Aktuell


Rekordabholzung in Amazonien

Greenpeace warnt: Bereits 907 Brände im Amazonas-Regenwald

Höchste Anzahl an Juni-Bränden seit zehn Jahren - Umweltschutzorganisation fordert effektiven Waldschutz und EU-Maßnahmen.

Greenpeace Österreich Pressemitteilung, 30.6.20

So sind zwischen 1. und 15. Juni bereits 907 Waldbrände im Amazonas ausgebrochen. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres ist das ein Anstieg um 38,8 Prozent. Während Brasilien derzeit mit der COVID-19-Pandemie kämpft, wird der Amazonas-Regenwald ungehindert abgeholzt, zerstört und für Rohstoffe wirtschaftlich ausgebeutet – gelegte Feuer und Kahlschläge führen wiederum dazu, dass große Waldbrände ausbrechen und sich rasch ausbreiten können.

Da die EU wichtiger Importeur von Rohstoffen aus Brasilien ist, fordert Greenpeace nun von der EU, Verantwortung zu übernehmen: Die EU-Kommission muss mit einem neuen Gesetzesrahmen dafür sorgen, dass keine Produkte aus Amazonas-Zerstörung in die EU gelangen.

„Die aktuellen Regenwaldbrände sind erst der Anfang. In den nächsten Wochen und Monaten wird im Amazonas Trockenheit herrschen. Gleichzeitig peitscht die brasilianische Regierung unter Jair Bolsonaro eine wirtschaftsgetriebene Anti-Umweltpolitik voran – das sind die perfekten Voraussetzungen für Viehzüchter und Landräuber, um den Regenwald anzuzünden und zu zerstören”, erklärt Lukas Meus, Waldexperte bei Greenpeace in Österreich.

Die aktuellen Brände sind ein trauriger Rekord: Seit 2009 gab es in diesem Zeitraum nicht mehr so viele Feuer wie aktuell. Die Daten ermittelte das Nationale Institut für Weltraumforschung INPE mit einem thermischen Satelliten. Dieser identifiziert sogenannte Hotspots – Flächen, die aufgrund extrem hoher Temperaturen als Brände identifiziert werden können. Ein Großteil der Feuer wird von Menschen gelegt, die die Flächen für wirtschaftliche Zwecke nutzen – wie zum Beispiel Rinderfarmen. Üblicherweise wird dafür zuerst der Regenwald abgeholzt. Was übrig bleibt, wird in der Trockenzeit in Flammen gesetzt. „Wird mehr abgeholzt, werden auch die Waldbrände verheerender.

Letztes Jahr wurden im Amazonas-Regenwald so viele Bäume gerodet wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Eine Fläche größer als Kärnten wurde zerstört. Es ist anzunehmen, dass die Brände im Amazonas-Regenwald dieses Jahr vermutlich noch heftiger als vergangenes Jahr wüten werden”, so Meus.

Die EU-Kommission kündigte in ihrer Biodiversitätsstrategie an, nächstes Jahr einen neuen Gesetzesrahmen vorzulegen, mit dem sie Verantwortung für die globalen Wälder übernehmen will. Greenpeace fordert von der EU ein neues, starkes EU-Waldgesetz, mit dem der Import von Rohstoffen aus Regenwaldzerstörung verboten wird. Denn die EU importiert beispielsweise Rindfleisch und Soja aus Brasilien.

„Der Amazonas-Regenwald geht für wirtschaftliche Zwecke in Flammen auf. Die EU macht sich mitverantwortlich, wenn sie weiterhin Rohstoffe und Produkte aus Regenwaldzerstörung importiert. Die EU-Kommission muss dazu beitragen, dass das jährlich wiederkehrende Flammeninferno im Amazonas ein Ende nimmt”, sagt Meus.


Alarm in Amazonien

Abholzung im Amazonas steuert auf neues Zehnjahreshoch zu

WWF Pressemitteilung, 21.6.20

Berlin: Die Zerstörung des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes steuert neuen Höchstwerten entgegen: In den ersten fünf Monaten dieses Jahres gingen im weltgrößten Tropenwaldge-biet über 2.000 Quadratkilometer Wald verloren, wie das brasilianische Weltrauminstitut INPE mitteilte. Das entspricht einem Anstieg von 34 Prozent gegenüber dem gleichen Zeit-raum im Vorjahr und 49 Prozent mehr als dem Durchschnitt der letzten vier Jahre (2016 bis 2019). Besonders betroffen waren die Bundesstaaten Pará, Amazonas und Mato Grosso. „Der Amazonas steuert auf eine existenzielle Katastrophe zu“, warnt Roberto Maldonado, Brasilien-Referent beim WWF Deutschland. „2019 hatten wir die höchste Zerstörung seit zehn Jahren und nun deutet alles darauf hin, dass 2020 ein noch schlimmeres Jahr für den Regenwald wird. Erreichen wir nicht bald eine Trendumkehr, könnte der Amazonas lang-fristig verloren gehen.“

Insgesamt sind bereits rund 20 Prozent des ursprünglichen Amazonas-Regenwaldes zerstört. Wissenschaftler rechnen damit, dass der Kipp-Punkt bei spätestens 25 Prozent zerstörter Fläche erreicht ist. Ab diesem Moment könnte das Ökosystem derart gestört sein, dass der Amazonas seine Funktion als Klimaanlage der Erde verliert und sich großflächig in eine Steppe verwandelt.

