AktuellWWF zur Flutkatastrophe
Dienstag, 4. November 2003 Sumatra: Abholzung begünstigte FlutkatastropheWWF bestürzt angesichts der Zerstörung im Gunung Leuser NationalparkDer WWF hat mit Bestürzung auf die Nachrichten von der indonesischen Insel Sumatra reagiert, wo gestern durch eine Springflut mindestens 67 Menschen ums Leben kamen. Ein weiteres Opfer der Wassermassen wurde die Bohorok-Station zur Auswilderung von Orang Utans, die 1973 vom WWF und von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt gegründet wurde. Martin Geiger, Tropenwaldexperte des WWF: "Der Verlust der Station in Bukit Lawang ist ein schwerer Rückschlag im Kampf um die Rettung der vom Aussterben bedrohten Menschenaffen. Die Station bemühte sich um die Auswilderung von Orang Utans, die unter unwürdigen Bedingungen als Heimtiere gehalten und deshalb von den Behörden konfisziert wurden." Allein im Gunung Leuser Nationalpark verschwinden aufgrund unbarmherziger Wilderei jedes Jahr Hunderte Orang Utans. Neben der Wilderei leiden die seltenen Tiere vor allem unter der Zerstörung ihrer Lebensräume. Indonesiens Regenwälder werden schneller abgeholzt und abgebrannt als irgendwo sonst auf der Erde. Dazu Martin Geiger: "Die Woge der Zerstörung macht auch vor Nationalparken wie Gunung Leuser nicht halt. Zu den größten Problemen zählen der illegale Holzeinschlag, Straßenbau und die Umwandlung des Regenwalds in Agrarflächen." Die Waldzerstörung führe verstärkt zu Erosion, so dass der Wald seine Funktion als Wasserspeicher nicht mehr ausreichend wahrnehmen könne. Das habe die gestrige Flutkatastrophe am Bohorok-Fluss begünstigt. Der Gunung Leuser Nationalpark liegt im Norden Sumatras. Auf etwa 800.000 Hektar erstreckt sich eines der letzten Paradiese der Erde, das Tigern, Nashörnern und Elefanten als Zufluchtsort dient. Auch die meisten der letzten 9.000 Sumatra Orang-Utans suchen hier Schutz. Die Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten ist einzigartig: Etwa 700 verschiedene Säugetiere, Vögel, Reptilien und Amphibien sind im Nationalpark heimisch. Von den 10.000 Pflanzenarten der gesamten westlichen Indo-Malayischen Region wachsen 45 Prozent in Gunung Leuser. Darunter die Rafflesia, die größte Blütenpflanze der Erde, und Amorphophallus, die Pflanze mit der welthöchsten Blüte. Für viele Touristen war die Beobachtung der Menschenaffen in Bukit Lawang fester Bestandteil einer Reise nach Sumatra. WWF-Experte Geiger: "Auge in Auge konnte der Besucher mit den Orang Utans zu Mittag essen und dabei einmalige Urlaubsfotos schießen. Die Menschen im und um den Nationalpark verdienten dank der Touristen Geld mit der noch vorhandenen Natur. Die Station in Bukit Lawang leistete einen wichtigen Beitrag zur Rettung der Menschenaffen." Der WWF hofft, dass die Arbeit in der Station so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden kann. Quelle/Text: WWF Dienstag 4. November 2003, 16:53 Uhr Flutkatastrophe auf Sumatra wegen Raubbau an der UmweltBukit Lawang/Indonesien (AP) Raubbau an der Natur war die Ursache der Flutkatastrophe, der wahrscheinlich mehr als 200 Menschen zum Opfer gefallen sind. Aus den Trümmern des Dorfes Bukit Lewang bargen die Einsatzkräfte bis Dienstag 85 Tote, unter ihnen auch zwei Deutsche und zwei Österreicher. Für 123 Vermisste gab es kaum noch Hoffnung auf ein Überleben. «Sie sind entweder unter den Trümmern oder den Fluss hinab gespült worden», sagte ein Regierungssprecher der indonesischen Provinz.Hunderttausende gefällter Bäume stauten nach seinen Angaben den aus den Bergen kommenden Fluss Bahorok. Als der Wasserdruck zu groß wurde, ergossen sich die Fluten über das Dorf Bukit Lawang. «Die Flut von Bukit Lawang sollte für die