powered by <wdss>
Aktuell

Stimmen zum Preis für Wangari Maathai

Friedensnobelpreis für Wangari Maathai

Greenpeace-Online, 8.10.04

Hamburg - Der Friedensnobelpreis 2004 geht an die Kenianerin Wangari Maathai. Die Umweltaktivistin und Menschenrechtlerin gehört seit vielen Jahren zu den prominentesten Frauen Afrikas. 1977 gründete sie die Umweltbewegung "Grüner Gürtel" (Green Belt Movement) - ein Projekt gegen den Kahlschlag. Mittlerweile wurden im Rahmen dieses Projektes weit über Kenia hinaus rund 30 Millionen Bäume gepflanzt.

In einem Interview mit dem Greenpeace Magazin Ende 2002 begründete die heute 64-Jährige ihre Initiative: "Bäume verhindern Erosion, erhalten die Artenvielfalt, garantieren Schatten, sind notwendig als Trinkwasserspeicher, liefern Brennholz und schaffen Einkommensquellen. In armen Ländern sind Wälder noch bedeutender als in reichen. Wir in Afrika sind auf sie angewiesen, ohne Wälder können wir nicht existieren."

Die promovierte Biologin legte sich mit dem kenianischen Regime unter Daniel arap Moi an, prangerte Korruption an, setzte sich für Demokratie und Bürgerrechte ein. Während sie im eigenen Land geschmäht, verfolgt und mehrmals inhaftiert wurde, genoss sie im Ausland hohes Ansehen. 1984 wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet.

Die Wende in ihrem Leben kam mit dem Regierungswechsel im Dezember 2002. Maathai wurde ins Parlament gewählt und zur stellvertretenden Umweltministerin ernannt. Im April 2004 nahm sie den Petra-Kelly-Preis der Heinrich-Böll-Stiftung entgegen. Wangari Maathai ist die erste Afrikanerin, deren Engagement mit dem Friedensnobelpreis geehrt wird. (sit)


Freitag 8. Oktober 2004, 15:03 Uhr

Einsatz für Afrika

Friedens-Nobelpreis geht an Wangari Maathai aus Kenia
Kampf für Umweltschutz und Menschenrechte


Von Gregor Haake

Oslo (ddp). Der Friedens-Nobelpreis geht in diesem Jahr überraschend an die Kenianerin Wangari Maathai. Die 64-jährige Vize-Umweltministerin von Kenia ist die erste Afrikanerin, die den Preis erhält, wie das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo bekannt gab. Sie werde für ihren Einsatz für Umwelt und Menschenrechte sowie Demokratie und Frieden ausgezeichnet. In Deutschland wurde die Auszeichnung mit Beifall begleitet. Bundespräsident Horst Köhler sprach von einer verdienten Anerkennung jahrzehntelangen Engagements. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) betonte, Maathai habe den Menschen weltweit Hoffnung gegeben.

Maathai sei eine starke Stimme, die für die besten Kräfte in Afrika spreche, um Frieden und gute Lebensbedingungen auf dem Kontinent voran zu treiben, hieß es in der Begründung des Nobelkomitees. Zudem habe sie sich um die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung Afrikas verdient gemacht. Maathai hatte 1977 die «Green Belt»-Bewegung gegründet, in der jahrelang arme Frauen 30 Millionen Bäume gepflanzt haben. Ziel der Bewegung ist es, die Ausbreitung der Wüste zu bekämpfen.

Bundespräsident Köhler sprach Maathai seinen tiefen Respekt für ihre Arbeit aus. Das Recht aller Menschen auf ein Leben in einer gesunden Umwelt sei wohl eines der grundlegendsten Menschenrechte, sagte er. Der Preis sei verdiente Anerkennung jahrzehntelangen Engagements.

Bundeskanzler Schröder stellte fest, die Kenianerin habe Zeichen über die Grenzen Afrikas hinaus gesetzt und den Menschen weltweit Hoffnung gegeben. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) betonte, die herausragende Umweltschützerin habe mit der «Green Belt»-Bewegung unzählige Kenianer für ein «beispielloses Aufforstungsprojekt» begeistert.

Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt und Krista Sager, sehen in der Auszeichnung Maathais ein Zeichen dafür, wie wichtig der Umweltschutz gerade in einer globalisierten Welt ist. Umweltschutz sei keine Luxuspolitik nur für wohlhabende Länder, sondern existenziell für diese Welt.

