Aktuell


Naturschutz in China

Deutschland und China vereinbaren engere Zusammenarbeit im Naturschutz

Kooperationsschwerpunkte: UN-Naturschutzkonferenz in Bonn sowie Artenschutz-Vollzug

BMU Pressemitteilung, 30.10.07

Deutschland und China wollen auf dem Gebiet des Naturschutzes enger zusammenarbeiten. Während einer Delegationsreise nach Peking und Guangzhou haben die beiden zuständigen Abteilungsleiter Jochen Flasbarth und Wan Bentai vereinbart, die Kooperation in Hinsicht auf die UN-Naturschutzkonferenz zu verstärken, die im kommenden Jahr in Bonn stattfindet. Beide Länder wollen gemeinsam für ein weltweites Netz von Schutzgebieten eintreten, das den Schutz der biologischen Vielfalt garantieren soll. Besonderes Augenmerk soll dabei auf Ökosystemen liegen, die sehr gut Kohlenstoff speichern. Dies sind beispielsweise Wälder, Moore und Feuchtgebiete.

Die Zerstörung solcher Ökosysteme bedeutet eine doppelte Belastung des Planeten − zum einen wird der Klimawandel vorangetrieben, zum anderen der Verlust an biologischer Vielfalt verstärkt. Es wurde vereinbart, dass China Gebiete ermittelt, in denen ein besserer Schutz sowohl dem Klima- als auch dem Naturschutz dient. Deutschland wird bei dieser Aufgabe Hilfestellung leisten. Bereits im Dezember kommt eine Expertengruppe aus China nach Deutschland, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Ein weiterer Schwerpunkt wird die Durchsetzung internationaler Artenschutzbestimmungen sein. So wurde eine intensive Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des illegalen Handels mit Tieren und Pflanzen vereinbart. Besonders wichtig ist dabei der illegale Handel mit Elfenbein. Flasbarth besuchte gemeinsam mit Dieterich Jelden, dem Chef der Artenschutzvollzugsbehörde im Bundesamt für Naturschutz, die Vollzugsbehörden in Peking und Ghongzhou. Unter anderem besichtigten sie die Lagerbestände für beschlagnahmtes Elfenbein und erörterten Maßnahmen zur Verfolgung des Elfenbeinhandels. Beschlagnahmen in Deutschland weisen darauf hin, dass der Elfenbeinschmuggel verstärkt über Transitländer in Europa, aber möglicherweise auch in anderen Regionen stattfindet. Es wurde deshalb ein Programm zur gemeinsamen Bekämpfung des illegalen Handels mit Wildtieren und Wildpflanzen vereinbart. Es soll auf EU-Ebene verwirklicht werden.


Dienstag, 30. Oktober, 13:11 Uhr

Geburtsschäden steigen in China dramatisch

Peking (dpa) - Die Zahl der Geburtsfehler ist in China stark gestiegen. «Alle 30 Sekunden kommt in China ein Baby mit einem Geburtsdefekt zur Welt, und die Lage hat sich Jahr für Jahr verschlimmert», sagte der Vizechef der Familienplanungskommission, Jiang Fan, nach Angaben der Tageszeitung «China Daily» auf einer Konferenz im chinesischen Chengdu.

Sechs Prozent aller Säuglinge seien betroffen. Experten sehen unter anderen einen Zusammenhang mit der massiven Umweltverschmutzung. So hat die Kohleprovinz Shanxi die meisten Geburtsschäden. Die Zahl liegt vor allem nahe ihrer acht großen Kohlegruben weit über dem Durchschnitt.

Landesweit sind die Geburtsfehler seit 2001 von 104,9 auf 10 000 Geburten auf 145,5 gestiegen. Von den 20 Millionen Babys, die jedes Jahr in China zur Welt kommen, leiden nach diesen Angaben 800 000 bis 1,2 Millionen unter einem gesundheitlichen Defekt. Rund 300 000 hätten sichtbare Deformationen, berichtete Jiang. Rund 30 bis 40 Prozent der betroffenen Babys überlebten nicht lange. Nur 20 bis 30 Prozent dieser Kinder könnten behandelt oder geheilt werden, berichtete Jiang Fan. Rund 40 Prozent litten unter lebenslangen Schäden.


Dienstag, 30. Oktober, 18:10 Uhr

Mehr Missbildungen in China durch Umweltverschmutzung

Peking (AFP) - Das hohe Modernisierungstempo kommt die Chinesen teuer zu stehen: Wie die staatliche Zeitung "China Daily" berichtet, ist die Zahl der mit Missbildungen geborenen Kinder seit 2001 um fast 40 Prozent angestiegen. Rund eine Million der insgesamt 20 Millionen Neugeborenen im Jahr ist demnach betroffen, bei rund 300.000 Babys seien "sichtbare Deformationen" beobachtet worden. Mehr als ein Drittel dieser Kinder sterbe kurz nach der Geburt.

