AktuellWaldbrände in Russland
Brände „fressen" Millionen Hektar Wald in RusslandTatjana Sinizyna, Kommentatorin der RIA Nowosti, 26.7.04In diesem Sommer ist der russische Wald bisher von Bränden weitgehend verschont geblieben. Heute sind landesweit nur einige hundert Waldbrände gemeldet, wobei ihre Zahl in extremen Jahren auf bis zu 40 000 anstieg. Dazu trägt der regenreiche Sommer bei, ein Sommer, wie es ihn schon seit langem nicht mehr gab. Im vergangenen Jahr erstickte Moskau in dichten Rauchwolken, die vom brennenden Torfmoor Schaturskije bolota herzogen. Jetzt musste man das Moor sogar entwässern. Der Direktor der Zentrale für Umweltprobleme und Produktivität der Wälder der Russischen Akademie der Wissenschaften Georgi Korowin warnt unterdessen vor übermäßigem Begeisterungstaumel über das andauernde Regenwetter: Die Feuersaison erreiche gerade erst ihren Höhepunkt und werde noch seine Wirkung zeigen. Es stehe noch der August bevor, der feuergefährlichste Monat im Jahr. Bei einer harten Brandsaison, die normalerweise schon im März beginnt und bis Anfang November hineinreicht, vernichtet das Feuer mehrere Millionen Hektar prachtvollen russischen Waldes. Laut Statistiken brechen die meisten Brände im dicht bevölkerten europäischen Teil Russlands aus, wo sich zahlreiche Industriebetriebe befinden. Aber diese Faktoren spielen auch eine positive Rolle: Die Menschen machen sich sofort daran, den „Feuerteufel" unter Einsatz aller verfügbaren technischen Mittel zu bekämpfen. Anders ist es um die Brandherde bestellt, die im asiatischen Landesteil entstehen - in den Weiten Sibiriens und des Fernen Ostens, zum Beispiel im Dickicht eines Nadelwaldes nach dem Einschlag eines Blitzes. Die ostrussischen Gebiete sind dünn besiedelt und wegen dem Fehlen geeigneter Straßen und anderer Infrastruktur für die Feuerwehr auf dem Landweg einfach unerreichbar. Und da einige Brände allein von der Luft aus häufig nicht gelöscht werden können, tobt das Feuer, bis es von einem heftigen Regenfall gestoppt wird. Das Fehlen schwerer Brände reizt die Befürworter der Idee, die bestehende gesamtnationale Struktur des Waldbrandschutzes nach regionalen Merkmalen aufzuteilen. Große Besorgnis erregt in der Forstbranche der Vorschlag der Reformer, die es auch in der Regierung gibt, die Verantwortung für den Zustand und den Schutz des Waldbestandes zwischen den Regionen aufzuteilen. Die Aufteilung des appetitlichen „grünen Kuchens" droht mit der Zersplitterung der Feuerwehrdienste, was laut Experten zu einer regelrechten Katastrophe führen könnte. Die riesigen Waldflächen mit ihren unterschiedlichen Klimaverhältnissen haben eine unterschiedliche Feuerfestigkeit, wie die Feuerwehrleute sagen. Der bestehende flexible einheitliche Mechanismus zur Bekämpfung der Waldbrände ermöglicht es, materielle und technische Mittel wirksam zu lenken und dort einzusetzen, wo sie besonders notwendig sind. Seinerzeit hatten die USA und Kanada die russischen Erfahrungen der zentralisierten Lenkung der Feuerschutzmaßnahmen übernommen. Heute wird in einem Land, das über 20 Prozent der Weltbestände an Wald verfügt, die Idee kultiviert, etwas zu zerstören, was sich bereits seit langem bewährt hat. » zurück |
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