AktuellKlimawandel in China
China heizt dem Klima einVon Till Fähnders, Mannheimer Morgen 07. Dezember 2007Schanghai. In Schanghai zeigt das Thermometer an diesem Dezembermorgen knapp neun Grad. Dennoch laufen überall die Klimaanlagen. Denn viele Schanghaier benutzen sie zum Heizen. Südlich des Jangtse-Flusses gibt es in China nämlich grundsätzlich keine Zentralheizungen. Die Stromfresser laufen deshalb mittlerweile fast das ganze Jahr. Im heißen Schanghaier Sommer sollen die vielen Klimaanlagen manchmal bis zu 40 Prozent des städtischen Energiebedarfs verbrauchen. Was in der Wirtschaftsmetropole mit rund 20 Millionen Einwohnern passiert, ist nur ein Beispiel für den verschwenderischen Umgang Chinas mit seinen Ressourcen. Nur langsam scheint in der Bevölkerung eine Sensibilisierung stattzufinden. "Früher war es zu dieser Jahreszeit nicht mehr so warm", wunderte sich eine Wanderarbeiterin noch im November. Nicht zu Unrecht, wie Zahlen des nationalen Wetteramts zeigen. Demnach war der elfte Monat in China im Schnitt ein Grad wärmer als in den Vorjahren. Temperaturen steigen ständig "Es ist das elfte Jahr, in dem das Land abnormal hohe Temperaturen erlebt", bestätigte auch Jiao Meiyan, Sprecherin des meteorologischen Amtes in Peking. Die Temperaturen waren im Gesamtjahr so hoch wie seit 1951 nicht. Unter den 1,3 Milliarden Chinesen spricht sich deshalb herum, dass China besonders vom Klimawandel betroffen ist. In Tibet schmelzen die Gletscher, und an der 18 000 Kilometer langen Küste droht der steigende Meeresspiegel Millionenstädte wie Schanghai zu versenken. Naturkatastrophen häufen sich jetzt schon. Pikant ist, dass das Reich der Mitte den Treibhauseffekt in zunehmendem Maße mitverursacht. Die Volksrepublik soll bereits dieses Jahr die USA als größten Klimasünder abgelöst haben. China stößt demnach schon mehr CO2 aus als die größte Wirtschaftsnation der Erde. Das Grundproblem ist sein unstillbarer Energiehunger. 2006 stieg Chinas Energieverbrauch um 8,4 Prozent, sechs Prozent mehr als der Weltdurchschnitt, wie der Ölkonzern BP errechnete. Angefeuert wird das chinesische Wirtschaftswachstum mit Kohle, aus der mehr als 70 Prozent der Energie stammt. Seit 2000 hat sich die Kohleproduktion in der Volksrepublik auf 2,5 Milliarden Tonnen verdoppelt, schätzt Wang Xianzheng, der Leiter der nationalen Kohlebehörde, und soll bis 2010 noch einmal um mehrere hunderte Millionen Tonnen steigen. Die jährliche Zunahme bei der Kohleförderung entspricht mit durchschnittlich 11,5 Prozent ziemlich genau dem derzeitigen Wirtschaftswachstum. Die Zahlen zeigen, wie China seinen Boom mit einer Verschleuderung von Energie und Ressourcen erkauft. 60 Prozent der Städte leiden laut nationaler Umweltbehörde (SEPA) an verschmutzter Luft. Das hat zunehmend wirtschaftliche Konsequenzen. Allein die Luftverschmutzung soll laut Weltbank jährlich 3,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auffressen. Peking setzt deshalb vermehrt auf erneuerbare Energien wie Wasser- und Windkraft, greift aber auch immer stärker auf die umstrittene Atomenergie zurück. Bis 2020 will China seine Atom-Kapazitäten verdoppeln. Verbrauch soll sinken Dass der Klimawandel auch für China zu einem Problem wird, hat die Regierung also erkannt und sich nun ehrgeizige Ziele gesetzt. Der Energieverbrauch soll gemessen an der Wirtschaftsleistung bis 2010 um 20 Prozent verringert werden, der Schadstoffausstoß um zehn Prozent im Vergleich zu 2005 sinken. In der Vergangenheit verfehlte China solche Ziele allerdings regelmäßig. International bindende Verpflichtungen lehnt Peking ohnehin ab. Denn die Entwicklung der Wirtschaft hat für China Vorrang vor dem Klimaschutz. Chinas Führung sieht vielmehr die reichen Staaten am Zuge, die schon seit Jahrzehnten ihren Dreck in die Luft schleudern. "Sie haben die Verpflichtung, den Entwicklungsländern in ihren Bemühungen gegen den Klimawandel finanzielle und technische Hilfe zu leisten", sagte Ma Kai, Minister der Pekinger Reform- und Entwicklungskommission, im Sommer beim G8-Gipfel in Heiligendamm. Vergangene Woche wiederholten Ministerpräsident Wen Jiabao und ein Außenministeriums-Sprecher diese Haltung noch einmal. Auf der Klima-Konferenz in Bali geht es nun darum, China zu festen Zusagen zu bewegen. » zurück |
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