AktuellAKTION zu Agrosprit
Stoppt den Agrarsprit-Wahn der EU!"Rettet den Regenwald" e.V., 27.6.08Am 7. Juli 2008 wird der Ausschuss für Umweltfragen über die Erneuerbare-Energien-Richtlinie abstimmen und am 16. Juli der Industrieausschuss. Die Erneuerbare-Energien-Richtlinie beinhaltet ein 10% Agrokraftstoff-Ziel für den Verkehrssektor. Bereits das derzeitig geltende 5,75% Agrokraftstoff Ziel und die von der EU erklärte Absicht, dieses bis 2020 auf 10% weiter zu erhöhen hat bereits zu groß angelegten Flächenumwandlungen auf Agrosprit-Monokulturen auf der ganzen Welt sowie Investitionen in Raffinerien und Infrastruktur, einschließlich Straßen, den Ausbau von Flüssen sowie Kanälen und Häfen geführt, die insbesondere die weltweit letzten großen tropischen Waldgebiete zerstören. Die von der Europäischen Kommission vorgelegten "Nachhaltigkeitskriterien" sind völlig unzureichend. Sie umfassen keine sozialen Kriterien – d.h., sie erlauben auch im Zusammenhang mit Menschenrechtsverletzungen erzeugten Agrokraftstoff als "nachhaltig einzustufen, sie lassen viele große und artenreichen Gebiete wie zum Beispiel den brasilianischen Cerrado ungeschützt, und sie beinhalten Standard-Werte für Treibhausgase, die im Widerspruch zu per Peer-Review (Kreuzgutachtung) abgesicherten Studien stehen. Doch selbst wenn die Nachhaltigkeitskriterien verstärkt würden, könnten sie immer noch nicht indirekte Auswirkungen berücksichtigen, d.h. die Tatsache, dass höhere Rohstoffpreise bereits zu großen Expansionen von Agrosprit-Monokulturen auf Kosten der Kleinbauern und ländlichen Gebiete, der Nahrungsmittelproduktion, Regenwälder, Feuchtgebiete und anderer der artenreichsten Ökosysteme der ganzen Welt geführt haben. Nur ein Stopp für Agrokraftstoffe kann weitere Schäden verhindern. Bitten Sie die Abgeordenten des Europaparlaments, gegen die Beimischungsziele von Agrosprit zu stimmen und ein Moratorium für Agrosprit zu unterstützen. Abgesehen von der Unterzeichnung des unten stehenden Schreibens, das an alle Mitglieder des Europäischen Parlaments verschickt wird , wäre es sehr hilfreich, wenn Sie sich auch an ihren EU-Abgeordneten direkt wenden könnten – per eigenem Schreiben, Telefon oder persönlichem Treffen. Zur AKTION Affen oder Margarine?Elfenbeinküste: Palmölplantagen zerstören ihre letzten RückzugsgebieteVon Roland Knauer, Hamburger Abendblatt, 28.6.08 Leipzig - Von den Toten wiederauferstanden, nur um kurz danach für Margarine sein Leben erneut zu verlieren - die Geschichte dieses Stummelaffen in Westafrika ist so verblüffend wie sein Name: Miss Waldrons Roter Stummelaffe heißt die Unterart, die Wissenschaftler unter dem Namen Piliocolobus badae waldronae kennen. Seit 1978 war dieser Affe nicht mehr gesichtet worden, im Jahr 2000 wurde die Unterart für ausgestorben erklärt und war damit der erste Affe, der im 21. Jahrhundert von der Liste der lebenden Arten verschwand. Allerdings wurde der Totenschein ein wenig zu früh ausgestellt. Im März 2008 war sich Inza Kone von der Universität in Cocody an der Elfenbeinküste jedenfalls ganz sicher, Miss Waldrons Roten Stummelaffen noch einmal im Regenwald seines Heimatlandes gehört zu haben. Lange wird er aber kaum im Tanoé-Wald überleben, den das einheimische Unternehmen PALMCI bereits abholzt, um dort Ölpalmen anzubauen. Das Palmöl wiederum benötigt der Unilever-Konzern dringend, um daraus Margarine, Waschmittel und viele andere Substanzen zu machen. Unilever ist dann auch der Hauptaktionär von PALMCI an der Elfenbeinküste. Wie in vielen anderen Regionen Westafrikas auch haben die Menschen in diesem Land längst die meisten Wälder abgeholzt, um Felder für die eigene Ernährung oder Plantagen für den Export anzulegen. Die in den Baumkronen lebenden Tiere wie der Geoffroy-Stummelaffe (Colobus vellerosus) und die Diana-Meerkatze (Cercopithecus diana) verlieren mit jedem Hektar gerodeten Waldes aber ein Stück Heimat. Beide Arten sind weltweit daher extrem selten geworden, erklärt Paul N'Goran vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Der Wissenschaftler von der Elfenbeinküste untersucht im Rahmen seiner Doktorarbeit die Tierwelt seiner Heimat. Nur in den letzten Wäldern der Region wie dem Tanoé-Wald im Südwesten der Elfenbeinküste turnen diese Affen noch durch das