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Rede von Abi Kusno Nachran
Preisverleihung des Dr.Götze Geo-Preises
Deutsche Übersetzung der Rede des indonesischen Umweltjournalisten Abi Kusno Nachran anlässlich der Preisverleihung des Dr.Götze Geo-Preises 2002/2003 am 24.11.2003 im Rathaus der Hansestadt Hamburg
Sehr geehrte Gäste,
bis vor wenigen Jahrzehnten war meine Heimat Kalimantan noch zu einem
grossen Teil von intakten Urwäldern bedeckt. Die auf Kalimantan lebenden Menschen verstanden sich sehr gut darauf, viele verschiedene Produkte des Waldes als Nahrung, Kleidung oder als Baumaterial zu nutzen, ohne den Wald dabei nachhaltig zu schädigen.
Seit ca. 15 Jahren nun werden die Wälder, von denen meine
Vorfahren, meine Eltern und auch ich selbst noch gelebt haben, in grossem Umfang zerstört. Im Namen des "Fortschritts" werden nicht nur in meiner Heimat Kalimantan sondern auch in vielen anderen Regionen Indonesiens riesige Gebiete ursprünglichen Tropenwaldes z.B. für die Gewinnung tropischer Edelhölzer, für die Papierherstellung sowie für die Schaffung grosser Palmölplantagen zerstört.
Vielen der Produkte, die direkt mit der Tropenwaldzerstörung in meiner
Heimat in Verbindung stehen, bin ich bei meinen Besuchen in Deutschland
wieder begegnet. So habe ich z.B. in vielen Baumärkten und Möbelgeschäften in Hamburg Produkte aus Ramin, Meranti, Merbau und andere Hölzer gesehen.
Nicht mal ein Siegel wie FSC kann die legale Herkunft garantieren.
Die Menschen in Deutschland sollten wissen, dass in Indonesien 90% aller Bäume ohne Genehmigung illegal eingeschlagen werden. Der Holzhandel Indonesiens ist fest in der Hand einer Holzmafia, welche ihre Interessen skrupellos mit Bestechung und ggf. auch Gewaltverbrechen durchsetzt. Durch die illegalen Machenschaften der Holzmafia verlieren viele Menschen in meiner Heimat, die bisher mit und von den Wäldern gelebt haben, innerhalb kürzester Zeit ihre Existenzgrundlage.
Viele Nahrungsmittel enthalten heute Palmöl, dessen Rohstoffe aus
Plantagen stammen, die auf zuvor zerstörten Urwaldflächen angelegt wurden.
Es macht mich sehr traurig, dass selbst hochentwickelte und reiche
Länder wie Deutschland sich weiterhin in vielfältiger Weise an der
Tropenwaldzerstörung in meiner Heimat beteiligen. Es reicht nicht aus,
wenn in den reichen Industrieländern von Menschenrechten, sozialer Verantwortung und der Bedeutung der Tropenwälder immer nur geredet wird. Vielmehr müssen die Politiker bzw. die Menschen in den reichen Industrie-länder allgemein, Produkte, welche der Tropenwaldzerstörung und der Verelendung zehntausender Menschen Vorschub leisten,
konsequent boykottieren.
Ich habe gehört, dass die Stadt Hamburg wieder mit Tropenholz aus
Malaysia bauen will. Sollte dies zutreffen, so wäre dies eine sehr
unverantwortliche Entscheidung. Der Hamburger Senat sollte eigentlich wissen, dass Malaysia seine eigenen Wälder schon fast völlig zerstört hat und inzwischen grosse Mengen illegal eingeschlagenes Tropenholz aus Indonesien nach Malaysia geschmuggelt werden. Die Stadt Hamburg sollte daher aus meiner Sicht auf keinen Fall Tropenholz aus Malaysia verwenden, sondern sich besser auf Holz aus dem eigenen Land besinnen.
Ich habe auch gehört, dass die Deutsche Bundesregierung mit
Bürgschaften und finanzieller Hilfe die Errichtung von Papierfabriken in China unterstützen will. Laut den Plänen der Investoren sollen in diesen Papierfabriken Urwaldbäume aus Indonesien zu Papier verarbeitet werden. In die Praxis umgesetzt, würden diese Projekte zu weiterer massiver Tropenwaldzerstörung und sozialer Verelendung in meinem Land beitragen.
Sie sehen also, wie vielfältig vernetzt die Entwicklung der letzten
Tropenwälder in meiner Heimat Indonesien auch mit Entscheidungen hier
in Deutschland ist. An den Schreibtischen in Hamburg und Berlin wird auch über das Schicksal der Menschen und des Waldes Indonesiens entschieden. Bislang hat die Tropenholzmafia, die mich im Jahre 2001 fast umgebracht hätte, von vielen Entscheidungen deutscher Politiker und Wirtschaftsvertreter stark profitiert.
Ich bedanke mich sehr bei allen Beteiligten, dass Sie mich in
Anerkennung meiner Arbeit gegen die Tropenholzmafia als Preisträger des
diesjährigen Dr.Götze Geo-Preises ausgewählt haben. Ich betrachte diese hohe Auszeichnung nicht nur als persönliche Ehrung, sondern möchte diese Auszeichnung heute auch allen anderen Menschen widmen, welche sich weltweit gegen skrupellose Umweltzerstörung und soziale Verelendung engagieren.
Ich gedenke auch jenen, die für ihr Engagement gar mit ihrem Leben bezahlt haben.
Ich hoffe, dass die Menschen in Deutschland ihre Politiker und
Kaufhäuser und Baumärkte daran hindern werden, den Raubbau in Indonesien weiter direkt oder indirekt zu finanzieren und zu fördern.
Vielen Dank!
Abi Kusno Nachran
24.11.2003
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