Aktuell


Benzol erreicht Russland

Montag 28. November 2005, 18:45 Uhr

Benzolverseuchung aus China erreicht Russland

Chabarowsk (AFP) - Die schwere Benzol-Verseuchung aus China hat nun auch Russland erreicht: Der Benzol-Gehalt des Flusses Amur sei höher als normal, teilten russische Umweltbehörden mit. Der Sondergesandte von Präsident Wladimir Putin für den Fernen Osten Russlands warnte vor Panik. Nach der Explosion einer Chemiefabrik in der chinesischen Provinz Jilin am 13. November waren rund hundert Tonnen Benzol in den Fluss Songhua gelangt, der in den Amur fließt.

Der Benzol-Gehalt liege "leicht über den Umweltnormen", sagte der stellvertretende Leiter der russischen Behörde für Naturressourcen, Oleg Mitwol. Der Sprecher der Behörde in Moskau sagte, die westlich der Stadt Chabarowsk mit 600.000 Einwohnern entnommene Probe liege 1,5 bis zwei Mal so hoch wie der erlaubte Wert. Der Benzol-Gehalt könne in den nächsten drei Tagen aber noch deutlich steigen. Es sei "offensichtlich", dass die Erhöhung der Werte auf den Chemieunfall in China zurückzuführen sei.

Peking hatte sich bereits im Vorhinein bei Moskau für die erwartetet Verseuchung entschuldigt. Der Songhua passiert die Grenze zu Sibirien in der Region Birobidschan und fließt in den russischen Grenzfluss Amur.

Ein Sprecher des russischen Katastrophenschutzministeriums teilte mit, ein Frachtflugzeug mit 20 Tonnen Aktivkohle und anderen Materialien zur Wasserreinigung sei auf dem Weg nach Chabarowsk. Der Gesandte Putins sowie weitere Behörden betonten, es werde für genügend sauberes Trinkwasser aus Flaschen oder Zisternen gesorgt.

Der Vorsitzende des Worldwide Fund for Nature (WWF) in Russlands Fernem Osten, Juri Darman, warnte vor den langfristigen Auswirkungen der Benzol-Verseuchung. Russische, chinesische und internationale Experten müssten den Vorfall gemeinsam analysieren. Die US-Umweltagentur EPA wies darauf hin, dass Benzol beim Menschen Nervenschäden, eine Schwächung des Immunsystems und Blutarmut verursachen kann. Bei länger anhaltenden Belastungen kann Benzol demnach auch Leukämie, eine Zersetzung des Rückenmarks und Unfruchtbarkeit zur Folge haben.


Dienstag 29. November 2005, 04:51 Uhr

Einwohner von Harbin haben wieder Trinkwasser

Harbin (AP) Zwei Wochen nach dem Chemieunfall in Nordostchina können die Einwohner der Millionenstadt Harbin wieder Wasser aus dem Hahn trinken. Ein Sprecher der Stadtverwaltung erklärte am Dienstagmorgen im Lokalfernsehen, von dem Wasser gehe keine Gefahr mehr aus. Die Wasserversorgung in Harbin war eine Woche zuvor abgestellt worden, weil sie sich aus dem bei dem Chemieunfall vergifteten Fluss Songhua speist. Zwar floss das Wasser schon am Sonntag wieder, die Behörden warnten jedoch, es sei vorerst noch nicht trinkbar.


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