Laut WWF hat die Entwaldung vor allem politische Gründe. Präsident Bolsonaro setze alles daran, die kurzfristigen Interessen der Agro-Lobby durchzusetzen. Seit seinem Amtsantritt seien die Behörden, die den Schutz des Waldes überwachen und durchsetzen, durch Mittelkürzungen massiv geschwächt worden. „Die Botschaft, wonach illegales Holzfällen oder Landgrabbing geduldet werden, ist angekommen. In Teilen des Amazonas herrschen heute Wildwest-Zustände. Die Konsequenz dieser Politik können wir nun beobachten – Schutzgebiete und indigene Territorien sind quasi zum Abschuss freigegeben. Die Leidtragenden sind nicht nur die Umwelt, sondern auch die Indigenen sowie die große Mehrheit aller Brasilianerinnen und Brasilianer.“

Angefeuert werde die Zerstörung aktuell durch die Corona-Pandemie, von der Brasilien besonders stark betroffen ist. Eine kürzlich vom WWF veröffentlichte Analyse zeigt, dass die Entwaldung im größten Land Südamerikas während des ersten „Corona-Monats“ März um über 50 Prozent in die Höhe geschnellt ist im Vergleich zu den Vorjahren, weil die staatlichen Kontrolleure deutlich weniger präsent seien. Zeitgleich versucht die Regierung Bolsonaro während der Pandemie, den Schutz des Amazonas gezielt aufzuweichen. Das geht aus einem Video einer Kabinettssitzung der brasilianischen Bundesregierung hervor. Darin fordert Umweltminister Ricardo Salles entsprechende Gesetzesänderungen zur Liberalisierung und Vereinfachung von Rodungen. Das aktuelle Zeitfenster müsse genutzt werden, um die Reformen ohne einen gesellschaftlichen Aufschrei durchzusetzen. Gemeinsam mit anderen brasilianischen Nichtregierungsorganisationen forderte der WWF den Rücktritt Salles'.

Daneben weisen die Umweltschützer auch auf die Verantwortung anderer Staaten und ausländischer Unternehmen hin. Deutsche und europäische Unternehmen müssten dringend ihre Lieferketten überprüfen und entwaldungsfrei gestalten. Das gelte insbesondere für Firmen, die Soja oder andere Agrarrohstoffe aus Brasilien beziehen bzw. in ihren Lieferketten haben. Von der deutschen Bundesregierung erwartet der WWF, sich in den Verhandlungen um das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten für bessere soziale und ökologische Standards einzusetzen. Dringend notwendig sei darüber hinaus eine EU-weite Gesetzgebung zu entwaldungsfreien Lieferketten. Es dürften keine Waren importiert werden, für die der Regenwald abgeholzt wurde. Dieser Grundsatz müsse verbindlich gelten und nicht vom Gutdünken einzelner Unternehmen abhängen. Die Europäische Union habe hier eine besondere Verantwortung – rund ein Sechstel aller hier gehandelten Lebensmittel trügen zur Entwaldung in den Tropen bei.


Goldrausch im Amazonas: Illegaler Abbau zerstört den Regenwald

Wo Goldgräber in Brasilien und anderen Ländern Südamerikas Schneisen in den Wald schlagen, erholt sich der Wald nur schwer. Die Auswirkungen können, auch in Hinblick auf das Klima, gravierend sein. Während der Corona-Krise hat der Goldrausch noch mehr zugenommen.

Redaktionsnetzwerk Deutschland, 1.7.20

https://www.rnd.de/wissen/goldrausch-im-amazonas-illegaler-abbau-zerstort-den-regenwald-ADVEUMP67RJFHX345HM22IVLVE.html


Sabotage-Vorwurf gegen Militärs am Amazonas Brasiliens

Anfang Mai schickte Brasiliens Präsident Bolsonaro die Streitkräfte nach Amazonien. Sie sollten die massive Zerstörung des Regenwaldes eindämmen. Nun stehen sie selbst im Verdacht den Einsatz von Umweltschützern in Amazonien zu sabotieren.

Blickpunkt Lateinamerika, 29.6.20

https://www.faz.net/aktuell/finanzen/investoren-rufen-brasilien-zu-ende-von-amazonas-abholzung-auf-16828616.html


Weite öffentliche Flächen in illegalem Privatbesitz

Fast ein Viertel des Regenwaldes im brasilianischen Amazonas-Gebiet auf öffentlichem Grund, das für keinen bestimmten Nutzen vorgesehen ist, befindet sich illegal in Privatbesitz.

Deutschlandfunk, 27.6.20

https://www.deutschlandfunk.de/amazonas-weite-oeffentliche-flaechen-in-illegalem.2850.de.html?drn:news_id=1145348




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