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Greenpeace Tagebuch Amazonien Teil 11

Amazonas-Reisetagebuch Teil 11

Greenpeace-Online, 23.11.03

Samstag, 22. November: Hubschrauber fliegen ist besser als Achterbahn fahren. Ohne Türen, nur mit einem Gurt um die Hüfte, halten wir uns bei den ersten Wendungen am Haltegriff fest, bis wir uns daran gewöhnen. Wir fliegen direkt über den Baumgipfeln und folgen einer Holzfällerstraße. Von ihr gehen Dutzende kleiner Straßen ab, illegal. Erschreckend viel Verwüstung, die wertvollsten Bäume sind gefällt. In Hunderten von Jahren gewachsen, in Minuten umgesägt. Einst so hoch wie ein zehnstöckiges Hochhaus, liegen die Baumstämme wie Riesenstreichhölzer am Boden.

Wir fliegen über das Flussschiff. Es ankert vor einem Einschlaggebiet. Bis vor kurzem wurde hier noch gearbeitet. Inzwischen haben sich die Holzfäller aus dem Staub gemacht. Nachts erspähen wir oft Schiffe voller Equipment. Die Holzfirmen bringen ihre Bulldozer und Motorsägen in Sicherheit. Das Holz lassen sie zurück. Wenn die IBAMA, die brasilianische Umweltbehörde, sie beim Holzraub erwischt, beschlagnahmt sie die Maschinen. Den Maschinentransport allein kann die IBAMA nicht aufhalten, wenn die Werkzeuge registriert sind.

Von oben sehen wir, dass die anderen schon zwei Buchstaben auf die Plattform vor dem Einschlaggebiet geschrieben haben. Auf der Plattform stapeln die Holzfäller normalerweise die Stämme und transportieren sie über den Fluss ab. C und R steht dort schon; I, M und E folgen noch: CRIME. Wir landen wieder im Einschlaggebiet.

Verantwortlich für den Holzraub ist ein Mann namens Paolo Pombo. Rund 6000 Kubikmeter Tropenholz liegt hier herum. Macaranduba, Copiuba - Holzarten, die zu Bauholz weiterverarbeitet werden sollen. Auf dem europäischen Markt ist Tropenholz im Einkauf meistens billig. Geklaute Ware lässt sich günstig verkaufen. Die Händler machen trotzdem fetten Gewinn.

Wir schreiben "illegal" auf die Holzstämme, auf portugiesisch und auf englisch. Zusammen mit rund 20 anderen Greenpeacern halten wir ein riesiges Banner: "Amazon Crime - Greenpeace". Wir machen Fotos, teilen der Presse unseren Fund mit. Alle sollen wissen, was die Holzfäller anrichten. Und die Holzfäller sollen wissen, dass wir sie erwischt haben.

Jetzt ist die IBAMA wieder am Zug. Sie wird das Holz vermessen und Pombo anzeigen. Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber wir geben die Hoffnung nicht auf. Die Regierung scheint über die Einrichtung eines Schutzgebietes nachzudenken. Gute Neuigkeit.

Heute Nacht sind Gomes und Ribamar in Alarmbereitschaft. Sie sind für unsere Sicherheit zuständig. Nachdem die Holzfäller bereits die IBAMA festgesetzt haben (siehe Tagebuch Nr. 9), wissen wir nicht, ob sie unsere Aktion stillschweigend hinnehmen werden.


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