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Umweltschutz in Ecuador

Ecuador: Tauziehen um Demokratie und Umweltschutz

Von Gerhard Dilger, epd, 2.7.08

Quito/Porto Alegre (epd). Ecuador träumt von einer "Bürgerrevolution" - Kernstück: Eine neue Verfassung, an deren Ausarbeitung sich jeder beteiligen kann, der will. Doch jetzt knirscht es im Gebälk. Der Traum droht an der Realität zu scheitern. Denn die Teilnahme breiter Bevölkerungsteile braucht Zeit. Aber die geben die schlechten Umfragewerte von Präsident Rafael Correa nicht her.

Er wende sich dagegen, die Debatte und die Qualität des Textes dem Zeitdruck zu opfern, sagte der Präsident der verfassunggebenden Versammlung, Alberto Acosta, vergangene Woche und trat zurück. Davor war Acosta (59) ein enger Verbündeter Correas (45) und neben ihm die entscheidende Figur im Prozess um mehr Demokratie.

Doch Correa will durch die Paragrafen preschen. Er legte sich auf den 26. Juli als Termin für die Verabschiedung des neuen Grundgesetzes fest. Innerhalb von gut drei Wochen müssen in der Kleinstadt Montecristi, wo der Konvent seit November 2007 tagt, noch 400 Artikel verabschiedet werden. Anschließend werden die gut neun Millionen wahlberechtigten Ecuadorianer per Referendum über den Verfassungstext entscheiden.

Sieben Monate lang empfing Acosta Delgationen aus allen Landesteilen in Montecristi, reiste selbst durch das Land und warb für Partizipation. Ureinwohner und Afroecuadorianer, Schüler und Studenten, Gewerkschafter und Angehörige der urbanen Mittelschicht versprechen sich von der Regierung eine Umverteilung des Reichtums und mehr Chancengleichheit. Direkt beteiligen konnten sie sich durch Eingaben an eine der zehn Arbeitsgruppen oder über das Internet. "Unser Prozess wird nicht durch eine Führungsfigur ermöglicht, sondern nur durch die aktive Beteiligung breiter Bevölkerungsschichten", sagte Acosta.

Acosta ist einer der profiliertesten Intellektuellen bei der Debatte über einen lateinamerikanischen "Sozialismus des 21. Jahrhunderts". Auf seine Initiative hin wurden in der neuen Verfassung die Rechte der Natur verankert - ein weltweites Novum. "Die westliche Gesellschaft betrachtet die Natur nicht als Ganzes, sondern vor allem als Ressourcen, die ausgebeutet, verkauft oder gekauft werden müssen", sagt Acosta. "Das müssen wir ändern, bevor es zu spät ist".

2007, als grüner Energie- und Bergbauminister, hatte er seinen Freund Correa dazu bewegt, eine innovative Idee zum Klimaschutz zum Regierungsprojekt zu erklären. Demnach will Ecuador auf die Förderung von Erdöl in einem Amazonas-Regenwaldgebiet verzichten, wenn sich die internationale Gemeinschaft im Gegenzug an den Einnahmeausfällen beteiligt - es geht um 350 Millionen US-Dollar pro Jahr.

"Das wäre ein Einstieg ins Post-Erdöl-Zeitalter", meint Acosta. Mittlerweile hat der Vorschlag Furore gemacht. In Berlin forderte der Bundestag letzte Woche einstimmig die Bundesregierung dazu auf, das Projekt aus Ecuador zu unterstützen und auch international dafür zu werben. "Eine fantastische Nachricht", freute sich Acosta über das Signal aus Deutschland.

Der Konflikt um ein umweltfreundliches Wirtschaftsmodell, bei denen er die indianischen Bewegungen hinter sich weiß, ist derzeit von einem weiteren überschattet: Es geht um die Frage der Demokratie. "Zu demokratisch" sei sein Freund, hatte Präsident Correa wiederholt geklagt. Nach Acostas Rücktritt fügte er hinzu: "Keiner ist unentbehrlich."

Wegen der hohen Inflation geriet Correa, der seit Januar 2007 amtiert, in den letzten Monaten unter Druck - und drängte immer vernehmlicher. Denn die Abstimmung über die Verfassung soll zugleich als Gradmesser seiner Popularität dienen.

Acosta hingegen ist vor allem um den Reformprozess besorgt. In Anspielung auf Correa bezeichnete er "autoritäre Praktiken" als größte Gefahr für die sogenannte Bürgerrevolution. Ohne Opposition sei Demokratie undenkbar. "Ein echter Revolutionär muss zuerst einmal ein guter Demokrat sein."







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