Aktuell


US-Stromausfall und Luftqualität

Kurzes Aufatmen in Amerika

Greenpeace-Online, 26.5.04

Hamburg - Amerikas Stromausfall des vergangenen Sommers ließ Menschen im Nordosten der USA und dem Südosten Kanadas aufatmen. Laut dem Magazin "New Sientist" verbesserte sich die Luftqualität schlagartig, nachdem sämtliche Kraftwerke der betroffenen Regionen notgedrungenerweise stillstanden. Über Pennsylvania verringerte sich innerhalb von 24 Stunden der Schwefeldioxidanteil in der Luft um 90 Prozent und der Ozongehalt sank um die Hälfte. Die Sichtweite erhöhte sich um 40 Kilometer.

Meteorologen der Universität Maryland in College Park nutzten die Gelegenheit zur genauen Schadstoffmessung. Ihr Ergebnis: Luftverschmutzungen, die durch Verkehr verursacht wurden, blieben unverändert. Werte anderer Emissionen, wie Schwefeldioxid und Stickstoffoxide, die durch Kohle-, Öl- oder Erdgaskraftwerke enstehen, gingen markant zurück.

Das vollständige Ergebnis der Untersuchung präsentierte Russel Dickerson auf der Frühjahrskonferenz der Amerikanischen Geophysikalischen Gesellschaft in Montréal. Es soll Forschern helfen, die Berechnung von Schadstoffen aus unterschiedlichen Quellen zu verbessern.


Alles dreht sich um's Klima

Greenpeace-Online, 27.5.04

Hamburg/Dallas - In Dallas/Texas hat am Mittwoch die jährliche Hauptaktionärsversammlung des Ölmultis ExxonMobil getagt. Für eine zünftige Einleitung sorgten schon am Vorabend Greenpeace-Aktivisten: Sie projizierten in riesiger Leuchtschrift die Forderung "ExxonMobil: Heute ist heute - stoppt die Klimaerwärmung!" auf das Tagungsgebäude. Dazu 30 Meter hohe Bilder von Naturkatastrophen.

Heute ist heute - eine Anspielung auf den Katastrophenfilm "The Day After Tomorrow", der am Donnerstag in den Kinos anläuft. Klimaforscher bescheinigen dem Spektakel, trotz wissenschaftlicher Fragwürdigkeiten die richtige Botschaft zu vermitteln und das Thema Klimaschutz wieder im Bewusstsein der Menschen zu verankern.

Den weltgrößten Ölkonzern ExxonMobil - in Europa als Esso bekannt - kümmert die Botschaft nicht. Er steckt keinen Cent in erneuerbare Energien. Um sein Image aufzubessern, hat ExxonMobil gerade eine weltweite Werbekampagne gestartet. Zur besten Fernsehsendezeit präsentiert der Konzern seine angeblichen Anstrengungen für den Umweltschutz: Abwarten und Forschung betreiben, statt jetzt zu handeln.

Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid: "Die Geschäftspolitik von Exxon stellt ein großes Risiko dar, nicht nur für das langfristige Investment der Firma selber, die ausschließlich auf die veraltete Energieform Öl setzt, sondern auch für den gesamten Planeten. Denn der Klimawandel bedroht uns alle."

Dem Horrorszenario hat Greenpeace eine positive Version gegenübergestellt. Anlässlich der internationalen Konferenz "Renewables 2004" in Bonn vom 1. bis 4. Juni haben wir den Wissenschaftler Dr. Joachim Nitsch gebeten, einen Energiefahrplan bis zum Jahr 2100 zu erstellen. Das Ziel: der vollständige Ausstieg aus den fossilen und atomaren Energien. Ergebnis ist das Szenario "SolarGeneration 2100". Es zeigt, dass der Ausstieg aus den klimaschädlichen Energien möglich ist.

Ausgangspunkt des Szenarios ist die Annahme, dass der Energieverbrauch in Deutschland bis 2100 auf 40 Prozent des heutigen Wertes gesenkt werden kann. Zudem müssten nacheinander Braunkohle, Steinkohle, Öl und schließlich auch Gas als Energieträger abgelöst und durch erneuerbare Energien ersetzt werden.

Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, jetzt die Weichen für eine solche Energiewende zu stellen und keine neuen Kohlekraftwerke bauen zu lassen. Heute ist heute.

Das Szenario "SolarGeneration 2100" steht Ihnen ab Freitagmorgen zum Nachlesen auf unserer Internetseite zur Verfügung.


Donnerstag 27. Mai 2004, 11:05 Uhr

Umweltorganisationen warnen vor Scheitern von Energiekonferenz

Bonn (AFP) - Umwelt-, Entwicklungs- und Branchenverbände haben vor einem Scheitern der internationalen Konferenz für Erneuerbare Energien kommende Woche in Bonn gewarnt. Die Vereinbarungen der Konferenz müssten über die Ergebnisse des Nachhaltigkeits-Gipfels von September 2002 in Johannesburg hinausgehen, sagte der Geschäftsführer des Forums Umwelt und Entwicklung, Jürgen Maier, am Donnerstag in Bonn. Er kritisierte die Absicht der Bundesregierung, in der geplanten Abschlusserklärung einen "schwammigen Konsens" auch mit bisherigen Gegnern einer weitreichenden Klimaschutzpolitik erzielen zu wollen. "Jeder weiß doch, dass die derzeitige US-Regierung keinen Klimaschutz will."


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