AktuellAllein gegen die Holzmafia
Allein gegen die HolzmafiaEin Journalist kämpft gegen Waldvernichtung und riskiert dabei sein Leben.Von Angelika Hillmer, Hamburger Abendblatt, 24.11.03 Der 28. November 2001 änderte sein Leben: Damals fielen Schergen der indonesischen Holzmafia über Abi Kusno Nachran her, stachen mit Macheten auf ihn ein, bis sie ihn für tot hielten. Nachran ist Journalist. Er dokumentiert seit zehn Jahren die Machenschaften der Regenwaldzerstörer, kam ihnen immer dichter auf die Spur. Der 62-Jährige überlebte den Anschlag schwer verstümmelt. An der linken Hand blieb nur der Daumen, die Knochen des rechten Armes waren durchtrennt. Um ihn zu retten, vermittelte ein indonesischer Arzt eine Behandlung im Unfallkrankenhaus Boberg. Durch zwei mehrwöchige Klinikaufenthalte im Herbst/Winter 2002 konnte der Arm erhalten werden. Engagierte Hamburger finanzierten die (bereits reduzierten) Behandlungskosten, 3000 Euro stiftete der Abendblatt-Hilfsfonds "Von Mensch zu Mensch". Freitag flog Nachran zum dritten Mal in die Hansestadt, die er "meine zweite Heimat" nennt - aus einem erfreulichen Anlass: Heute Abend erhält er im Hamburger Rathaus den "Dr. Götze Geo-Preis" für seinen bedingungslosen Kampf zur Rettung der letzten Regenwälder auf der Insel Borneo. Abi Kusno Nachran, Vater von fünf Söhnen im Alter von 14 bis 25 Jahren, ist zurückhaltend und freundlich. Zögerlich erzählt er von den zurückliegenden zwei Jahren. Erst als das Gespräch auf die Holzmafia kommt, die mit korrupten Staatsbeamten Hand in Hand arbeite, sprudeln die Worte aus ihm heraus. Immerhin reagierte zumindest der Forstminister auf Nachrans Recherchen. Er ließ im November 2001 ein Schiff mit 54 000 Kubikmeter illegal geschlagenem Holz beschlagnahmen - der Auslöser für den Anschlag auf den Informanten. Die Täter waren nicht vermummt. Abi Nachran hat sie erkannt und kennt auch ihre Auftraggeber. "Sie sind nie bestraft worden, laufen heute noch frei herum. Ich bin ihnen schon mehrfach begegnet", erzählt der Umweltjournalist und schmunzelt. Nein, Angst habe er nicht, auch keine Leibwächter. "Dies ist mein zweites Leben, und ich werde es, wie das erste, für die Rettung unserer Wälder einsetzen." Dieser Mut beeindruckte auch die Jury des "Dr. Götze Geo-Preises". Sie sprach dem Indonesier den ersten, mit 12 000 Euro dotierten Platz zu. "Das Geld verbessert meine Arbeitsmöglichkeiten", freut sich Nachran. Er gibt seit einigen Jahren ein Monatsheft heraus, "das Einzige, das sich mit Umweltschutz befasst". Das Erscheinen steht finanziell auf der Kippe, die Autoren und die Druckkosten müssen bezahlt werden. "Verkaufen kann ich das Magazin nur an Studenten in Jakarta; in den Regenwaldregionen sind die Leute so arm, dass ich es verschenke", sagt der Herausgeber. Das Preisgeld stellt nun das Erscheinen vorerst sicher. Voller Dankbarkeit will sich Abi Kusno Nachran dieses Mal Zeit nehmen in Hamburg; ein Rückflug ist noch nicht gebucht. "Zweimal war ich aus medizinischen Gründen hier, jetzt steht meine Arbeit im Mittelpunkt", sagt er. Auch Deutschland fördere die Waldzerstörung, zum Beispiel mit staatlichen Hermesbürgschaften an asiatische Papierfabriken. Oder durch den Import von Bauholz und Möbeln. "Die Geschäftsleute sollten sich darum kümmern, woher die Ware stammt, die sie aus Asien importieren", fordert Nachran. Er wird in Hamburg Vorträge halten über den Raubbau an "seinen" Wäldern. Dia-Vortrag: Abi Kusno Nachran berichtet morgen über seinen Kampf gegen die indonesische Holzmafia: 19 Uhr, Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP), Von-Melle-Park 9. Die Zerstörung der indonesischen WälderHamburger Abendblatt, 24.11.03Der Raubbau am indonesischen Regenwald hat ein Rekordniveau erreicht: Jährlich verschwinden rund zwei Millionen Hektar Wald - 26-mal die Hamburger Stadtfläche. Rund 70 Prozent der Bäume werden illegal eingeschlagen. Seit den 80er-Jahren verdoppelte sich die Verlustrate. Auch Holzimporte nach Deutschland nehmen zu, warnt die Artenschutzorganisation "Pro Wildlife". Wichtige Importhölzer seien Ramin, Meranti, Balau, Daru Daru, Okumé und White Lauran. Zudem verdrängen Ölpalmenplantagen den Urwald. Das Öl dient als Grundstoff für Waschmittel und Kosmetika, Margarine, Fritierfett und Süßwaren - anno 2001 gingen nach Angaben der Umweltstiftung WWF 430 000 Tonnen indonesisches Palmöl nach Deutschland. Hauptleidtragende der Waldzerstörung sind die Orang-Utans. Die sanftesten Vertreter unter den Menschenaffen brauchen den Wald zum Überleben. Ihr Restbestand, rund 20 000 Tiere, lebt auf den Inseln Borneo und Sumatra. hi » zurück |
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