Die Nobelpreise sind mit jeweils umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotiert. Im Unterschied zu den übrigen, in Schweden verliehenen Preisen wird der Friedens-Nobelpreis durch das norwegische Nobelkomitee vergeben. (Quelle: alle in Mitteilungen)


Freitag 8. Oktober 2004, 13:13 Uhr

UN-Umweltprogramm erfreut über Nobelpreis für Maathai

Nairobi (dpa) - Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen hat sich «hoch erfreut» über die Vergabe des Friedensnobelpreises an Wangari Maathai gezeigt. Im Kampf für die Umwelt sei Maathai die Frau, die vielleicht weltweit, aber mit Sicherheit in Afrika am meisten im Rampenlicht stehe. Das sagte Sprecher Eric Falt am UNEP-Sitz in Nairobi. Die jetzige Vize-Umweltministerin Kenias engagierte sich zunächst für die Rettung der Wälder in ihrem Heimatland. Später kämpfte Maathai auch für Meinungsfreiheit und gegen Korruption.


Freitag 8. Oktober 2004, 14:35 Uhr

Maathai sieht in Umwelterhaltung zentrale Voraussetzung für Frieden

Nyati (dpa) - Die kenianische Trägerin des Friedensnobelpreises, Wantari Maathai, hat den Kampf für die Umwelterhaltung als unerlässliche Voraussetzung für Frieden bezeichnet. In einem TV- Interview sagte die 64-jährige Vize-Umweltministerin, die natürlichen Ressourcen seien ein wichtiger Friedensaspekt. Über die Zukunftsperspektive für ihr Heimatland sagte Maathai, sie sei sicher, dass man den Kindern ein besseres Kenia hinterlassen werde als frühere Generationen.


Freitag 8. Oktober 2004, 14:21 Uhr

Erstmals Friedensnobelpreis für den Umweltschutz

Oslo (AP) Der Friedensnobelpreis würdigt in diesem Jahr zum ersten Mal das Engagement für Umwelt- und Naturschutz: Die kenianische Biologin Wangari Maathai stehe «für die besten Kräfte in Afrika», die nach «Frieden und guten Lebensbedingungen auf diesem Kontinent» trachten, erklärte das Nobel-Komitee am Freitag in Oslo.

An der Spitze der Grüngürtelbewegung (Green Belt Movement, GBM) engagiert sich die erste Afrikanerin, die den Friedensnobelpreis erhält, vor allem für die Erneuerung der Wälder in Afrika - seit der Gründung im Jahr 1977 pflanzten die Mitglieder mehr als 30 Millionen Bäume an. Diesen Einsatz verband Maathai mit politischen Forderungen für die Förderung der in traditionellen Strukturen benachteiligten Frauen sowie für Menschenrechte und Demokratie. Bis 2002 geriet sie deswegen wiederholt in Konflikt mit der Regierung des langjährigen Präsidenten Daniel arap Moi. Inzwischen gehört die 64-Jährige als stellvertretende Umweltministerin aber selbst der Regierung an.

Maathai habe sich mutig gegen das ehemalige Regime und gegen die Unterdrückung in Kenia gestellt, erklärte das Nobel-Komitee. «Sie denkt global und handelt lokal.»

«Ich bin absolut überwältigt», erklärte Maathai im norwegischen Fernsehen. «Ich hatte das nicht erwartet.» Der Schutz der Umwelt sei für den Frieden von zentraler Bedeutung. «Wenn wir unsere Ressourcen zerstören und diese knapp werden, fangen wir an, darum zu kämpfen.» Auch ihre Regierung reagierte mit großer Freude. «Wir sind stolz auf sie», sagte Regierungssprecher Alfred Mutua.

«Wir haben dem Frieden eine neue Dimension hinzugefügt», sagte der Komitee-Vorsitzende Ole Danbolt Mjös zur Begründung der Entscheidung. Für den Friedensnobelpreis 2004 gingen so viele Nominierungen ein wie nie zuvor. Das Komitee hatte die Wahl unter 194 Vorschlägen. Als aussichtsreicher Kandidat galt unter anderen der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohamed ElBaradei.

Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die iranische Menschenrechtsaktivistin Schirin Ebadi. Der mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotierte Preis wird am 10. Dezember in Oslo übergeben.


