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Nicaragua: Deutsche Steuergelder zerstören Umwelt

"Rettet den Regenwald" e.V. Pressemitteilung, 19.1.12

In Nicaragua verstehen die Kleinbauern der Kooperative von El Castillo die Welt nicht mehr. Mit viel Aufwand bildeten sie sich in den letzten Jahren fort, um verschiedene landwirtschaftliche Produkte ökologisch nachhaltig anzubauen. Diese Arbeit hat ihr Leben grundlegend verbessert. Doch nun werden ihre Felder von einer Palmölplantage bedroht. „Das Kuriose daran ist, dass sowohl die Ausweitung der Plantage als auch die Bauern von der deutschen Entwicklungshilfe finanziell unterstützt werden“, wundert sich Saúl Obregón von der Organisation Fundacion del Rio. „Dabei bedrohen die Palmöl-Monokulturen die jahrelange Arbeit der Bauernkooperative und unsere Umwelt.“

Leeres Versprechen der Palmölindustrie

Die Plantage der Aktiengesellschaft Palmares de El Castillo SA (PALCASA) umfasst bereits 4000 Hektar und gehört laut Medienberichten Ramiro Ortiz, einem der mächtigsten Unternehmer des zentralamerikanischen Landes. Aus den Palmfrüchten von PALCASA sollen Speiseöl und Agrodiesel hergestellt werden. In der Anfangsphase rodete das Unternehmen Wald zum Aufbau der Plantage. Da in unmittelbarer Nähe des Projektes das streng geschützte Biosphärenreservat Indio Maíz liegt, schritten die Behörden ein. Um trotzdem weiteres Land zu bekommen, versprach das Unternehmen den Bauern Arbeit und gutes Einkommen. Dafür verkauften mehrere Familien ihre Höfe und gaben die Landwirtschaft auf. Auf diesem Land soll die Plantage jetzt erweitert werden – mit 5,4 Millionen Euro der staatlichen Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), einer Tochter der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bankengruppe). Ende 2010 ließ die DEG die Palmöl-Plantage durch das deutsche Unternehmen Unique als Forstinvestment prüfen. Auf Nachfrage erklärt Unique: „Die Mehrzahl der Bauern bereut den Landverkauf. Außerdem hat die Plantage vermutlich auch das Wasser verseucht." Unique und das Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) bestehen aber darauf, dass „der Anbau der Ölpalme in der Region eine intelligente Landnutzung“ sei.

Die Bauernkooperativen – Erfolgsprojekt ohne Zukunft?

Saúl Obregón bestätigt, dass die Bauern wie versprochen eine Arbeit auf den Plantagen bekommen hätten. „Das Problem jedoch ist, dass die Löhne so niedrig sind, dass sie den Verkauf der Höfe nicht aufwiegen können.“ Dabei ist die kleinbäuerliche Landwirtschaft in der Region Rio San Juan im Südosten des Landes ein Erfolgsprojekt. Seit 2002 werden die Bauern in ökologischem Landbau geschult und bauen in Mischkultur Früchte zur Selbstversorgung und zum Verkauf an. Sie kultivieren unter anderem Mais, Bohnen und Orangen. Die Weiterbildung übernahm die nicaraguanische Nichtregierungsorganisation ADDAC, teilweise finanziert durch die GIZ. Das Projekt sollte den Einwohnern von El Castillo ein nachhaltiges Einkommen sichern und verhindern, dass sie aus Not im Biosphärenreservat holzen und wildern, um zu überleben.

Einzigartige Artenvielfalt - das Biosphärenreservat Indio Maíz

Indio Maíz im Südosten Nicaraguas ist das zweitgrößte Regenwaldschutzgebiet des Landes. Im Reservat leben 70-80 Prozent aller Tierarten des zentralamerikanischen Staates, ein Fünftel davon sind bedrohte Spezies – zum Beispiel große Raubkatzen wie der Jaguar und seltene Seekühe. Außerdem ist es ein einzigartiges Vogelschutzgebiet mit mehr als 270 verschiedenen Arten. Da Indio Maíz direkt an die Palmölplantage angrenzt, verfassten nicaraguanische Umweltgruppen schon 2006 eine Petition gegen das Monokultur-Projekt. Drei nicaraguanische Umweltgruppen, das Humboldt-Zentrum, Fundación del Rió und die Luciernaga Stiftung dokumentieren in einer Studie und einem Film die negativen Umweltauswirkungen der Plantage.

Vor allem die Bedrohung des Ökosystems durch veränderte Bodennutzung, den Einsatz von Chemikalien und die Änderung der lokalen Sozialstruktur wird immer wieder betont. Für die Menschen in der Gemeinde El Castillo ist die Arbeit auf der Plantage nicht mehr attraktiv. „Deswegen kommen Arbeitskräfte von außerhalb, die sich auch illegal im Reservat Indio Maíz niederlassen und dort Bäume fällen“, berichtet Obregón.

Er kritisiert zudem die Landkonzentration in den Händen eines einzigen Unternehmens. Dadurch kommt es zum klassischen Landkonflikt mit einem Großunternehmen, bei dem Kleinbauern immer benachteiligt sind. „Was kann denn intelligenter sein als eine Landnutzung, die Umwelt und Menschen schützt?“, fragt er. „Die Erfahrung der letzten zehn Jahre zeigt doch, dass die Kleinbauern in Rio San Juan eine Landwirtschaft betreiben, welche Umwelt und Menschen gut tut. Die Ölpalme ist für uns keine Lösung."

Bitte fordern Sie von den verantwortlichen Ministern und Institutionen, dass Ihre Steuergelder nicht für umweltschädliche Projekte verschwendet werden. Sie unterstützen mit Ihrer Unterschrift auch die Kleinbauern, die sich gegen eine weitere Zerstörung ihres Lebensraumes wehren.

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