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Erzabbau in bras. Indigenenreservaten

Erzabbau in Brasiliens Indianergebieten steht vor Legalisierung

Bloomberg, 21.8.08

Die markant gestiegenen Rohstoffpreise führen Bergbaukonzerne auf der Suche nach neuen Vorkommen weltweit in immer abgelegenere Regionen. Amazonien, das weltweit größte zusammenhängende Waldgebiet, ist dabei keine Ausnahme.

Seit Jahrzehnten sind in der Region, die zu zwei Dritteln auf brasilianischem Staatsgebiet liegt, informelle Goldgräber, Garimpeiros genannt, illegal präsent. In den 1980er Jahren sorgten Goldfunde in der Region Serra Pelada im brasilianischen Bundesstaat Pará für den größten Goldrausch in der jüngeren Geschichte Brasiliens. Derzeit werden etwa eine Million Garimpeiros im Amazonasgebiet vermutet, die nach Gold, Diamanten und Zinn schürfen, sagt Marcelo Esteves Almeida vom geologischen Bundesinstitut Brasiliens.

Valeria Paye Pereira vom Stamm der etwa 1.100 Personen zählenden Tiriyó Indianer fasst ihre Erfahrungen mit den Eindringlingen knapp zusammen: "Die Garimpeiros bringen Gewalt, Seuchen, Alkohol und Prostitution". Derzeit kämpft die 34- jährige - eine von lediglich zehn Angehörigen ihres Stammes, die Portugiesisch sprechen - allerdings nicht im Amazonas gegen die Garimpeiros, sondern in Brasiliens Hauptstadt Brasília gegen ein neues Gesetz. Dieses soll den Bergbaukonzernen, darunter Cia. Vale do Rio Doce und Anglo American Plc ermöglichen, gemeinsam mit den 400.000 in der Region lebenden Indianern in ihren ausgewiesenen Indianerreservaten nach Erzvorkommen zu suchen und sie abzubauen.

"Eine Öffnung dieser Landstriche wäre großartig für die Branche", sagt Ailton Carlos Drummond de Oliveira, Berater der privaten Bergbaugesellschaft Mineração Caraíba SA mit Sitz in Jaguarari im Bundesstaat Bahia. "Fast die Hälfte der Fläche der Bundesstaaten Pará und Mato Grosso sind Lagerstätten von Erzen, heute aber für den Abbau nicht zugänglich", so Drummond de Oliveira weiter. Die Gesellschaft arbeitet derzeit an der Erschließung einer Goldmine im Westen des Bundesstaates Mato Grosso.

Befürworter des Gesetzes argumentieren, dass auf diesem Wege Gewalt und Umweltschäden wie Rodung als Folge der illegalen Bergbauaktivitäten eingedämmt werden könnten. Dieser Ansicht ist auch die staatliche Stiftung zum Schutz der indigenen Bevölkerung (FUNAI), die am Gesetzesentwurf mitgearbeitet hat. Die staatliche Umweltbehörde (IBAMA) schätzt, dass sechs Prozent der geschützten Indianerreservate im Amazonasbecken im Vorjahr von illegaler Rodung betroffen waren.

Das Gesetz sieht vor, Indianern vier Prozent an Lizenzeinnahmen zu gewähren und räumt indigenen Gruppen das Recht ein, Vereinbarungen für einen höheren Anteil an den Erträgen mit den Bergbaugesellschaften auszuhandeln. Die Urbevölkerung könnte auch die Zustimmung für den Abbau von Vorkommen verweigern oder kleinere Projekte auf einer Fläche von 100 Hektar genehmigen, so der Abgeordnete im Kongress Eduardo Valverde, einer der Initiatoren des Gesetzes. Nach Angaben von Erika Lopez Gemus Beltran, parlamentarische Staatssekretärin im brasilianischen Kongress, unterstützt auch Präsident Luiz Inacio Lula da Silva das Vorhaben.

Brasiliens Indianerreservate schließen landesweit eine Fläche von einer Million Quadratkilometer ein. Das sind etwa zwölf Prozent des Landes und ein Viertel des Amazonasbeckens, sagt Miguel Nery, Direktor der staatlichen Bergbaubehörde DNPM. Zum Vergleich: Die Fläche der Bundesrepublik Deutschland umfasst 357.092 Quadratkilometer. Nery zufolge liegen die Flächen in der Nähe der größten Eisenerz- und Nickelvorkommen und Diamantenminen in Lateinamerika. Esteves Almeida sagt, es sei zwar unmöglich zu schätzen, welche Vorkommen es exakt gebe, da die Reservate für die Exploration nicht zugänglich seien, aber es gebe "Anzeichen für sehr große Lagerstätten".

Die bisherigen Erfahrungen der Indianer im Umgang mit den Bergbaukonzernen belegen, dass es häufig Auseinandersetzungen gibt. 2006 kam es zu einer friedlichen Invasion der weltweit größten Eisenerzmine von Vale in Carajás. 200 Indianer vom Stamm der Xikrin verlangten Unterstützung beim Bau ihrer Häuser und die Reparatur von Straßen. Ein Gericht in Rio de Janeiro verurteilte den größten brasilianischen Bergbaukonzern zur finanziellen Unterstützung der Indianer. Auch im Gebiet von Xikrin do Catete im Bundesstaat Pará, wo Vale ein Nickelmine in der Nähe von Indianergebieten erschließt, kam es zu Auseinandersetzungen.







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