8.10.04

Kritik an Menschenrechts- und Umweltlage in Kenia

Hamburg/dpa. Die Menschenrechtssituation in Kenia stößt seit Jahren auf internationale Kritik. Experten von Organisationen wie «Amnesty International» und «Human Rights Watch» verweisen insbesondere auf einen unverhältnismäßigen Einsatz von Polizeigewalt etwa bei Demonstrationen und auf Defizite im Justizwesen. Die Bedingungen in den Gefängnissen gelten als schlecht: Es gebe immer wieder Berichte über Vergewaltigungen und Folterungen in den Haftanstalten. Im Zentrum der Kritik steht vor allem Gewalt gegen Frauen. So ist in Kenia auch die weibliche Genitalverstümmelung weit verbreitet. Die Tradition und mangelnde Rechtssicherheit verletzten zudem das Recht kenianischer Frauen auf Besitz, Erbe und die Kontrolle über Eigentum.

Prekär ist nach Angaben von Naturschützern auch die Situation der Umwelt. Die tropischen Regenwälder Kenias wurden drastisch abgeholzt Die «Grüngürtelbewegung» der Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai geht davon aus, dass der Wald heute weniger als zwei Prozent der Fläche Kenias bedeckt. Mindestens zehn Prozent seien aber für ein biologisches Gleichgewicht nötig.

Experten sehen einen hausgemachten Zusammenhang zwischen den schweren Dürren, die das Land wiederholt heimgesucht hat, und dem Raubbau an der Natur. Der Waldzerstörung folgen Bodenerosion und Wüstenbildungen. Bevölkerungswachstum, skrupellose Geschäftemacher und Armut gelten als die ärgsten Feinde der Bäume. Viele Bauern und Hirten zeigen wenig Verständnis für große Nationalparks oder Wälder. Sie suchen nach Anbau- und Weideflächen. Zudem ist Holz ein beliebtes Heizmittel.

Als großes Problem gilt die ausufernde Korruption in dem Land. Präsident Mwai Kibaki hat zwar den Kampf dagegen auf seine Fahnen geschrieben. Es gab aber nur einige spektakuläre Aktionen wie die Entlassung von Richtern. Die internationale Kritik an zu geringen Fortschritten auf diesem Gebiet hält an.


Porträt: Mit voller Kraft für Umwelt und Gerechtigkeit

Von Marc Engelhardt, Nairobi, für die Tagesschau

Für Wangari Maathai ist es nichts ungewöhnliches, Erste zu sein. Die heute 64jährige Kenianerin war die erste Frau in ihrem Heimatland, die einen Doktorgrad erlangte - trotz vehementen Widerstands ihrer männlicher Mitstudenten. Sie beißt sich durch: Wenige Jahre später wird Maathai an der selben Universität in Nairobi die Vorsitzende der veterinär-medizinischen Fakultät: Auch hier war sie die Erste. Jetzt ist Maathai die erste afrikanische Frau, die den Friedensnobelpreis gewonnen hat.

Geboren wurde Maathai 1940 in Nyeri, einer Provinzstadt zwischen Teeplantagen in Kenias Highlands. Dass sie eine höhere Schule besuchen konnte, war auf dem Land eine Seltenheit. Zum Studieren verließ sie zunächst ihre Heimat und studierte Biologie in Kansas und Pittsburgh. Es folgte die Karriere an Nairobis staatlicher Universität. Doch zugleich engagiert die energische Frau sich für ihre Landsleute.

Aktivistin gegen das Establishment

Ihren Platz sieht sie dabei immer nah bei den Menschen. "Mir geht es vor allem darum, die politische Elite davon zu überzeugen, dass Gleichheit, Demokratie, Umwelt- und politisches Verantwortungsbewusstsein Teil der Politik werden müssen", sagt sie später über ihre Arbeit. Im repressiven Klima des Moi-Regimes scheut sie keine Konflikte. Anfang der 70er Jahre gründet Maathai die erste Umweltbewegung Kenias, das "Green Belt Movement". Dort kämpft sie mit Baumpflanz-Aktionen für die Erhaltung von Wäldern in Kenia und Ostafrika und zugleich für mehr Demokratie.

Doch je einflussreicher ihre Bewegung wird, desto schwieriger wird die Lage für Maathai. 1991 wird sie vom Regime verhaftet, ins Gefängnis geworfen, misshandelt. Es sind Aktivisten wie sie, die ihr schließlich zur Freiheit verhelfen: Eine Briefkampagne von Amnesty International sorgt für so viel Druck, dass die kenianischen Behörden Maathai freilassen müssen.

Mit voller Kraft in die Politik

Ihre politische Arbeit setzt die dreifache Mutter danach fort. Als Vorsitzender des Nationalen Frauenrates streitet sie jetzt auch für Frauenrechte. Als Kenias Präsident Moi 1998 hunderte Hektar Wald roden lassen will, um Luxushäuser bauen zu lassen, geht die streitbare Aktivistin ebenfalls auf die Straße. Ein Jahr später wird sie angegriffen und verletzt, während sie einen Setzling pflanzt.

