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Aktuell
China größter CO2-Emittent
Dienstag 24. April 2007, 11:46 Uhr
Bericht: China noch 2007 größter Emittent von Treibhausgasen
Schanghai (AP) China wird nach Angaben der Internationalen Energiebehörde (IEA) noch in diesem Jahr die USA als größten Emittenten von Treibhausgasen ablösen, drei Jahre früher als bisher vermutet. Grund sei das rasante Wirtschaftswachstum des Landes, erklärte IEA-Chefökonom Fatih Birol am Dienstag im «Wall Street Journal». Mit den zunehmenden Treibhausgas-Emissionen Chinas dürften die Bemühungen anderer Länder, ihren Ausstoß der klimaschädlichen Gase zu reduzieren, faktisch aufgehoben werden, sagte Birol.
Peking hat zwar das Kyoto-Protokoll unterzeichnet, ist als Schwellenland aber von den Restriktionen
zum Ausstoß von Treibhausgasen ausgenommen. In einem am Wochenende veröffentlichten Bericht erklärte die Regierung, China solle sich weiter auf sein Wirtschaftswachstum und erst an zweiter Stelle auf die Reduzierung von Treibhausgasen konzentrieren. Im ersten Quartal dieses Jahres ist die chinesische Wirtschaft nach offiziellen Angaben um 11,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Sollte diese Entwicklung anhalten, würden die Treibhausgas-Emissionen Chinas in den kommenden 25 Jahren vermutlich die aller Industrieländer zusammen überschreiten, schrieb Elizabeth Economy vom US-Rat für Auswärtige Beziehungen (Council on Foreign Relations) in der aktuellen Ausgabe des Magazins «The Nation».
Montag 23. April 2007, 14:25 Uhr
Umweltaktivist in China festgenommen
(AFP) - Der bekannte chinesische Umweltschützer Wu Lihong ist in China festgenommen worden. Ihm werde Erpressung vorgeworfen, sagte seine Frau Xu Jiehua am Montag. Dutzende Polizisten hätten vor zehn Tagen das Haus Wus im Osten Chinas gestürmt, es durchwühlt und seinen Computer sowie persönliche Unterlagen mitgenommen, fügte Xu hinzu. Der 39-jährige Wu kämpft seit Jahren gegen die Verschmutzung des Taihu-Sees im Delta des Flusses Jangtse. In der Region, die für die Schönheit ihrer Natur bekannt ist, befinden sich Leichtindustrie und Chemiefirmen, die die Umwelt stark verschmutzen. Der Fluss dient auch als Trinkwasser-Quelle für die stark bevölkerte Region rund um die Millionenstadt Schanghai.
Pekings gigantischer Umwelt-Masterplan
Frankfurter Neue Presse, 25.4.07
Peking. Peking erlebt in dieser Woche einen ersten Vorgeschmack auf Olympia 2008. Über hundert oberste Vertreter des Weltsports sind gut 15 Monate vor Beginn der Sommerspiele in der chinesischen Hauptstadt versammelt. Über das Wetter können sie bei Temperaturen um 20 Grad und nur leicht bedecktem Himmel kaum klagen, wohl aber über lange Staus auf dem Weg zu den Schauplätzen.
Wenn im übernächsten August eine halbe Million erwarteter Gäste aus dem Ausland eintrifft, soll der Verkehr reibungslos rollen und die Sonne vom durchweg blauen Himmel scheinen. Das zumindest sind die Vorstellungen der führenden Mitglieder des Planungsstabes, der an einem gigantischen „Umwelt-Masterplan“ arbeitet. Unweit der „Verbotenen Stadt“ wurde er zum Kongress-Auftakt erstmals der internationalen Presse vorgestellt.
„Wir sehen die Herausforderungen dieser Spiele als Chance an, die Probleme der Stadt langfristig zu meistern“, umriss Direktorin Huang Yan die Aufgabe. Der Zeitraum geht dabei weit über Olympia hinaus, die Planungen zur Umgestaltung der 15-Millionen-Menschen-Metropole laufen bis 2020. Doch zahlreiche der rund 200 Maßnahmen sollen schon 2008 greifen.
Der Verkehr: Täglich werden tausend neue Autos angemeldet, bis Olympia werden es über drei Millionen sein. Doch bis dahin wird auch das U-Bahnnetz von jetzt 115 auf 230 Kilometer verdoppelt sein und eine Transport-Alternative bieten. Bislang nutzen nur 32 Prozent die öffentlichen Verkehrsmittel – in Tokio sind es 70 Prozent. Von den zugelassenen Wagen soll ein Großteil keine Fahrerlaubnis während der Spiele bekommen, das gilt für alle unsauberen Motoren (mit gelber statt blauer Plakette), aber auch für die meisten der 500 000 „Regierungs-Autos“. Zur Entlastung tragen auch die Schulferien im August bei.
Die Luftverschmutzung: „Dagegen hilft keine Feuerwehr, die schnell zum Löschen kommt“, bekennt Umwelt-Direktor Du Shaozhong und will damit sagen, dass nur langfristige Maßnahmen greifen. Gerade deshalb ist er zuversichtlich: Seit 1998 verzeichne man Jahr für Jahr sinkende Schadstoffwerte trotz hohen Wirtschaftswachstums. 50 000 von 62 000 Taxis sind umgerüstet, 18 000 von 20 000 Bussen, dazu die fünf größten Industriekonzerne der Stadt, die man nicht verlegen konnte, andere „Dreckschleudern“ wurden ausgesiedelt. Auch 39 000 Kohle-Heizanlagen für Wohnblocks habe man umgestellt.
Der Himmel: 2006 strahlte er an 241 Tagen blau, gegenüber nur 185 im Jahr 2001, als man die Spiele bekam. Vor allem im Sommer (wenn kaum geheizt wird) ist der Fortschritt gewaltig. Im Juli und August 2006 wurde nur an drei von 62 Tagen Smog gemessen. Das bestärkt die Optimisten im Hinblick auf Olympischen Wettbewerbe, die vom 8. bis 24. August 2008 stattfinden werden. „Wir haben noch immer Probleme, aber die besten Wissenschaftler unseres Landes sind auf dem richtigen Weg“, glaubt Umwelt-Chef Du.
Die Stadt: Peking zählt derzeit über 5000 Baustellen, vom neuen Flughafen über U-Bahnen und Straßen bis zu Hotels und Wohnblocks. Aber die meisten Projekte sollen bis Ende 2007 abgeschlossen sein. Ein Modell in der Planungs-Zentrale, angeblich das größte der Welt, zeigt schon jetzt eine Metropole, die ihr Gesicht bis 2020 in weiten Teilen gewandelt hat. Nicht zuletzt durch den Olympia-Wald, der einer Größe von 200 Fußballplätzen entspricht und ein Vermächtnis der „Grünen Spiele“ für viele Generationen sein soll. Mit sauberer Luft unter blauem Himmel. (sid)
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