Aktuell


Waldbrände in Kalifornien

Dienstag, 23. Oktober, 08:25 Uhr

Hunderttausende fliehen vor Bränden in Südkalifornien

Los Angeles (AFP) - Die verheerenden Brände in Südkalifornien haben hunderttausende Menschen in die Flucht getrieben: Allein im Landkreis San Diego mussten laut Behördenangaben 250.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Im Gebiet an der Grenze zu Mexiko wurden über 600 Häuser zerstört, im gesamten Bundesstaat fielen 40.000 Hektar Land den Flammen zum Opfer. Gouverneur Arnold Schwarzenegger beorderte zur Unterstützung der ermüdeten Feuerwehrleute 1500 Soldaten in die Brandgebiete. Das Verteidigungsministerium schickte Brandbekämpfungsflugzeuge, Präsident George W. Bush sagte Hilfe zu.

"Das ist ein tragischer Moment für Kalifornien", sagte Schwarzenegger. Die 1500 Angehörigen der Nationalgarde sollten den Kampf gegen die Flammen unterstützen. Dafür würden auch Soldaten von der Grenze zu Mexiko abgezogen. Außerdem schickte das Pentagon nach Angaben des Gouverneurs auf Aufforderung zusätzliche Ausrüstung für die Brandbekämpfung. Dazu zählten spezielle Tankbehälter, die 12.000 Liter Löschwasser fassen können.

Die Hilfe ist dringend notwendig, weil die Feuerwehr des Bundesstaates am Ende ihrer Möglichkeiten und ihrer Kräfte ist: Mehr als 2000 Feuerwehrleute sind seit Sonntag an 13 verschiedenen Großbrandherden im Einsatz, sie werden von 30 Hubschraubern und Flugzeugen unterstützt. Allerdings erzielten sie nicht viele Erfolge: "Die Winde drehen andauernd und sind unberechenbar", sagte ein Sprecher des Landkreises Los Angeles. "Wir können nicht sagen, wo die Flammen hinwandern und wann."

Es wird erwartet, dass kräftige heiße Wüstenwinde die Flammen in den kommenden Tagen weiter anfachen. Die Tagestemperaturen in der Region liegen weiter über 30 Grad, im Sommer hat es kaum geregnet. Ein Sprecher der Feuerwehr von San Diego verglich die Lage mit den schlimmen Bränden 2003, als in Kalifornien 22 Menschen getötet und 3000 Häuser zerstört wurden. "Wir glauben sogar, dass es schlimmer ist als 2003", sagte Maurice Luque.

Ebenfalls betroffen ist der Prominentenwohnort Malibu, in dem viele Hollywood-Stars ihre Villen haben. Unter anderem fiel das bekannte Millionärsanwesen Castle Kashan den Flammen zum Opfer. Tausende Häuser mussten evakuiert werden.


Dienstag, 23. Oktober, 03:49 Uhr

Feuerroter Himmel über Kalifornien

San Diego (AP) Die Waldbrände in Südkalifornien haben sich weiter ausgebreitet und bedrohliche Ausmaße angenommen. Die Feuerwehr konnte nicht verhindern, dass allein an einem Berg bei Lake Arrowhead rund 130 Häuser in Flammen aufgingen. Die Brände erfassten eine Fläche von mehr als 800 Quadratkilometern. Die Feuerwehr von Kalifornien bat die Kollegen in anderen US-Staaten um Hilfe. Mindestens 14 Brände seien außer Kontrolle geraten, sagte Patti Roberts von der Katastrophenschutzbehörde. An einigen Orten schossen die Flammen bis zu 60 Meter hoch.

Gouverneur Arnold Schwarzenegger erklärte sieben Bezirke zu Notstandsgebieten und machte so den Weg für staatliche Hilfen frei. «Das ist eine tragische Zeit für Kalifornien», sagte der Gouverneur am Montag in Malibu.

