powered by <wdss>
Aktuell

Urwald-Konferenz in Russland

Urwaldschutz und verantwortungsvolle Waldnutzung

WWF, 1.6.04

Mit dieser EXTRA-Ausgabe informieren wir Sie über eine kürzliche Reise deutscher Unternehmen in die Archangelsk-Region, Russland. Auf Initiative der Baumärkte Bahr, Hornbach und Obi, des Verbandes der Baumärkte BHB sowie der Umweltorganisationen Greenpeace und WWF fand vom 19. bis zum 20. April eine Konferenz zum Thema Urwaldschutz und verantwortungsvolle Waldnutzung in Archangelsk in Russland statt. Neben den großen Käufern der Baumarktbranche nahmen auch die Händler und Importeure Cordes, Dammers, Häusermann, Rettenmeier und Trimex teil.

Holz aus der Region Archangelsk in Nordwest-Russland war in der jüngsten Vergangenheit durch zwei von Greenpeace aufgedeckte Fälle von falsch gelabeltem Holz, das möglicherweise aus dem Dvinsky-Urwald stammt, in Misskredit geraten (HAF-Label, PEFC-Label).

Ziel der Konferenz war es, Fortschritte in Fragen des Urwaldschutzes in der Archangelsk-Region zu erreichen und den Handel mit Holz möglichst verantwortungsvoll zu gestalten.

Darüber hinaus sollte auf der Reise geklärt werden, ob es in der Region Holzlieferanten gibt, die die anspruchsvollen Umwelt- bzw. Beschaffungskriterien der WWF WOOD GROUP Mitglieder Bahr, Hornbach und Obi einhalten und garantieren können.

Die aus Deutschland angereisten Teilnehmer trafen in Archangelsk mit Vertretern von Sägewerken, Holzeinschlagsunternehmen und Papierfirmen zusammen. Insgesamt nahmen an der Veranstaltung mehr als 70 Personen teil, die in kurzen Vorträgen über die Zustandsentwicklung des Dvinsky Urwaldes und die Identifizierung besonders schützenswerter Wälder informiert wurden.

Der BHB stellte seine Anforderungen an die Beschaffung von Holzprodukten vor. Um in dem für Umweltfragen sensiblen deutschen Markt bestehen zu können ist nach Aussagen von Stephan Botschen (OBI) der Ausschluss von illegalem Holz und Urwald- oder Raubbauholz unerlässlich. Die einfachste und sicherste Methode für den Handel sei FSC-zertifiziertes Holz.

Bob Hoekstra ("European Platform for Ecological Russian Timber - EPERT") legte die bereits erzielten Fortschritte in der Region um Archangelsk dar. Diese müssten jetzt konsequent weiterverfolgt werden - bis hin zur FSC-Zertifizierung.

Den Teilnehmern der Reise wurde schnell klar, dass alle beteiligten Parteien aus Russland und Deutschland an konstruktiven Lösungen interessiert sein müssen, wenn die durch die jüngsten Skandale entstandenen Handelshemmnisse aufgelöst werden sollen.

So wurde bereits während der Reise zwischen russischen Unternehmen und Greenpeace über mögliche Moratorien verhandelt. Die russischen Unternehmen haben jetzt noch bis September Zeit, um mit Greenpeace und WWF über Lösungen für ihre individuelle Situation zu beraten.

Die deutschen Unternehmen der WWF WOOD GROUP (sogenannte Buyers Group / Käufergruppe) nutzten die Gelegenheit, um die Mitglieder der russischen WWF-Partnerunternehmen (der so genannten Producer Group) kennenzulernen und über konkrete Möglichkeiten der zukünftigen Zusammenarbeit zu sprechen. Die russische Producer Group strebt nun an, künftig entsprechend der strengen Beschaffungskriterien der Käufergruppen im westlichen Ausland zu produzieren. Die Unternehmen werden hierzu in Kürze eine Vereinbarung mit dem WWF Russland abschließen, in dem sie eine schrittweise Entwicklung hin zur FSC-Zertifizierung zusichern. Der WWF hofft, dass die erfolgreiche Entwicklung der Unternehmen durch regelmäßige externe Prüfungen bestätigt werden kann. Hierdurch können sich diese Unternehmen als zuverlässige Lieferanten "sicherer" Ware qualifizieren, die in überschaubarer Zeit FSC-gelabelte Ware für WWF WOOD GROUP Mitglieder liefern.

Noch während der Reise traten zwei neue Unternehmen der russischen WWF-Kooperation bei. Archangelsk ist aus Sicht der deutschen Käufer nicht grundsätzlich ein unsicherer Beschaffungsmarkt. Trotz der hohen ökologischen Sensibilität durch den Dvinsky-Urwald können die Unternehmen der WWF WOOD GROUP mit einem guten Gefühl Produkte von Unternehmen der russischen Produzentengruppe beziehen. Dies wird durch den in regelmäßigen Abständen überprüften Stufenplan durch unabhängige Prüfer belegt.


» zurück
 

Druckversion