Ihr Mann hatte sich da schon von ihr scheiden lassen. Seine Frau sei "zu gebildet, zu stark, zu erfolgreich und habe zuviel Kontrolle über die Dinge", so seine Begründung. Rückschläge erlebt Maathai zunächst auch in der Politik: 1997 bewirbt sie sich als kenianische Präsidentin und verliert: Ihre Partei hatte, ohne sie davon zu informieren, wenige Tage zuvor die Kandidatur zurück gezogen.

Von der Straße ins Kabinett

Ins Parlament schafft Maathai es erst, als die Oppositionsbewegung 2002 den Sprung an die Regierung schafft. Der neue Präsident Mwai Kibaki ernennt sie daraufhin zur Vize-Umweltministerin, einen Posten, den Maathai bis heute innehat. Der Sprung an die Regierung änderte für sie nichts an ihren Zielen. "Ich habe jetzt eine weitaus bessere Position", betont Maathai bei der Entgegennahme des Petra-Kelly-Preises 2004 in Berlin. "Ich sitze jetzt am Lenkrad und nicht mehr auf dem Beifahrersitz."

Ihre Kampfeslust hat Wangari Maathai dadurch nicht eingebüßt. Noch vor wenigen Tagen forderte sie eine gerechte Landpolitik in Kenia. Um dieses in der Regierung umstrittene Ziel zu erreichen, so Maathai, sei sie bereit, dafür ihren Regierungsposten aufs Spiel zu setzen.


Freitag 8 Oktober, 2004 15:21 CET

Maathai pflanzt zur Feier des Nobelpreises einen Baum

von Wangui Kanina

Nyeri (Reuters) - Weinend vor Freude streift sie ihren Schmuck ab, kniet nieder und versenkt beide Arme bis zu den Ellenbogen in der Erde, um den jungen Baum sicher in den Boden ihres Heimatortes Nyeri zu betten.

Die 63 Jahre alte Umweltschützerin Wangari Maathai feiert den Friedensnobelpreis am Freitag, wie sie lebt: Sie pflanzt einen für die Region typischen Nadi-Flame-Baum, während sie in der Stadt am Fuß des teils abgeholzten Mount Kenia ihre Gratulanten empfängt. Und sie freut sich überschwänglich. "Ich habe gezittert, geweint und auf den Berg geblickt - dieser Berg inspiriert mich seit Jahren", sagt sie der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag, kurz nachdem sie die Nachricht über den Preis erhalten hat.

Zuerst habe sie gedacht, jemand wolle sich einen Spaß mit ihr erlauben. Sie habe vorher nicht die geringste Ahnung gehabt und sei von der Nachricht überwältigt. "Das ist der Höhepunkt. Es kann nicht besser kommen - höchstens im Himmel", schildert Maathai ihre Gefühle. Sie hat die vergangenen Jahrzehnte damit verbracht, die Kenianer zu lehren, dass die Abholzung der Wälder das Ökosystem des Landes unwiederbringlich zerstören würde. Ohne die Wälder könne der Boden kein Wasser mehr speichern, informierte sie die Menschen. Dies würde dann auch das Aus für Ackerbau und die Nutzung von Wasserkraft als Energiequelle bedeuten.

Maathai ist eine Frau der klaren Worte. Immer wieder zog sie gegen die Regierung des früheren Staatschefs Daniel arap Moi vor Gericht, um Abholzungen zu verhindern. Mit dem Machtwechsel Ende 2002 wurde sie stellvertretende Umweltministerin, doch der Raubbau an den Wäldern geht selbst in ihrem eigenen Wahlkreis Tetu weiter. Maathai droht allerdings damit, im Zweifel lieber ihr Mandat aufzugeben, als den Abholzungen weiter zuzusehen. "Ich würde eher meinen Parlamentssitz aufgeben, als bei der Zerstörung unserer Wälder zuzuschauen", sagt sie am Freitag.

Mit der Ehre und dem Preisgeld des Friedensnobelpreises kommen allerdings auch neue Aufgaben auf die Umweltschützerin zu. "Ich habe noch nie in meinem Leben so viel Geld gesehen!", freut sie sich. "Ein Teil davon wird auf jeden Fall in die Umweltprojekte fließen. Ich muss jetzt einen Haushaltsplan aufstellen, das Geld verschiedenen Dingen widmen - genau wie reiche Leute!"


» zurück
 

Druckversion