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Wieder Handel mit SARS-Wildkatze
Sonntag 17. August 2003, 11:46 Uhr
Zibetkatze darf in China wieder auf den Teller kommen
Peking (AP) China hat das Verkaufsverbot für Zibetkatzen wieder aufgehoben, obwohl die Verbreitung der Lungenkrankheit Sars mit dem Verzehr der Tiere in Verbindung gebracht wird. «Wenn sie jetzt wieder auf den Märkten verkauft werden, könnte das ein Problem werden», sagt der Harvard-Professor Henry Niman, der sich seit dem Ausbruch von Sars eingehend mit der Seuche befasst. Experten machen wirtschaftliche Gründe für den Schritt verantwortlich.
Das im April verhängte Verbot betraf die Jagd, den Transport sowie den Handel mit den meisten frei lebenden Tieren. Es war eine von zahlreichen Maßnahmen, mit denen China der Seuche Herr zu werden versuchte. Nun hob die Forstbehörde das Handelsverbot für 54 Wildtierarten wieder auf, solange die Tiere aus Zuchtbetrieben stammen. Von der Aufhebung betroffen sind auch die Zibetkatzen, die als Träger des Sars auslösenden Coronavirus ausfindig gemacht wurden.
«Zucht und Handel von Wildtieren sind ein gesunder Industriezweig, so lange wissenschaftliche Methoden und ein ordentliches Management befolgt werden», sagt ein Sprecher der Forstbehörde. An Sars starben von November bis Juni weltweit mehr als 800 Menschen, die meisten davon in Asien. In China ohne Hongkong erkrankten mehr als 5.300 Menschen. Experten vermuten, dass das Virus von Tieren auf Menschen übertragen wurde und im Tierreich weiterhin grassieren könnte.
Im Mai wurde der Erreger bei Zibetkatzen festgestellt, wieselähnlichen Tieren mit einem langen Schwanz und katzenartigem Körperbau. Sie gelten in China als Delikatesse, ihr Fleisch bringt pro Pfund umgerechnet etwa 4,50 Euro - eine stolze Summe in einem Land, wo der Durchschnittsverdienst eines Arbeiters in der Stadt umgerechnet 620 Euro jährlich beträgt.
Nach Einschätzung von Wissenschaftlern ist das Fleisch der Katzen vermutlich ungefährlich, sofern es durchgegart verzehrt wird. Doch könnten sich Menschen bei der Zucht, der Schlachtung oder der Zubereitung infizieren. Viele Chinesen schreiben dem Fleisch von Wildtieren potenzfördernde Eigenschaften zu. Vor allem im Süden des Landes hat der Verzehr der Tiere eine lange Tradition. Auf vielen Märkten werden sie in winzigen Käfigen feilgeboten und zum Teil auch im Haus auf engem Raum gehalten.
«Das Verbot hat unser Geschäft stark beeinträchtigt», sagt Liu Peizheng, Manager des Restaurants Big Buddha Mouth in Guangzhou. In dem Lokal kommen unter anderen Schlangen, Vögel und Wildschweine auf den Tisch. «Seit das Verbot vor einigen Tagen aufgehoben worden ist, haben wir noch keine Wildtiere verkauft. Wir warten darauf, dass andere Restaurants damit anfangen, bevor wir folgen.»
Alan Schnur, ein Mediziner der Weltgesundheitsorganisation (WHO), glaubt, dass das Verbot wegen der hohen Nachfrage aufgehoben wurde. «Das sind wirtschaftliche Überlegungen», sagt Schnur. «Die Leute hier essen diese Tiere gerne.» Ein Vertreter der Provinzforstbehörde in Guangdong (Kanton) bezeichnete die Aufhebung des Verbots als «richtig gute Nachricht für Zuchtfarmen und die ganze Industrie». «Die Zucht von Wildtieren und der Handel mit ihnen sind hier traditionelles Handwerk.» Das Verbot habe die Züchter gezwungen, sich exotischer Tiere wie Zibetkatzen, Fledermäuse, Dachse und Schuppentiere zu entledigen und stattdessen auf Enten und Kaninchen umzusteigen.
Harvard-Professor Niman glaubt, dass die Behörden mit ihrem Schritt ein hohes Risiko eingehen. «Das Virus, der Sars hervorruft, kann in Menschen, Zibetkatzen und Marderhunden vorkommen. Das ist eine ziemliche Bandbreite von Tieren.»
Ein Team von 14 Experten der chinesischen Ministerien für Gesundheit und Forschung, der WHO und der UN-Ernährungsorganisation (FAO) halten sich derzeit in Guangdong auf, um eine mögliche Übertragung des Sars-Virus von Tieren auf den Menschen zu untersuchen. Dabei wollen sie Märkte, Restaurants, eine Schweinefarm und einen Zuchtbetrieb für Wildtiere aufsuchen. Schnur sagt, zur Rechtfertigung eines Handelsverbots sei weitere Forschungsarbeit nötig, um den Ursprung und die Übertragungswege des Virus zu bestimmen. «Bislang gibt es keinen Beweis.»
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