«Der Himmel war rot, alles glühte», berichtete die 55-jährige Ronnie Leigh, eine von 250.000 Bewohnern des Bezirks San Diego, die vor dem Feuer die Flucht ergriffen. Die Feuerwehr verlor nach eigenen Angaben kostbare Zeit, weil sie zögernde Bewohner dazu bewegen musste, der Aufforderung zur Evakuierung Folge zu leisten. Die Einsatzkräfte klagten außerdem, dass sie nicht genügend Mittel für die Brandbekämpfung hätten. «Es brennen mehr Häuser, als wir Leute haben», sagte Lisa Blake von der Feuerwehr in San Diego. «Heute werden viele Leute ihr Haus verlieren.»

Nahe der mexikanischen Grenze kam ein Mensch ums Leben, Dutzende wurden verletzt. In San Diego und Umgebung wurden auch mehrere hundert Patienten einer Klinik und mehrer Pflegeheime in Sicherheit gebracht. Im Bezirk Orange wurde ein Gefängnis mit mehr als 1.000 Häftlingen evakuiert. Die Bedrohungslage veränderte sich stündlich, da starker Wind die Flammen immer weiter voranpeitschte.

Keine Rücksicht nahm das Feuer auf prominente Namen. In der Villensiedlung Malibu waren die Schauspieler Mel Gibson, Kelsey Grammer und Victoria Principal gezwungen, vor den Flammen auszuweichen. Weniger reiche Bewohner der Region wurden in das Qualcomm-Stadion von San Diego gebracht. Tausende von Evakuierten verfolgten dort vor Fernsehschirmen die Nachrichten über die Ausbreitung der Brände.

Ursache des Waldbrands bei Malibu war möglicherweise eine abgerissene Hochspannungsleitung. In mindestens einem Fall im Orange County wird auch Brandstiftung für möglich gehalten. Ein anderes Feuer entstand durch den Brand eines Autos.


23. Oktober, 2007

HINTERGRUND: Die schlimmsten US-Brandkatastrophen

Los Angeles (AFP) - Die verheerenden Wald- und Buschbrände im Süden Kaliforniens fügen sich ein in eine lange Reihe von Brandkatastrophen, welche die USA fast jedes Jahr im Sommer und Herbst treffen. Kalifornien zählt zu den besonders gefährdeten Staaten. Ein Überblick über die schlimmsten Wald- und Buschbrände der vergangenen 20 Jahre in den USA:

Sommer 1988:

Im Yellowstone-Nationalpark in den Rocky Mountains brennen 650.000 Hektar Land ab. Das sind gut zwei Drittel der Parkfläche. In Alaska werden derweil 800.000 Hektar zum Raub der Flammen.

Herbst 1993:

Eine Reihe von Feuern zerstört um Los Angeles herum etwa 1000 Häuser und 87.000 Hektar Land. Drei Menschen sterben.

Sommer 1994:

Über eine Million Hektar Land brennen im Westen der USA ab. Rund 20 Menschen sterben, die meisten von ihnen Feuerwehrleute.

Sommer 1998:

In 66 der 67 Landkreise des Staats Florida brennen die Wälder. Mehr als 100.000 Hektar werden zerstört.

Frühjahr 2000:

Etwa 25.000 Einwohner fliehen vor den Waldbränden um die Stadt Los Alamos in New Mexico. Mehr als 200 Häuser und 17.000 Hektar Land werden zerstört.

Sommer 2000:

In sechs Bundesstaaten werden 13 Menschen Opfer der Flammen. 560.000 Hektar Land werden zerstört, der Schaden wird auf eine Milliarde Dollar beziffert.

Sommer 2002:

In Colorado verbrennen 55.000 Hektar Wald und 114 Häuser. In Arizona werden 155.000 Hektar Land Raub der Flammen.

Herbst 2003:

Mehrere Feuer vernichten 300.000 Hektar Land in Kalifornien. 22 Menschen sterben, 3570 Häuser werden zerstört.

Sommer 2004:

In Nevada verbrennen gut 4000 Hektar Land, in Kalifornien etwa 10.000 Hektar - mehr als 1200 Hektar davon im berühmten Yosemite-Nationalpark.

Herbst 2006:

Durch Brandstiftung werden nahe Palm Springs in Kalifornien 10.000 Hektar Land vernichtet und vier Menschen getötet.







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