Besonders stark betroffen seien die Regionen um die zahlreichen Kohlekraftwerke des Landes, in denen die Luft- und Wasserverschmutzung besonders dramatisch sei, berichtet das Blatt unter Berufung auf Behördenangaben. In China haben Statistiken zufolge Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser.

In den großen Städten Chinas erkranken auch immer mehr Frauen an Brustkrebs. In der Metropole Shanghai stieg die Brustkrebsrate in den vergangenen zehn Jahren um 31 Prozent, in Peking wurde ein Anstieg um 23 Prozent verzeichnet, wie "China Daily" berichtete. Grund sei der "ungesunde Lebensstil" der Stadtbewohner, zitierte das Blatt einen Krebsforscher der Chinesischen Akademie für Medizinische Wissenschaft. Viele Frauen ernährten sich falsch und seien bei der Arbeit zu viel Stress ausgesetzt.

In Peking leiden demnach 45, in Shanghai 55 von 100.000 Frauen an Brustkrebs. Die Rate ist damit immer noch erheblich niedriger als in Industriestaaten. Auch wegen des durch das Wirtschaftswachstum begünstigten Vormarschs westlichen Fastfoods leiden immer mehr Chinesen an sogenannten Zivilisationskrankheiten.


HINTERGRUND: Klimaschutz von gleich zu gleich

Von Andrea Schneider AFP - Dienstag, 30. Oktober, 09:06 Uhr

Berlin (AFP) - In der Klimapolitik ist Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schon einige Monate vor ihrer Reise nach Indien einen großen Schritt auf die aufstrebende Wirtschaftsnation zugegangen. Um Indien, China und andere auf rasantes Wachstum setzende Schwellenländer beim Kampf gegen den Klimawandel ins Boot zu holen, machte sich Merkel einen als besonders gerecht bewerteten Vorschlag zu eigen: Arme und reiche Nationen sollen pro Kopf gleich viel klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre abgeben dürfen.

DIE IDEE stammt ursprünglich von Merkels indischem Kollegen Manmohan Singh. Der nämlich kritisierte beim G-8-Gipfel, pauschale Klimaschutzziele würden für ein Schwellenland wie sein eigenes bei der wirtschaftlichen Aufholjagd zur unfairen Hürde. Denn Indien gehört zwar nach Zahlen der Nichtregierungsorganisation Germanwatch schon jetzt zu den zehn größten CO2-Emittenten weltweit und hat mit 4,15 Prozent einen etwas höheren Ausstoß als beispielsweise das hochindustrialisierte Deutschland (3,15 Prozent). Allerdings machen die Inder auch 17 Prozent der Weltbevölkerung aus - die Deutschen dagegen nur rund 1,3 Prozent. Als Alternative regte Singh an, sich beim CO2 am Pro-Kopf-Ausstoß zu orientieren. Das könnte eine für alle Beteiligten - Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer - faire Bemessungsgrundlage schaffen.

GANZ PRAKTISCH würde dies bedeuten, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer ihren Pro-Kopf-Ausstoß an Kohlendioxid so lange steigern könnten, bis sie das Niveau der Industrieländer erreicht haben. Erst dann würden auch die armen Länder in die Pflicht genommen. Wirklichen Nutzen für den Klimaschutz hätte die Initiative damit also nur dann, wenn die Industrieländer ihren CO2-Ausstoß zugleich drastisch reduzieren würden und sich die Staaten damit letztlich auf einem niedrigen Niveau träfen.

DIE ZAHLEN zeigen, wie ehrgeizig das Ziel einer Emissionsdeckelung auf Pro-Kopf-Basis ist: Derzeit nämlich stößt jeder Deutsche im Jahr durchschnittlich elf Tonnen CO2 aus - der Weltmittelwert dagegen beläuft sich laut Umweltbundesamt auf 3,8 Tonnen. Die Inder produzieren trotz boomender Wirtschaft nach Angaben von Greenpeace im Schnitt nur 1,1 Tonnen Kohlendioxid jährlich - anders als die Amerikaner, die es auf 20 Tonnen bringen.

IM ERGEBNIS darf jeder Mensch Klimaexperten zufolge 2050 jedoch pro Jahr nur weniger als zwei Tonnen CO2 ausstoßen, damit der weltweite Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad im Vergleich zu 1990 begrenzt werden kann. Zu diesem Zwei-Tonnen-Ziel bekennt sich auch Merkel. Deutschland müsste dafür seinen CO2-Ausstoß deutlich stärker reduzieren als um die bis 2050 weltweit angepeilten 50 Prozent. Wie das erreicht werden kann und was das kosten würde, ist bislang offen.







» zurück

Aus der easy.wdss.de, gedruckt am: Di, 02.12.2008 © easy.wdss • Besuchen Sie die www.weitblick.net unter www.weitblick.netBildschirm-Version

< zurück | nach oben scrollen^