Geäst, weiß der Forscher. Genau dort ist im März auch Miss Waldrons Roter Stummelaffe wieder aufgetaucht. Der Affenspezialist Inza Kone untersucht genau dort die Natur. Auf gerade einmal 120 Quadratkilometern und damit nicht einmal einem Sechstel der Fläche Hamburgs wächst in diesem Sumpfgebiet noch Regenwald, in dem die seltenen Arten nur so umherwimmeln. Kein Wunder, es ist schließlich einer der letzten Lebensräume, der ihnen geblieben ist. Wie lange sie dort noch überleben, weiß aber auch Inza Kone nicht. Denn der Wald ist bisher nicht geschützt. Zwar bereiten er und seine Kollegen ein Naturschutzgebiet vor, PALMCI und damit der britisch-niederländische Unilever-Konzern scheinen aber schneller zu sein. Die deutsche Unilever-Zentrale befindet sich in Hamburg. Da aus Palmöl viele weltweit begehrte Substanzen einschließlich Biosprit hergestellt werden, übersteigt die Nachfrage längst die Produktion. Viele neue Palmölplantagen können aber in Südostasien nicht mehr angelegt werden, weil dort der meiste Regenwald bereits abgeholzt ist. Also orientieren die Konzerne sich auf andere Weltregionen wie Westafrika - und erwischen dort dann eben die letzten Rückzugsgebiete vieler vom Aussterben bedrohter Arten. Längst hat PALMCI begonnen, den Sumpf trocken zu legen, auf dem der Tanoé-Regenwald wächst. Dabei entweicht jede Menge Kohlendioxid in die Luft, das den Treibhauseffekt kräftig verstärkt. Firma hat begonnen, den Sumpf trocken zu legen, auf dem der Tanoé-Regenwald wächst. Es ist die Heimat dreier bedrohter Arten. Der einsetzende Klimawandel dürfte den drei vom Aussterben bedrohten Affenarten dort allerdings egal sein, ihr Stündchen wird wohl sehr viel eher schlagen. In wenigen Monaten sollen die Bäume gefällt werden, in deren Kronen sie heute noch zu Hause sind. Ohne Baumkronen aber haben die Affen keine Chance und werden aussterben. Einmal mag Miss Waldrons Roter Stummelaffe ja von den Toten wiederauferstanden sein. Seine zweite Ausrottung durch die steigende Nachfrage nach Palmöl wird er aber kaum überleben, befürchtet Inza Kone. Palmöl statt Orang-UtansVon Joachim Schmitz, Neue Osnabrücker Zeitung, 30.6.08Es ist der Abend der bedrohten Tiere. Dank des einst so knuddeligen Knut sind die Eisbären zum Sinnbild für den Klimawandel geworden, und so startet die ARD heute ihre Reihe „Erlebnis Erde“ zur besten Sendezeit nach der „Tagesschau“ mit der Folge „Das Abenteuer der Eisbärenkinder“. Das wird wieder Millionen verzückter Zuschauer vor den Fernseher locken. Unter den Menschenaffen dieser Welt gibt es keinen Knut, doch so bedroht wie Eisbären sind die Orang-Utans allemal. Deshalb hätte auch die NDR-Reportage „Hier Bio – dort Tod“ einen besseren Sendeplatz als um Mitternacht verdient gehabt. Inge Altemeier schildert darin präzise, nüchtern und bedrückend, wie der Mensch seinem nächsten Verwandten den Garaus macht, nur um den eigenen Wohlstand noch ein bisschen mehr zu mehren. Deutsches Geld ist fast immer dabei. Palmöl heißt das vermeintliche „neue Gold“, das immer häufiger auch die Fratze des Teufelszeugs zeigt. Es ist in Schokolade, Margarine, Keksen, Waschmitteln und Lippenstiften enthalten. Es wird in der Viehfütterung eingesetzt und – auch in Niedersachsen – als Ersatzstoff für Diesel in Kraftwerken genommen. Und es wird immer mehr dem Biosprit beigemischt, der ja eigentlich unsere Umwelt schonen soll. Dafür wird auf Borneo, der Heimat der Orang-Utans, der jahrtausendealte Regenwald plattgemacht und in öde Palmölplantagen verwandelt, die nach 15 Jahren meist nicht mehr zu gebrauchen sind. Orang-Utans, deren Heimat der Regenwald ist, sind für die Plantagenbesitzer so etwas wie Nacktschnecken für einen deutschen Gärtner: Ungeziefer. Sie fressen gern die Palmöltriebe und haben ja ohnehin keinen Raum mehr zu leben – da kann man sie doch gleich umbringen. Die Filmautorin zeigt, wie so mancher gut gemeinte Versuch, etwas für die Umwelt zu tun, sich ins Gegenteil verkehrt. Auch wenn Altemeiers Film Bemühungen zum Schutz der Orang-Utans beschreibt, macht er nicht gerade Hoffnung. Aber für die besteht auch kein Anlass. Die Affen kann man sich ja im Zoo und im Fernsehen ansehen – wie die Eisbären, nur zu unterschiedlichen Sendezeiten. » zurück |
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