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NP im Kaukasus

Zu Fuß durch den Kaukasus

WWF-Mitarbeiter Daniel Goliasch war im Nationalpark Borjomi-Kharagauli unterwegs

WWF-Online, 15.10.07

Nebelwolken hängen träge zwischen den Baumstämmen und der Waldboden dampft im ersten Tageslicht. Vereinzelte Sonnenstrahlen durchschneiden die feuchte Luft und bringen die Tautropfen auf den Moospolstern zum glitzern. Die nasse Erde schmatzt unter meinen Wanderschuhen, als ich die ersten Schritte im Borjomi-Kharagauli-Nationalpark in Georgien mache.

Die ganze Nacht hatte es Bindfäden geregnet, doch als ich am Tourismusbüro meinen Wanderführer treffe, verziehen sich die Wolken und die Sonne blinzelt über die Bergrücken. Beso, so heißt er, hat bereits unser Essen, einen Schlafsack für mich und ein Pferd für unser Gepäck organisiert. Wir wollen für drei Tage durch den 80.000 Hektar großen Nationalpark wandern. Fast 170 Kilometer Wanderwege stehen in Borjomi-Kharagauli zur Wahl. Sie führen vorbei an vier Übernachtungshütten für Touristen und sechs Ranger-Hütten.

Seit der WWF Deutschland und die KfW Entwicklungsbank sich 1995 um den Schutz dieses einmaligen Naturraums bemühten, ist viel passiert: 2001 wurde das Gebiet als erster Nationalpark Georgiens eingeweiht und 2007 zum PAN-Park erklärt – eine Auszeichnung mit strengen Auflagen für Natur schonenden Tourismus. Genau darauf hat der WWF von Anfang an als Einnahmequelle für den Park gesetzt. Anhand eines Management-Plans leitete die deutsche Tourismus-Expertin Karin Steinmetzer den Aufbau des Wegenetzes und der Hütten und schulte Personal für das Tourismusbüro des Nationalparks.

Gipfelglück und Indian Summer

Von Borjomi aus steigen Beso und ich durch den langsam trockener werdenden Wald auf. Beso ist 21 Jahre alt und stammt aus dem Dorf Likani am Rande des Nationalparks. „Ich war arbeitslos wie die meisten Jugendlichen hier“, erzählt er bei einer Rast. In den Bergen, die heute zum Park gehören, ging er früher oft spazieren. Damals brachte er sich die Namen der vielen Vogelarten und Pflanzen bei, die er mir heute stolz auf Englisch erklärt. „Früher konnte ich nur Georgisch und Russisch. Als ich für den Park als Führer arbeiten wollte, hat Karin mir einen Englisch-Kurs bezahlt und mich danach eingestellt“, berichtet Beso.

Wir brechen wieder auf, denn schließlich wollen wir heute noch den Hirten-Weg gehen. Es ist die neueste Route im Wegenetz des Nationalparks und ein weiterer Schritt, den Nationalpark für Wanderer noch attraktiver zu machen. Auf einer Bergkuppe belohnt uns ein atemberaubender Ausblick für die Anstrengung: Die Spätsommersonne hat die Laubbäume des Nationalparks in ein Meer aus gelb-orange-roten Farbtupfern verwandelt und wir erleben den vielleicht farbenprächtigsten „Indian Summer“ Europas. Ein Anblick, den hoffentlich bald mehr Naturfreunde aus Westeuropa werden genießen können.



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