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Bilanz deutsch-russischer Umweltgespräche

Wissenschaftler aus Russland und Deutschland wollen Baikalsee gemeinsam schützen

RIA Novosti, 19.9.06

Die internationale Konferenz "Weltnaturerbe. Zehn Jahre russisch-deutsche Zusammenarbeit" ist am Montag beendet worden. Sie hatte im geographischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften in der sibirischen Stadt Irkutsk stattgefunden.

Die Region um den Baikal ist besonders bedeutend, weil sich dort der Baikalsee befindet, der einen unvorstellbaren Artenreichtum und 20 Prozent der Süßwasservorräte des Planeten birgt. Das sagte die parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit Astrid Klug auf einer Pressekonferenz in Irkutsk. Sie betonte aber, dass das Problem nicht darin liege, den Baikal als besonderes Schutzobjekt hervorzuheben, sondern den Schutz auch tatsächlich zu gewährleisten.

In Deutschland gibt es viele Baikal-Fans, sagte Astrid Klug. Vor kurzem sei in Deutschland eine Filmserie eines berühmten Journalisten, eine Art Liebeserklärung an die Region gelaufen und viele Deutsche wollten plötzlich an den Baikal fahren, um seine Schönheit zu sehen. Man könne sagen, dass Publicity für die Entwicklung des Tourismus gemacht wurde. Doch es sei wichtiger, das Beste zu tun, damit der Tourismus und die Entwicklung der Region umweltfreundlich, mit schonender Naturnutzung verlaufen können. Es gebe viele Projekte rund um den Baikal, doch die russisch-deutschen haben gute Ergebnisse aufzuweisen.

Der Direktor des Geographischen Institutes der Sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften, Alexander Antipow, sagte, dass Deutschland deshalb als Partner gewählt wurde, weil "dieses Land als Trendsetter im wissenschaftlich begründeten Umweltschutz gilt, bei dem sowohl die Interessen der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung als auch die der Umwelt in Betracht gezogen werden". Eine führende Richtung in der Tätigkeit der deutsch-russischen Arbeitsgrupe "Umweltschutz und Artenvielfalt" wurde die Zusammenarbeit im Rahmen der UNESCO-Konvention über das Weltnaturerbe.

Antipow drückte Bedauern aus, dass "der Baikalsee als Weltnaturerbe-Objekt in den meisten Positionen nur virtuell existiert". Bis jetzt gebe es weder Finanz- noch Rechts- noch Operationsmechanismen für die Bewahrung des Sees. Auch ein einheitliches Leitungsgremium fehle.

Laut Antipow wurde auf der Konferenz festgestellt, dass in Russland ein föderales Gesetz über Weltnaturerbe-Objekte entwickelt werden müsse. Auch die Idee, dem UN-Sekretariat vorzuschlagen, ein Internationales Baikal-Jahr durchzuführen, wurde verlautet.

Von den 150 Objekten, die auf der Liste des Weltnaturerbes stehen, ist der Baikal das viertgrößte in der Welt und das größte in Russland. Insgesamt ist das Schutzgebiet etwa 88 000 Quadratkilometer groß. "Wenn andere Gebiete, die zum Weltnaturerbe zählen, nach einem, zwei oder drei Kriterien ihrer Bedeutung nominiert wurden, gehört der Baikal zum Eliteclub: Er wurde nach allen vier Kriterien aufgenommen!", sagte Alexander Antipow.

Valeri Jermakow, Stellvertreter des höchsten wissenschaftlichen Sekretärs des Präsidiums der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte, dass es viele gemeinsame Arbeiten von sibirischen und deutschen Wissenschaftlern gebe.

"Wir bereichern einander auf verschiedenen Gebieten, doch im Bereich Umweltschutz werden eher Deutschlands Erfahrungen genutzt", sagte er.




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