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China entwaldet Burma

20 000 Chinesen schwingen in Burmas Urwald die Äxte

Chinas Wirtschaftsaufschwung bedroht die Wälder der Region. Einer neuen Studie zufolge holzen Firmen aus China illegal riesige Gebiete in Burma ab.

Von Harald Maass, Frankfurter Rundschau, 27. Oktober 2005

Während Peking für die 'Grüne Olympiade' 2008 Bäume pflanzt, gelangt aus dem Nachbarland Burma (Myanmar) jedes Jahr eine Million Kubikmeter Tropenholz illegal nach China. Das deckt die Londoner Organisation Global Witness in einem neuen Bericht auf.

Bis zu 20 000 chinesische Holzfäller seien in Burmas Urwäldern im Einsatz, die zu einem der wichtigsten Naturreservate Asiens gehören, erklärte die Organisation in Peking. 'Es werden so viele Bäume wie möglich gefällt. Es gibt keine Wiederaufforstung', sagte Susanne Kempel, die für Global Witness den illegalen Holzhandel an der chinesisch-burmesischen Grenze untersuchte. Die Abholzung wird von chinesischen Firmen organisiert, die im burmesischen Teilstaat Kachin Teak und andere seltene Tropenhölzer schlagen und diese dann nach China zur Weiterverarbeitung abtransportieren. Um tiefer in das Hinterland vordringen zu können, bauen die Holzfirmen in Burma Straßen und ganze Siedlungen. '95 Prozent der chinesischen Holzimporte aus Burma sind illegal', berichtet Kempel. Da die Firmen jedoch mit den Militärgruppen in Burma zusammenarbeiteten und auch von den lokalen chinesischen Behörden gedeckt würden, habe der Raubbau am Wald industrielle Ausmaße. Die Rodungen gefährden laut Global Witness das Ökosystem in der Region. 'Die Menschen berichten, dass es weniger Vögel gibt und die Flüsse austrocknen', berichtet Kempel.

China schützt die eigenen Urwälder mit einem Abholzverbot. Weil jedoch das Land Holz für den Bauboom und seine Industrie braucht, kauft China immer mehr bei asiatischen Nachbarländern ein. In Burma, Indonesien, Laos und Kambodscha werden ökologisch wertvolle Urwälder gerodet, um Chinas Hunger nach Holz zu befriedigen. Zwar erließ Peking im Jahr 2001 neue Bestimmungen gegen den Handel mit seltenen Tropenhölzern. Die illegalen Holzeinfuhren aus Burma sind nach Angaben von Global Witness seitdem aber um 60 Prozent gestiegen. Insgesamt verstoße etwa die Hälfte aller Holzeinfuhren gegen Chinas Gesetze. Ein Drittel des Holzes, vor allem wertvolle Tropenhölzer, wird nach der Weiterverarbeitung in China ins Ausland, auch nach Europa, weiterverkauft.

Die Profiteure sind Holzfirmen und korrupte Beamte. 'Die normalen Menschen in Burma haben nichts davon. Von diesem Geld werden keine Krankenhäuser oder Schulen gebaut', sagt Kempel. Mit den chinesischen Holzfällertrupps, die oft wochenlang in Burma leben, breiten sich Aids und Drogen in der Grenzregion aus.

Pekings Regierung unternimmt bisher nichts gegen den Raubbau in den Nachbarländern. Im Dezember 2001 besuchte der damalige Staatspräsident Jiang Zemin das burmesische Regime in Rangun und pflanzte dort in einem Park einen 'Freundschaftsbaum'. Vielen Burmesen muss das heute wie eine bittere Ironie erscheinen.

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