Dienstag zu weiteren Erfolgen im Kampf gegen die Brände. Die meisten Evakuierungsanordnungen konnten aufgehoben werden. Die starke Luftverschmutzung durch die Asche hielt vorerst aber noch an. Viele Schulen im Großraum von Los Angeles blieben geschlossen.
Rund 1.000 Häuser wurden zerstört, 170 Quadratkilometer Wald und Busch ein Raub der Flammen. Das entspricht etwa der Fläche von Wuppertal oder Karlsruhe. Die Behörden warnten trotz der Erfolge bei der Brandbekämpfung, dass die Gefahr noch nicht gebannt sei und die Flammen an vielen Stellen weiter wüteten. Hundestaffeln suchten in den Überresten eines abgebrannten Wohnmobilparks weiter nach etwaigen Opfern. Vorerst wurden keine Leichen gefunden, allerdings wurden einige tote Haustiere entdeckt.
Viele Rückkehrer fanden nur noch Trümmer vor. «Alles weg», sagte der 82-jährige Ed Hurdle nach einer Fahrt durch das Gelände. «Das Auto ist weg. Das Haus ist weg. Es ist verdrehtes Metall. Es ist völlig verkohlt. Da gibt es keine Hoffnung mehr. Nichts.» Joan Costa, deren Haus von den Flammen verschont bliebt, sagte beim Anblick zerstörter Häuser: «Es ist eine Katastrophe. Es sieht aus wie in Hiroshima.»
Andere konnten ihr Glück kaum fassen, dass ausgerechnet ihr Haus noch stehen geblieben war. «Mein Haus ist in tollem Zustand. Es ist nur dreckig», sagte die 78-jährige Betty Glassman. «Es ist wie ein Traum. Zwickt mich.»
Der künftige US-Präsident Barack Obama rief zu Hilfen für die Betroffenen auf. Ein entsprechender Appell wurde am Montag auf der Website veröffentlicht, auf der bislang für Wahlkampfspenden für den demokratischen Politiker geworben wurde. «Gemeinsame können wir den Opfern der Brände im Süden Kaliforniens helfen», hieß es in dem Text, in dem auch Obamas Wahlkampfslogan «Yes, we can» eingesetzt wurde. Ferner gab es Links zur Website des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger sowie zu Hilfsorganisationen, die Spenden für die Waldbrandopfer sammeln.
19. November, 2008
Kalifornien: Verheerende Brände durch Lagerfeuer ausgelöst
Jugendlichen haben ein Lagerfeuer vermutlich nicht ausreichend gelöscht - 1.000 Häuser wurden zerstört - Löscharbeiten gehen gut voran
San Francisco (APA) - Das verheerende Buschfeuer in dem kalifornischen Villenort Montecito ist nach Angaben der Polizei durch ein Lagerfeuer ausgelöst worden. Die Ermittler verdächtigen zehn junge Leute, die vergangenen Mittwoch auf einem verlassenen Grundstück ein Feuer gezündet hatten, berichtete die "Los Angeles Times". Gutes Wetter sorgt unterdessen für weitere Erfolge bei den Löscharbeiten.
Rund 1.000 Häuser wurden zerstört, 170 Quadratkilometer Wald und Busch ein Raub der Flammen. Die Behörden warnten, dass die Gefahr noch nicht gebannt sei und die Flammen an vielen Stellen weiter wüteten. Hundestaffeln suchten in den Überresten eines abgebrannten Wohnmobilparks weiter nach etwaigen Opfern.
Lagerfeuer nicht gut genug gelöscht
Die Jugendlichen gaben im Verhör an, sie hätten das Lagerfeuer am Ende des Abends gelöscht. Die Behörden vermuten, dass die Asche weiter schwelte und die Umgebung am Donnerstag in Brand setzte. US-Präsident Bush und Gouverneur Schwarzenegger machten unterdessen für die Opfer der schweren Waldbrände in Kalifornien den Weg zu staatlichen Finanzhilfen frei. Damit erhalten Betroffene Hilfe bei zerstörten Ausweispapiere oder bei der Inspektion von Grundstücken. Wer infolge der Brände seinen Arbeitsplatz verloren hat, kann ebenfalls mit staatlichen Beihilfen rechnen.
Evakuierungsanordnungen aufgehoben
Die Lage in den kalifornischen Waldbrandgebieten hat sich mittlerweile weiter entspannt. Ein klarer Himmel und ein ruhiger Wind verhalfen der Feuerwehr am Dienstag zu weiteren Erfolgen im Kampf gegen die Brände. Die meisten Evakuierungsanordnungen konnten aufgehoben werden. Die starke Luftverschmutzung durch die Asche hielt vorerst aber noch an. Viele Schulen im Großraum von Los Angeles bleiben weiter geschlossen.
Der ewige Kampf Naturkatastrophe versus Siedler
Von Uwe Schmitt, WELT-Online, 18.11.08
Feuerwalzen, Hurrikans, Sturmfluten – Amerika ist ein Land, in dem die Menschen immer wieder von verheerenden Naturkatastrophen heimgesucht werden. Und zwar in einer Regelmäßigkeit, dass sich unwillkürlich die Frage stellt: Was treibt die Amerikaner bloß dazu, in den gefährdeten Gebieten zu siedeln? Eine Antwort.
