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Angst vor SARS

Freitag 14. November 2003, 10:15 Uhr

Angst vor Rückkehr von Sars in China

Peking (dpa) - Energisch patrouilliert Li Xiaohua über die Pracht- Einkaufsstraße Wangfujing im Herzens Pekings. Die 44-jährige Ordnungshüterin achtet besonders auf Sauberkeit in der herausgeputzten Fußgängerzone.

Wer beim in China immer noch üblichen Spucken erwischt wird, muss mit einer hohen Geldstrafe rechnen. Experten gehen davon aus, dass auch Spucken zu einer Verbreitung der lebensgefährlichen Lungenkrankheit Sars beitragen kann.

Seit Beginn des Winters wächst in China die Furcht vor einem neuen Ausbruch der Infektion. Neue Fälle sind bislang nicht bekannt geworden, aber ein Jahr nach dem vermutlich ersten Sars-Fall am 16. November 2002 in Südchina schließt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Rückkehr der Krankheit nicht aus.

«Wir sind besorgt darüber, dass Sars zurückkehren kann. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, lässt sich allerdings nicht festlegen», sagt Julie Hall, Sars-Expertin der WHO in China. «Es kommt darauf an, die Überwachung von Laboren, medizinischem Personal und anderen Hochrisiko-Gruppen wie Händlern von Wildtieren auszuweiten.»

So war das Coronavirus, das hinter Sars steckt, unter anderem im Larvenroller und Marderhund entdeckt worden - in Südchina geschätzte Delikatessen. Trotz Kritik der WHO hat die chinesische Regierung Ende August das Handelsverbot für wilde Tiere aufgehoben. «Die WHO hat niemals verlangt, diese Märkte zu verbieten», sagt Hall. «Aber wir brauchen Forschung und Regulierung, damit die Konsumenten auf der sicheren Seite sind.»

Weder lassen sich viele Chinesen vom Verzehr wilder Tiere abhalten noch von der Unsitte des Spuckens. Durchsagen in der Pekinger U-Bahn und Plakate mit einer lächelnden Krankenschwester in OP-Kleidung «Spucken streng verboten - es verbreitet Infektionen» haben daran nichts Grundlegendes geändert.

«Als im Frühjahr alle von Sars gesprochen haben, ist das Bewusstsein vieler Leute gegen das unhygienische Spucken besser geworden, aber jetzt hat das wieder nachgelassen», sagt Li Xiaohua. Wen die uniformierte Aufpasserin erwischt, muss bis zu 50 Yuan bezahlen - umgerechnet rund 5 Euro - und anschließend sauber machen.

Das Bewusstsein für die eigene Gesundheit ist nach Sars bei vielen Chinesen gestiegen: Zwar gibt es keinen Hinweis auf einen Schutz vor der Lungenkrankheit durch eine Grippeschutz-Impfung, dennoch berichteten Zeitungen zu Beginn der Impfzeit von einem Ansturm auf Krankenhäuser. Zum einen erhoffen sich die Menschen eine Stärkung ihres Immunsystems, zum anderen wird die Gefahr einer Verwechselung einer Grippe mit der Lungeninfektion verringert. Auch die WHO empfiehlt diese Vorsorge.

Die chinesische Regierung sieht sich gut gegen einen neuen Sars- Ausbruch gerüstet: Vor kurzem nahm ein landesweites Meldesystem für die Lungenkrankheit seine Arbeit auf. Noch Anfang Oktober hatte Chinas Vizeministerpräsidentin und amtierende Gesundheitsministerin Wu Yi allerdings Probleme eingeräumt und uneinheitliche Notfallpläne beklagt. In einem Zeitungsbericht forderte sie nun die lokalen Stellen auf, wachsam zu bleiben und Verdachtsfälle sofort nach Peking zu melden.

«Wir sind recht beeindruckt vom Einsatz der Behörden. In den Provinzen selbst sind wir nicht gewesen, aber wir haben ermutigende Berichte über das Engagement dort erhalten», sagt WHO-Repräsentant Henk Bekedam. «Ob Sars zurückkommt, ist schwer einzuschätzen. Wir wissen immer noch zu wenig über die Krankheit.»

Von November 2002 an breitete sich die lebensbedrohliche Lungeninfektion von Südchina weltweit aus. Die WHO registrierte 8098 Fälle mit 774 Toten. Allein in China, wo das öffentliche Leben durch die Seuche weit gehend zum Stillstand kam, gab es 349 Tote und 5327 Infektionen.


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