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Waldränder und Regenwaldzerstörung

The Ragged Edge - Noch Jahre nach dem Schweigen der Sägen stirbt der Regenwald

Die Randzonen, der nach einer Rodung verbleibenden, fragmentierten Restwälder, erleiden auch nach dem Schweigen der Sägen weitere hohe Vegetationsverluste.

Von U. Karlowski, Online-Artikel.de, 10.9.08

Durch Brandrodung und Zersetzung gefällter Bäume gelangen weltweit jährlich mehr als 2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre, ein Großteil davon stammt aus den Tropen. Dr. William Laurance vom brasilianischen National Institute for Research in the Amazon in Manaus betont jedoch, dass diese CO2 Emissionen um durchschnittlich 7 Prozent, in manchen Gebieten sogar um bis zu 42 Prozent höher angesetzt werden müssen. Ursache ist ein das „Ragged-Edge-Phänomen": Die Randzonen, der nach einer Rodung verbleibenden, fragmentierten Restwälder, erleiden auch nach dem Schweigen der Sägen weitere hohe Vegetationsverluste.

In einer 18 Jahre umspannenden Feldstudie untersuchten Dr. Laurance und sein Team die Treibhausgasemissionen von 66 isolierten Restwaldgebieten verschiedener Größe. Sie stellten fest, dass in deren Randregionen aufgrund ihrer vor starkem Wind und anderen extremen Klimabedingungen ungeschützten Lage Bäume und Unterholz verkümmern und absterben, statt weiterzuwachsen. Der Effekt war vom Waldrand aus noch bis zu 300 Meter ins Innere der Restwälder messbar und hält mindestens vier Jahre lang nach der eigentlichen Rodung an. In den ausgedünnten Zonen ging im Vergleich zu intakten Regenwäldern mehr als ein Drittel an Biomasse verloren. Bei der Zersetzung dieser toten organischen Masse durch Pilze und Bakterien entstehen erhebliche Mengen an Methan, im Holz gespeichertes CO2 wird freigesetzt, beides Hauptverursacher des Treibhauseffekts. Gleichzeitig geht durch diese zusätzlichen Vegetationsverluste Biomasse verloren, die CO2 aus der Atmosphäre absorbieren könnte.

In einem Nachfolgeprojekt berechneten die Wissenschaftler mittels Computersimulationen die sich aus den Verlusten ergebenden CO2-Emissionen für verschiedene in Amazonien typische Fragmentierungs-Szenarien. Sie simulierten drei Abholzungsmethoden mit Abholzungsgraden von jeweils 5 bis 95 Prozent: Die vielen kleinflächigen Parzellen der Kleinbauern im südlichen Amazonien, die großflächige Abholzung für Rindergroßfarmen im östlichen Amazonien - beide zusammen sind für den Großteil der Tropenwaldverluste im Amazonasgebiet verantwortlich - sowie ein Zufallsszenario, bei dem wilde Rodungen simuliert wurden.

Die höchsten Kohlenstoffmengen gingen - bei jeweils allen Abholzungsgraden - bei unkontrollierter Rodung und bei dem Kleinbauernparzellen-Szenario verloren. Aufgrund der hier auftretenden größeren Zahl fragmentierter Restwälder war der zusätzlich auftretende Wald- und CO2-Verlust zwei- bis fünfmal höher als bei Rodungen für Rindergroßfarmen, bei denen vergleichsweise große und einheitliche Restwälder zurückbleiben. Als besonders anfällig für Vegetationsverluste erwiesen sich, selbst bei geringem Abholzungsgrad, unkontrolliert gerodete Waldflächen mit ihren meist sehr unregelmäßig verlaufenden Waldrändern.

Nach den Berechnungen von William Laurance betragen die durch das „Ragged-Edge-Phänomen" verursachten zusätzlichen CO2-Emissionen im brasilianischen Amazonasgebiet zwischen 3 und 15,6 Millionen Tonnen und zwischen 22 und 149 Millionen Tonnen in allen tropischen Wäldern. Diese Zahlen erscheinen zunächst eher unspektakulär. „Man muss sich vergegenwärtigen, dass die in den vielen kleinen Restwäldern auftretenden Kohlenstoffemissionen einer jährlich zusätzlich zerstörten Regenwaldfläche von 150.000 bis 1,1 Millionen Hektar entsprechen", sagt Laurance, der gleichzeitig darauf hinweist, dass seine Ergebnisse das Problem nicht einmal in seinem ganzen Ausmaß widerspiegeln.

Seine Flächen zur Messung des Biomasseverlustes waren von Aufforstungswäldern umgeben und so relativ windgeschützt. Normalerweise sind Waldreste, die bei der Urbarmachung von Viehweiden und Feldern verbleiben, völlig ungeschützt. Laurance und seine Kollegen fordern daher, dass bei Rodungsmaßnahmen die Entstehung fragmentierter Restwälder weitgehend vermieden wird.







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