Aktuell


Kritik an Sakhalin-Öl-Gas-Projekt

Urgewald fordert: Öl- und Gasprojekt Sakhalin ablehnen

Osteuropabank hält kritischen Bericht zurück.

urgewald Pressemitteilung, 13.12.05

Am morgigen Mittwoch wird der Verwaltungsrat der Osteuropabank voraussichtlich über eines seiner strittigsten Projekte entscheiden: das von Shell geplante Öl- und Gasprojekt Sakhalin II im fernen russischen Osten. Internationale Umweltorganisationen sehen die Glaubwürdigkeit der Bank auf dem Spiel, wenn sie das Projekt trotz schwerer Umweltbedenken offiziell akzeptiert und die Prüfungsphase beginnt.

Sie kritisieren, dass die Osteuropabank einen Bericht zurückhält, der Shells mißlungene Schutzmaßnahmen für hunderte von Lachslaichgewässern untersucht. Im März 2005 hatte die britische Zeitung "Observer" bislang unbekannte Fotos veröffentlicht. Diese dokumentieren, wie Bauarbeiten an den Öl- und Gaspipelines massiv Gewässer zerstören, die für das Überleben der großen Lachspopulation Sakhalins elementar sind (1). Die Osteuropabank prüfte die Vorwürfe und stellte fest, dass diese Zerstörung nicht mit ihren Umweltrichtlinien vereinbar ist. Im Mai erklärte der Präsident der Osteuropabank öffentlich das Projekt wegen seiner ungelösten Umweltprobleme als unakzeptabel ("not fit for purpose"). Gleichzeitig beauftragte die Osteuropabank die Birmingham Gruppe (2) mit der Prüfung von Shells Strategie zum Schutz der Gewässer Sakhalins. Ein Zwischenbericht wurde der Bank am 15. November vorgestellt, jedoch der Öffentlichkeit trotz Nachfragen vorenthalten. "Dies ist nicht akzeptabel von einer öffentlichen Institution und macht misstrauisch", erklärt Regine Richter, Energieexpertin der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald. "Wenn der Bericht zeigen würde, dass die Probleme gelöst wären, könnte die Osteuropabank ihn guten Gewissens veröffentlichen."

Die Frage hat auf Sakhalin eine große wirtschaftliche Bedeutung, denn die Lachse stellen die Lebensgrundlage von einem Drittel der Bevölkerung dar. Dementsprechend ist das Projekt von massiven Protesten begleitet, die indigene Bevölkerung von Sakhalin hat schon mehrmals laufende Bauarbeiten blockiert, denn auch für sie gibt es bisher keine hinreichenden Pläne, wie ihnen durch das Projekt entstehende Schäden vermieden, oder sie kompensiert werden können.

"Das Projekt sorgt auch in der Osteuropabank für Bauchschmerzen. Sie hat die Entscheidung, ob sie es weiter prüfen will, bereits mehrmals verschoben, da die bekannten Probleme nicht gelöst wurden", so Richter. "An dieser Tatsache hat sich nichts geändert, deshalb darf die Bank jetzt nicht dem Druck von Shell nachgeben und sich für Sakhalin II aussprechen. Sie sollte sich im Gegenteil ein Herz fassen und sich endgültig von dem Projekt verabschieden, da es nicht mit ihren Umweltrichtlinien in Einklang zu bringen ist." Briefe mit dieser Forderung haben urgewald und der WWF an den Finanzausschuss und das Finanzministerium geschickt, da das BMF innerhalb der Bundesregierung für die Osteuropabank zuständig ist.

Weitere Informationen: Regine Richter, 030-4433 9169

"Ten Reasons why EBRD should not finance Sakhalin II" können unter folgendem Link heruntergeladen werden: www.bankwatch.org/publications/issue_papers/2005/ten_reasons_sakhalin.pdf

(1) Die Bilder sind unter http://www.pacificenvironment.org/article.php?id=452 einzusehen.

(2) Diese Gruppe wird so genannt, da zu den Autoren Angestellte der Universität Birmingham


» zurück

Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Do, 08.01.2009 © easy.wdss • Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.netBildschirm-Version

< zurück | nach oben scrollen^