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Waldbrände in Russland

Russland: Ein neuer Blick auf die Waldbrände

11-09-2004, russland.ru

Im September endet in Russland die Brandsaison. In diesem Jahr wurde sie als relativ harmlos eingeschätzt. Landesweit waren rund 20 000 Waldbrände gemeldet. Der Wald brannte auf einer Fläche von insgesamt mehr als 400 000 Hektar. Das ist nicht viel.

In den vorangegangenen zehn Jahren gab es landesweit im Durchschnitt je 34 000 Waldbrände, die jedesmal bis zu zwei Millionen Hektar im Jahr verheerten.

Eine vollständige Statistik über die Brände auf dem ganzen Territorium des Landes gibt es leider nicht. „In einigen nördlichen Regionen Sibiriens und des Fernen Ostens werden die Brände wegen der mangelnden Infrastruktur gar nicht erfasst", berichtet Georgi Korowin, Direktor des Zentrums für Ökologie und Produktivität der Wälder der Russischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied der Russischen Akademie der Naturwissenschaften. Ihm zufolge könnten diese Brände mit Hilfe von Satelliten fixiert werden. Aber die Satellitenangaben stimmen mit denen der Bodenstationen häufig nicht überein.

Die relativ geringe Zahl der Brände im laufenden Jahr war in Vielem dem kalten und regenreichen Sommer zu verdanken. Aber die Mitarbeiter des Waldschutzes wollen nicht, dass die Zahl der Brände auch weiterhin allein von der Natur abhängt, und sind um die Erhöhung der Effektivität ihrer Arbeit bemüht. Gerade zu diesem Zweck wurde eine neue Konzeption des Waldbrandschutzes ausgearbeitet. Laut dem Leiter der Waldschutzverwaltung der Föderalen Agentur für Forstwirtschaft Albert Kasparow will das Ministerium für Naturressourcen dieses Dokument in nächster Zeit der Regierung vorlegen.

Die Konzeption beinhaltet Weichenstellungen für die Weiterentwicklung der für den Waldbrandschutz zuständigen Dienste sowie neue Vorgehensweisen zur Bekämpfung des Feuers. „Wir werden entscheiden, wo wir löschen müssen und wo nicht", sagt Kasparow. Dieses Herangehen sei nicht nur rational, sondern auch wissenschaftlich begründet. „Seit der Erschaffung der Welt existierten natürliche Brandzyklen. Das Feuer ist nicht immer ein Feind des Waldes", meint Korowin. „Indem Trockengras und -holz verbrennt werden, schaffen die Brände Raum für junge Pflanzen. Durch die Vernichtung von Krankheitsherden und Schädlingen wird zudem das Lebensmilieu der Wildtiere optimiert. Für einige Ökosysteme sind die Brände sogar lebensnotwendig. Es gibt beispielsweise Kiefernarten, deren Zapfen sich nur unter Einwirkung von Feuer zum Samenauswurf öffnen."

Als „Fehler aus alten Zeiten" bezeichnet Korowin die bisherige Politik der Löschung ausnahmslos aller Brandherde. Die Brände zu löschen, die außer Kontrolle geraten sind, sei die verschwenderischste Weise der Nutzung der Mittel, die für den Waldschutz bereit gestellt werden, meint er. Viel rationeller wäre es, wenn diese Mittel in die Vervollkommnung des Brandwarnsystems gesteckt, neue Ausrüstungen gekauft und das Waldschutzflugwesen entwickelt würden. Entsprechend der neuen Konzeption werden die Mitarbeiter der Waldwirtschaft genau vor diese Aufgabe gestellt. (von Tatjana Sinizyna, Beobachterin der RIA Nowosti)


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