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Europas Rentiere bedroht

Mittwoch 17. Dezember 2003, 21:36 Uhr

Europas letzte wilde Rentiere in Bedrängnis

London (dpa) - Die letzten frei lebenden Rentierherden Europas sind in Gefahr. Neu gebaute Dämme, Berghütten, Stromleitungen und Straßen engten die Lebensräume der Tiere im Süden Norwegens stetig mehr ein, berichtet Christian Nellemann vom UN-Umweltprogramm UNEP im norwegischen Arendal.

«Die Situation hier ist kritisch. Die Rentiere haben in den vergangenen 50 Jahren die Hälfte ihres Lebensraums verloren», wird der Biologe im Fachjournal «New Scientist» (Nr. 2426, S. 7) zitiert. Derzeit gebe es noch 30 000 Rentiere, die in 24 isolierte Gruppen zerfallen seien. Wenn das Land in derselben Geschwindigkeit weiter zugebaut werden, bleibe im Jahr 2020 nur noch Platz für 15 000 Tiere.

«In den am stärksten betroffenen Gegenden bringt nur noch eines von drei Rentier-Weibchen ein lebendes Kalb zur Welt», sagt Nellemann. Dort liege die Populationsdichte der Tiere bei 217 Prozent im Vergleich zu den 60er Jahren - die Flechten, die den Rentieren als Nahrung dienen, werden knapp.

Als ersten Schritt müsse Norwegen deshalb die wild wuchernden Bautätigkeiten stoppen. Denn jede Stromleitung oder Straße sei wie eine Grenze, die die Tiere nicht überschritten. «2050 werden nach UNEP-Schätzungen 70 bis 80 Prozent der Arktis infrastrukturell entwickelt sein, so dass auch die Rentiere in Grönland, Kanada, USA und Russland bedroht sind», warnt Nellemann.

Die Originalstudie ist im Fachblatt «Biological Conservation» (Bd. 113, S. 307) veröffentlicht worden.


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