Regierung ein Alarmzeichen sein», sagte der Leiter der größten indonesischen Umweltschutzorganisation Walhi, Longgena Ginting. Vor der Sturzflut am Sonntagabend hatte es tagelang geregnet. Der Bahorok schwoll an und riss mehrere Gästehäuser mit sich fort. Dort hielten sich Touristen auf, die ein Orang-Utan-Schutzgebiet im Nationalpark Leuser besuchen wollten. Die größtenteils illegalen Rodungen gefährden auch die auf Sumatra lebenden Tiger und Orang-Utans. Dienstag 4. November 2003, 12:30 Uhr 200 Fluttote auf Sumatra befürchtetJakarta/Singapur (dpa) - Die verheerenden Überschwemmungen in einer Urlauberregion auf der indonesischen Insel Sumatra haben bis zu 200 Menschen das Leben gekostet. Bis zum Dienstag bargen Retter 100 Leichen.Weitere rund 100 Menschen wurden den Behörden zufolge noch vermisst. Für sie gab es aber kaum noch Hoffnung. Nach offiziellen Angaben vom Dienstag sind unter den Opfern der Flutkatastrophe zwei deutsche Touristinnen im Alter von 20 und 26 Jahren, ein 30-jähriger Niederländer und ein 31 Jahre alter österreichischer Tourist. «Ich dachte an Lastwagen, als das donnernde Geräusch kam. Aber dann knallte plötzlich die Tür auf und das Wasser kam herein», erinnert sich Bin (55) an die Nacht zum Montag, als nach schweren Regenfällen der Fluss Bahorok plötzlich über die Ufer trat. «Gott sei Dank haben meine Familie und ich überlebt. Alle meine Nachbarn sind tot», sagte der Vater von fünf Kindern der dpa. Familie und Nachbarn habe er zur Flucht geraten, als die Fluten heranrauschten, erzählt er. Doch nur die Angehörigen hätten gehört. Entlang des braun-schlammigen Bahorok, rund 80 Kilometer nordwestlich von Medan, der Hauptstadt Nordsumatras, bietet sich ein Bild völliger Verwüstung: Mitgerissene Baumstämme türmen sich meterhoch, von den einfachen Siedlungen am Ufer sind nur noch Trümmer aus Blechdächern und leichten Holzwänden übrig. Mehr als 400 Häuser rissen die Fluten mit sich, darunter zahlreiche Touristenbungalows. Das Wasser und die gewaltigen Baumstämme, die es mit sich führte, rissen alles weg, was sich ihnen in den Weg stellte. «Rettungskräfte haben sogar noch Leichen in 30 bis 40 Kilometer Entfernung gefunden, berichtet Bonar Pasaribu vom Katastrophenschutzzentrum des Unterbezirks Baharok. Dabei war es gerade die ungezügelte Natur Nordsumatras, die die Touristen an das Ufer des Bahorok gelockt hatte. In einer bekannten Auswilderungstation für Orang Utans ließen sich die gefährdeten Menschenaffen aus der Nähe beobachten. Der dichte Dschungel und reißende Ströme boten zivilisationsmüden Urlaubern im berühmten Gunung-Leuser-Nationalpark Trekking- und Rafting-Touren. Für Ortskundige liegt auf der Hand, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Illegale Holzfäller hätten, angetrieben von mächtigen Geschäftsleuten, rund um den Leuser-Park bereits große Teile des Waldes gerodet, der das Wasser hätte zurückhalten können, sagt der Chef des Bezirks Langkat, Syamsul Arifin. Zugleich hätten sich zahlreiche Menschen trotz Verbots am Flussufer niedergelassen, die am Geschäft mit den Urlaubern teilhaben wollten, berichtet Pontas Panggabean vom Tourismusbüro Nordsumatra in Medan. Beides zusammen habe die Katastrophe erst möglich gemacht. Rund 100 Millionen Dollar (87,2 Millionen Euro) erhält die Verwaltung des Leuserparks von der Europäischen Union im Rahmen eines Programms, um den Forstbestand zu erhalten. «Und jetzt sollen auch noch Straßen durch den Leuser gebaut werden, was den Wald nur noch mehr öffnet», klagt Mike Griffiths, Berater des EU-Programms. «Man kann sich vorstellen, welches Ausmaß an Überflutungen wir dann zu erwarten haben.» » zurück |
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