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Greenpeace Tagebuch Amazonien Teil 3

Amazonas-Reisetagebuch Teil 3

Greenpeace-Online, 8.11.03

Gurupá, 6.11.2003 - Ein riesiger Holzstapel versperrt uns den Weg. Wir sind mit dem Flussschiff auf dem Amazonas unterwegs. Unser Ziel: eine Schule mitten in Pará, westlich von Belém und Zentrum der Holzmafia. Doch wir kommen nicht weiter, wir stecken fest.

Das Holz liegt auf einem Floß, und das liegt quer. Es sind rund 150 Stämme, darunter Ipê, Maçaranduba und Angelim Vermelho. Letzteres ist ein sehr hartes Holz und hat zudem Silikate eingelagert - Minerale, die das Fällen von Angelim Vermelho fast unmöglich machen. Bei der Bearbeitung werden die Sägen stumpf oder gehen kaputt. Deshalb ist Angelim Vermelho nicht sehr beliebt. Doch die Holzfäller können inzwischen nicht mehr wählerisch sein: Die begehrtesten Holzarten wie Mahagoni sind selten geworden.

Fünf Uhr Freitagmorgen: Der Wecker klingelt. 5:45 Uhr: Wir checken aus dem Hotel aus, in dem wir in Belém untergebracht waren. Zwei Taxis bringen Dave, den Logistik-Koordinator aus Schottland, Merel, die Kids-for-Forests-Beauftragte aus Holland, Fernando, unseren Piloten aus Brasilien, und uns zwei zum Flughafen. Fernando soll uns und unser Mordsgepäck mit einer Cessna nach Gurupá bringen.

Etwas schwerfällig arbeitet sich das kleine Flugzeug nach oben. Sobald wir in der Luft sind, ist klar, dass die Cessna das Gewicht meistert, hat Fernando gesagt. Trotzdem: Spannend bleibt es während des ganzen Fluges. Fast zwei Stunden lang sehen wir den Amazonas aus der Vogelperspektive, erspähen Urwaldriesen, intakten und kaputten Urwald.

Neun Uhr: Es ist beruhigend, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Fernando fliegt sofort nach Belém zurück und verabschiedet sich aus der Luft, indem er eine haarscharfe Kurve über unsere Köpfe zieht. Bald haben wir den Hafen und das Flussschiff erreicht. Wir sind entzückt: Etwa 20 Meter lang, hellblau, überall Hängematten, unsere Betten für die nächsten 20 Nächte.

Keine Zeit zum Verschnaufen. Wir sind nicht zum Vergnügen hier, obwohl es schon ein Privileg ist, in dieser Umgebung arbeiten zu dürfen. Es geht sofort weiter zum "Project of FASE", wie Greenpeace eine Nicht-Regierungsorganisation. "FASE" steht für "Federation of entities working for social welfare and education". Das "Project of FASE" hat zum Beispiel eine Schule aufgebaut, um Kindern beizubringen, mit ihrer Umwelt sorgsam umzugehen. Außerdem hilft das Projekt Familien, so zu wirtschaften, dass sie mit Wasser und Wald nachhaltig umgehen. In der Mittagshitze führt uns der Bürgermeister durch die Stadt.

Es ist bemerkenswert, wie freundlich wir in Gurupá empfangen werden. Im Bundesstaat Pará ist nicht jeder gut auf Greenpeace zu sprechen. Viele Städte stehen unter dem Einfluss der Holzmafia, unserer Gegner. Die Menschen in Gurupá jedoch haben sich entschlossen, den Kampf gegen die Urwaldzerstörung aufzunehmen - und sind froh um unsere Unterstützung.

Die Richterin der Stadt Gurupá ist eine durchsetzungsfähige Frau und trägt eine Menge Verantwortung. Wenn illegal eingeschlagenes Holz gefunden wird, entscheidet sie, was damit geschieht. So auch bei dem Holzstapel, der uns den Weg vom Dorf zur Schule versperrt.

Die brasilianische Umweltbehörde IBAMA hat ihn bereits beschlagnahmt. Jetzt wird die Richterin dafür sorgen, dass die Holzhändler leer ausgehen und um den Profit gebracht werden. Jemand anderes wird das Holz bekommen - eine Stiftung vielleicht, die durch den Weiterverkauf des Holzes Gutes tun kann. Die Bäume, die für dieses Holz eingeschlagen wurden, rettet das nicht mehr. Doch es ist ein Symbol gegen illegalen Holzeinschlag und für die friedliche Nutzung der letzten Urwälder dieser Erde.


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