Monströsen Lebewesen gleich haben sich die Brände fünf Tage lang durch Hügel und Schluchten Kaliforniens gefressen. Angefacht von den heißen Santa-Ana-Winden umzingelten sie Los Angeles, verschlangen mehr als 110 Quadratkilometer Land, Buschwerk und Wald, legten Fallen und Hinterhalte für die Feuerwehrleute, vertrieben 100.000 Menschen aus ihren Heimen, verheerten über 1000 Häuser und Wohnungen. Die Feuersbrünste trieben Arm wie Reich vor sich her.
Bilder von verkohlten Porsches wie von Wohnmobilen zeigen die Gewalt des Gleichmachers. Eine Kolonie von Pensionären aus 600 Wohnwagen hörte auf zu existieren. Dass niemand starb, ist kein Wunder. Es verdankt sich eher der Krisenroutine und dem bewunderungswürdigen Gleichmut eines Staates in Dauerbrandwache.
Schon die Indianer Kaliforniens verbrannten die Hügel der trockenen Buschsteppe. Bis die amerikanische Regierung vor einem Jahrhundert den Saisonwaldbränden den Krieg erklärte, verrichteten die Feuer einen Reinigungsdienst in der Natur. Auf paradoxe Weise werden sie den Menschen erst gefährlich, seit sie eingedämmt werden. Heute sind Feuersbrünste, die man einst einmal im Leben erlitt, alljährliche Plagen.
Experten sind sich einig, dass drei Faktoren entscheidend für die Brandserie Kaliforniens verantwortlich sind: die extremste Trockenheit seit den 1920er-Jahren, steigende Temperaturen – vermutlich dem Treibhauseffekt geschuldet – und hemmungslose Zersiedlung. Von 1990 bis 2000 wuchsen mehr als eine Million Häuser, 61 Prozent der Neubauten an der Westküste, in oder am Rande feuergefährdeter Wildnis. Wer dort siedelt, etwa im sogenannten Santa-Ana-Korridor bei Los Angeles, geht eine Wette mit der Natur ein. Viele verlieren.
Wetten klingt romantisch; und die kühnen Glücksspieler, die sich an dem Pazifikblick in den Hügeln von Santa Barbara berauschen, haben oft genug ausreichend Geld, um sich gegen Verluste zu versichern. Am Rande des Staatsbankrotts steht Kalifornien, das den Bund wegen der Finanzkrise um Kredithilfe angehen musste.
Kaliforniens Aufwendungen zur Bekämpfung von Waldbränden haben sich im letzten Jahrzehnt um 150 Prozent auf mehr als eine Milliarde Dollar pro Jahr vervielfacht. Das US-Fortsamt musste seine Ausgaben 2007 auf 1,37 Milliarden Dollar steigern, mehr als das Vierfache von 1997. Das sind ruinöse Zahlen. „Wir haben die Kontrolle über die Brände verloren“, erklärt Steven Pyne, der angesehene Fachmann für das Phänomen. Er spricht von „ecologigal insurgency“, einem ökologischen Aufstand. In Notwehr gegen die gierige Landnahme der Siedler wie gegen ein Amok laufendes Klima.
Niemand wird die persönlichen Katastrophen beschönigen, die Menschen in Kalifornien heimsuchen, wenn sie ihre Habe und ihr Heim in Asche sinken sehen. Es ist herzzerreißend. Den Bewohnern von Wohnmobilen nahezulegen, sie mögen künftig feuerfest bauen, mit Beton, Lehm, Ziegeldächern, statt mit Holz, wie es Gouverneur Arnold Schwarzenegger andeutet, mag auf diese Menschen eher zynisch als hilfreich wirken. Für die Evakuierten, die am Montag und Dienstag schicksalsergeben zu ihren verbrannten oder verschonten Heimen zurückkehrten, kommen Ratschläge und Bauvorschriften zu spät. Für die Zukunft Kaliforniens jedoch sind sie unerlässlich.
Es ist so naheliegend wie müßig zu fragen, warum Amerikaner an die erdbebengefährdete, ständig von Feuersbrünsten bedrohte Westküste ziehen. Warum sie nach Florida und an die Golfküste drängen, die von Hurrikanen bedroht werden? Warum es noch „trailer parks“ in Kansas und Oklahoma gibt, Wohnmobile in Amerikas „Tornado Alley“, die jedes Jahr Dutzende Male Spielzeuge einer randalierenden Natur werden? Menschen wollen leben dürfen, wo sie leben wollen. Basta. Weiter führt die Frage, ob die Gemeinschaft es sich auf Dauer leisten kann, die Risikobereitschaft dieser Abenteurer zu finanzieren. Amerikas Versicherer gegen Sturm, Brand, Flut verweigern schon ihren Schutz. Der Staat kann oder wagt es nicht. Noch nicht.
Zudem profitieren ganze Landstriche Kaliforniens auf perverse Art, wenn die Feuerwehrleute einrücken. „Fire money“ nennen sich die blendenden Geschäfte, die Farmer mit vermieteten Scheunen, Landebahnen, Löschteichen machen. Unternehmen, die sonst Filmcrews verpflegen, stellen in Firecamps Tausende von Essen bereit; Firmen vermieten Räumgerät, Schlafcontainer, mit Computern ausgerüstete Feuerleitstellen, transportable Flugüberwachungs-Tower – alles, was sich das US-Forstamt nicht leisten kann und deshalb mieten muss.
Die Brand-Zulieferer-Industrie blüht in Kalifornien, sie vermietet sogar Feuerwehrsöldner. Auch an die Profiteure mag man denken, wenn die schaurig schönen Bilder von den Feuerüberfällen laufen. Was uns nicht umbringt, macht uns reicher. Zumindest einige von uns.
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