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Russlands Energiesektor im Wandel

Montag 6. Oktober 2003, 13:19 Uhr

Russlands Energiesektor im Wandel

Moskau (dpa) - Es geht um die Zukunft der russischen Energiewirtschaft, wenn Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin am Mittwoch zu Konsultationen im Ural zusammenkommen. Die Öl- und Gasindustrie sowie die Stromwirtschaft öffnen sich zunehmend für ausländische Investoren. Altersschwache Kraftwerke und marode Pipelines müssen modernisiert werden. Es lockt ein Milliardengeschäft. Die USA, China und Japan entdecken Russland als alternativen Lieferanten von Erdöl und Erdgas.

Der Kreml muss den teuren und langwierigen Umbau der Wirtschaft mit den Gewinnen aus dem Energiegeschäft finanzieren. Deshalb stehen alle Weichen auf Export. Bis zum Jahr 2010 sollen die Öl-Ausfuhren in Länder jenseits der GUS von derzeit vier Millionen Barrel pro Tag auf sieben Millionen Barrel ansteigen. Der Gasexport soll mit dem geplanten Bau neuer Pipelines nach Europa sowie der Anbindung Chinas und Japans bis zum Jahr 2010 von derzeit 127 Milliarden Kubikmeter auf über 200 Milliarden Kubikmeter pro Jahr ansteigen.

Seit Jahren angemahnte Reformen wurden im russischen Energiesektor bislang sehr unterschiedlich umgesetzt. Während die Ölindustrie bereits vor zehn Jahren in einem bis heute umstrittenen Privatisierungsprozess aufgeteilt wurde, ist die Gasförderung noch immer in der Hand des staatlich kontrollierten Monopolisten Gasprom. Britische und US-Ölfirmen drängen mit Milliarden-Investitionen auf den russischen Markt.

Die deutschen Konzerne Ruhrgas und Wintershall wollen nach Angaben aus Regierungskreisen bei den Gesprächen in Jekaterinburg eine Absichtserklärung über den Bau einer Pipeline auf dem Grund der Ostsee unterzeichnen. Ruhrgas hält etwas mehr als sechs Prozent der Gasprom-Anteile. Hinter den Kulissen des Konzerns, der über knapp ein Drittel der weltweiten Gasreserven verfügt, tobt ein Machtkampf. Gasprom gilt als Staat im Staate. Experten vermuten, dass die Umstrukturierung des Monopolisten erst nach der Präsidentenwahl im März 2004 in Angriff genommen wird.

Öl- und Gassektor leiden unter dem gleichen, staatlich verwalteten Infrastruktur-Problem. «Wir warten noch immer auf die Renovierung der Erdöl-Fernleitungen. Erst wenn das geschafft ist, können wir die Weltmärkte ins Visier nehmen», sagt der Vorstandsvorsitzende des Erdölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski. Im Vergleich zur Pipeline-Problematik seien eine unbeständige Steuerpolitik sowie fehlende Auslandsinvestitionen nur zweitrangige Sorgen.

Die durch Staatssubventionen niedrig gehaltenen Inlandspreise für Strom und Gas stellen weiterhin ein großes Hindernis bei den Verhandlungen über einen Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation WTO dar.

Der Düsseldorfer E.ON-Konzern hatte in der Vorwoche Interesse am Betrieb eines Kraftwerks zur Wärme- und Stromerzeugung bei Sankt Petersburg bekundet. Ein E.ON-Engagement auf dem russischen Markt würde die Bemühungen der Regierung stärken, den Griff der einheimischen Industriekonzerne nach dem Strom-Monopolisten zu verhindern, schrieben Analysten der Finanzgruppe UFG in Moskau.


10 Jahre Troll-Verträge: Ruhrgas setzt weiter auf Gas aus Norwegen

Freitag 3. Oktober 2003, 13:53 Uhr

Bergen/Essen (dpa-AFX) - Auch im liberalisierten europäischen Energiemarkt setzt die Essener Ruhrgas AG auf langfristige Lieferverträge. "Wir brauchen auch weiterhin Langfrist-Verträge, sonst steht die Versorgungssicherheit in Frage", sagte Ruhrgas-Vorstandschef Burckhard Bergmann nach einer Feier zum zehnjährigen Bestehen der Troll-Lieferverträge im norwegischen Bergen am Donnerstagabend. Die E.On-Tochter will sich daher weiter an Gasfeldern beteiligen, mit Priorität auf Norwegen. Auch Großbritannien und Russland sind im Visier der Ruhrgas.

"Die Liberalisierung des europäischen Gasmarktes und die Einführung des regulierten Netzzugangs Dritter hat zu einem intensiven Wettbewerb mit der Bildung von Spot-Märkten geführt, die zweitweise langfristige Verträge in Fage zu stellen schienen", sagte Bergmann. Doch die Produzenten bräuchten für die meist horrenden Investitionen langfristige Absatz-Sicherheit: "Auch die Russen erklären, dass sie nicht in eine 5000 Kilometer lange Pipeline von Sibirien bis West-Europa investieren, um das Gas dann auf dem Spot- Markt zu verkaufen."

Mit Unternehmen aus Deutschland, Frankreichen, Belgien und den Niederlanden hatte Norwegen 1986 für das Ergasfeld Troll in der Nordsee Lieferverträge bis über das Jahr 2020 hinaus abgeschlossen. Das sei mit einem Umfang von 50 Milliarden Euro das bislang größte Energie-Geschäft der Geschichte, berichtete der norwegische Energiekonzern Statoil. Die Lieferung mit einer Gesamtmenge von 20 Milliarden Kubikmeter pro Jahr wurde im Jahr 1993 aufgenommen. Auf Deutschland mit den beteiligten Unternehmen Ruhrgas, BEB Erdgas und Thyssengas entfielen acht Milliarden Kubikmeter.

Der größte Teil der norwegischen Gaslieferungen für Deutschland auch aus den anderen Feldern in der Nordsee basiert inzwischen auf den Troll-Verträgen. Im vergangenen Jahr lieferte Norwegen mit insgesamt rund 24 Milliarden Kubikmeter Erdgas ein Viertel des jährlichen Bedarfs an Deutschland. Bis zum Jahr 2010 will Norwegen seinen Anteil am deutschen Markt auf 30 Prozent ausbauen und dann 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas liefern./kp/DP/mur


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