AktuellTranssibirische Eisenbahn
Transsibirische EisenbahnEinmal Peking Hauptbahnhof, bitte!Rolf Iben, Marco Polo Magazin, 6.10.04 Für die meisten Eisenbahnfans bleibt sie ein Traum: die Reise auf der längsten Bahnstrecke der Welt. Wer ihn aber wahr macht, bekommt einen unvergeßlichen Eindruck von der Weite und Schönheit Sibiriens. Der Wald will überhaupt kein Ende nehmen. Seit Sonnenaufgang rattert der Zug gen Osten, und davor schon die ganze Nacht, und der Blick aus dem Abteilfenster trifft immer nur auf vorbeihuschende Bäume. Gelegentlich sieht man ein paar bunte Holzhäuschen, eine kleine Siedlung, dann wieder nur endlose Taiga. Sibirien ist weit. 7867 Kilometer bis Peking Hauptbahnhof Wie weit, davon machen sich die Reisenden erst langsam ein Bild. Aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz und aus Übersee sind sie nach Moskau angereist, um sich hier einen Traum zu erfüllen - einmal im Leben eine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn zu unternehmen. Jetzt wird die Legende wahr: 7867 Kilometer liegen bis Peking Hauptbahnhof vor Ihnen, für fünf Tage und fünf Nächte können sie sich in spartanischen Vierbett-Abteils oder klimatisierten Zweibett-Luxuskabinen mit eigener Dusche häuslich einrichten. Sibiriens Superlative Stunde um Stunde rollt Zug Nummer 4 ostwärts, Kilometer um Kilometer. Nach einer Tagesreise ist der Ural erreicht, dieser längste Gebirgszug der Erde, der Europa von Asien scheidet. Bei Kilometer 1777 markiert ein meterhoher Obelisk die Grenze. Jetzt kommt Sibirien pur - eine Region der Superlative: Mit seinen fast 13 Millionen Quadratkilometern ist es so riesig, dass die Bundesrepublik Deutschland mehr als 35 Mal hineinpassen würde - und das bei rund einem Drittel der Einwohner. Mit natürlichen Reichtümern ist Sibirien üppig gesegnet: Erdöl, Gold, Diamanten schlummern im Boden, doch die gewaltigen Distanzen, das unwegsame Terrain und Arbeitskräftemangel behindern das Heben dieser Schätze. Für die weitgehend unberührte Flora und Fauna der sibirischen Taiga ist das aber nicht unbedingt ein Nachteil. Grün, grün, grün,... Bis zum nächsten landschaftlichen Höhepunkt, dem Baikalsee, ist man zwei weitere Tagesreisen durch sibirische Wälder unterwegs. Grün in allen erdenklichen Schattierungen, soweit das Auge reicht. Willkommene Abwechslung sind da die Stopps in Städten wie Novosibirsk, Krasnoyarsk oder Irkutsk. Dort hält der Zug zwar nie länger als eine halbe Stunde. Es reicht aber aus, um etwas die Beine zu vertreten und sich bei Bäuerinnen mit Proviant einzudecken, die auf dem Bahnsteig getrockneten Fisch, Kuchen, Bier und Sonnenblumenkerne anbieten. Willkommen in Irkutsk Nach Irkutsk - die Stadt wird dank ihres Charmes oft als Paris Sibiriens bezeichnet - folgt die Trasse ein Stück weit dem Ufer des Baikalsees. Dieses gigantische, über 600 km lange Binnengewässer ist bis zu 1700 m tief und stellt das größte Süßwasserreservoir der Erde dar. Wenig später erreicht die Strecke bei Kilometer 5647 Ulan Ude, Hauptstadt der burjatischen Republik und Eisenbahn-Knotenpunkt:. Wer nach Peking will, zweigt hier nach Süden ab, während die eigentliche Transsib weiter nach Osten strebt, Vladivostok und dem Pazifik entgegen. Von der Taiga zur Gras-Steppe Kaum ist die nahe Grenze zur Mongolei überschritten, ändert sich die Landschaft spürbar. Man kann zusehen, wie die sibirische Taiga mit ihren Lärchen und Birken langsam in die mongolische Grassteppe übergeht. Vereinzelt sind am Horizont Jurten auszumachen und mit etwas Glück ein paar Kamele zu entdecken. Auch innerhalb des Zuges macht sich bemerkbar, dass die Fahrt nun auf mongolischem Gebiet weitergeht. Waren bisher Borschtsch, Stroganoff und Blini angesagt, stehen nun mongolische Spezialitäten wie Hammeleintopf auf der Speisekarte. Und kaum ist China erreicht, wird Schweinefleisch süß-sauer serviert - nebst anderen stäbchentauglichen Gerichten. Foto-Stopp an der Mauer Die letzten Tausend Kilometer vor Peking vergehen wie im Flug. Nach der menschenleeren Wüste Gobi wirkt das Reich der Mitte wie ein Ameisenhaufen, so dicht besiedelt ist das Land, so viel gibt es zu sehen. Die Sehenswürdigkeiten beginnen gleich hinter der Grenze: Damit auch alle Passagiere einen Blick von der chinesischen Mauer erhaschen können, deren Ausläufer auf den Hügeln beiderseits der Bahnstrecke verlaufen, legt der Zug einen Extra-Halt zum Fotografieren ein. Wie soll man sonst den Daheimgebliebenen beweisen, dass man tatsächlich in China war? Links: http://www.trans-sib.de http://www.transsib.net http://transsib.blomnet.net/index.php http://www.transsibirien-express.de Mehr zum Thema Reisen bei www.marcopolo.de » zurück |
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