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Aktuell
Umweltkatastrophe in China
Mittwoch 23. November 2005, 16:07 Uhr
Trinkwasser für Chinas Millionenstadt Harbin gekappt
Peking (AFP) - Aus Angst vor einer Benzolverseuchung ist in der chinesischen Millionenstadt Harbin die Trinkwasserversorgung abgestellt worden. Der durch Harbin fließende Fluss Songhua sei nach einer Explosionsserie in einer Chemiefabrik in der Nachbarprovinz Jilin verseucht, teilte die chinesische Umweltbehörde mit. Nach den Explosionen vor zehn Tagen sei Benzol in den Fluss gelangt, der Benzolwert im Wasser sei zunächst 108 Mal höher gewesen als erlaubt. Inzwischen sei der Wert gesunken.
Ein auf dem Fluss treibender, 80 Kilometer langer Benzol-Teppich erreicht die Millionenstadt Harbin vermutlich am Donnerstag. Die Umweltbehörde erklärte auf ihrer Internetseite, am Montag habe der Benzolwert im Fluss den erlaubten Höchstwert in Jilin nur noch um das 29-fache überschritten. Das in der Industrie gebräuchliche Benzol ist giftig, krebserregend und kann bei hoher Dosierung tödlich sein.
Staatlichen Medienberichten zufolge müssen die 3,8 Millionen Bewohner des Stadtgebiets von Harbin mindestens vier Tage lang ohne fließendes Wasser auskommen. Die Stadtverwaltung sprach von einer "Dringlichkeitsmaßnahme". In den Geschäften von Harbin horteten die Einwohner Wasserflaschen; Tankwagen versorgen die Bevölkerung mit Trinkwasser. Einige Bewohner bohrten eigenhändig Brunnen. Die Schulen wurden für eine Woche geschlossen. Im Großraum Harbin leben neun Millionen Menschen. Die Stadt liegt in der nordostchinesischen Provinz Heilongjiang, der Unglücksort mit dem Chemie-Komplex 380 Kilometer flussaufwärts in Jilin.
Durch die Explosionsserie in der Jilin Petroleum and Chemical Company waren am 13. November mindestens fünf Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Aus Angst vor Vergiftungen wurden mehr als zehntausend Menschen vorübergehend in Sicherheit gebracht. Angaben über möglicherweise austretende Gifte machte die Regierung nicht. Während sich die chinesische Zentralregierung bei Naturkatastrophen und Umweltverschmutzungen seit einiger Zeit um mehr Transparenz bemüht, halten örtliche Behörden weiterhin ihre Informationen zurück.
Eine russische Sprecherin des World Wildlife Fond (WWF) sagte, das verseuchte Wasser des Songhua könne in drei bis vier Tagen die russische Grenzstadt Chabarowsk erreichen und dann in den russischen Fluss Amur münden.
Donnerstag 24. November 2005, 06:10 Uhr
China warnt Russland nach Flussvergiftung
Peking (dpa) - China hat Russland vor einer Umweltkatastrophe im Fluss Songhua gewarnt. Der Strom fließt über die gemeinsame Grenze und mündet in den russischen Fluss Amur. Das auf 80 Kilometer stark mit Benzol und Nitrobenzol vergiftete Flusswasser erreichte inzwischen die Metropole Harbin in Nordostchina. Vier Millionen Einwohner müssen ohne Leitungswasser auskommen. Auslöser war ein Unglück in einer Chemiefabrik. Zur Reinigung des Wassers fehlen China derzeit rund 700 Tonnen Aktivkohle.
Nach Chemieunfall: Millionenstadt ohne Trinkwasser
Von Michael Richter, 23.11.05
Die nordostchinesische Stadt Harbin muss vorübergehend ihre Wasserversorgung einstellen. Der Grund: Den fast vier Millionen Einwohnern droht die akute Vergiftung durch einen mit Chemikalien verseuchten Fluss.
Bereits am 13. November hatte sich eine Explosionsserie in der Jilin Petroleum and Chemical Company ereignet. Dabei soll es fünf Tote und Dutzende von Verletzten gegeben haben. In der Fabrik, die zu den größten Chinas zählt, werden Benzen (früher Benzol genannt), Anilin, Phenylazeton und andere teils hochgiftige Substanzen hergestellt. Den Chemiekomplex und Harbin verbindet ein rund 400 Kilometer langes Teilstück des Flusses Songhua. Seit den Explosionen treibt ein rund 80 Kilometer langer Benzen-Teppich auf dem Wasser auf die Millionenstadt zu.
Benzen ist giftig und Krebs erregend. Deswegen hat in Harbin eine Massenflucht eingesetzt. Medienberichten zufolge sollen die Menschen zu Tausenden versuchen, aus der Stadt zu fliehen. Seit Tagen gibt es keine Bahntickets mehr zu kaufen. Auch Mineralwasser und andere Getränke sind ausverkauft. Es heißt, die Wassersperrung solle vier Tage dauern. Dann soll das verseuchte Wasser das Stadtgebiet passiert haben.
Vermutlich wird das Problem mit dem verseuchten Wasser jedoch nicht auf China beschränkt sein. Der Songhua fließt von Harbin auf die chinesisch-russische Grenze zu und mündet dort in den Amur, der dann durch Ostrussland fließt.
Donnerstag 24. November 2005, 10:50 Uhr
Erneut Explosion in chinesischer Chemiefabrik
Peking (dpa) - In China hat sich erneut ein Chemieunglück ereignet. Bei der Explosion in einer Fabrik nahe der Metropole Chongqing im Südwesten des Landes kam ein Mensch ums Leben, teilten die Umweltbehörden mit. Möglicherweise gelangte Benzol in einen Bach. Benzol und Nitrobenzol hatten schon bei der Umweltkatastrophe in Nordostchina den Fluss Songhua auf 80 Kilometer verunreinigt. Der Fluss mündet in den Amur-Strom. Im chinesischen Harbin kam es ebenso zu Hamsterkäufen wie im russischen Chabarowsk.
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